Justiz
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Ein Schüler hat sich in einer Sekundarschule im zürcherischen Meilen lebensgefährliche Verbrennungen zugezogen. (Symbolbild)

Für das Opfer kam jegliche Hilfe zu spät. (Symbolbild) Bild: KEYSTONE

Mann ersticht in Aarau Frau mit über 51 Stichen – er kommt in eine geschlossene Klinik



Ein heute 29-jähriger Mann erstach Anfang 2019 in Aarau mit einem Klappmesser eine 66-jährige Frau brutal. Das Bezirksgericht Aarau hat den an paranoider Schizophrenie erkrankten Kroaten als schuldunfähig befunden. Es ordnete eine stationäre therapeutische Massnahme an.

Das Bezirksgericht stützte sich bei seinem Urteil am Mittwochabend auf ein psychiatrisches Gutachten. Dieses diagnostizierte beim in der Schweiz geborenen Kroaten eine paranoide Schizophrenie und einen schädlichen Gebrauch von Alkohol und Kokain.

Aus forensisch-psychiatrischer Sicht sei zum Zeitpunkt der Tat die Einsichtsfähigkeit des Mannes aufgehoben gewesen, sagte die Gutachterin vor dem Bezirksgericht. Er habe Stimmen gehört und im Wahn gehandelt. Er spiele sein psychotisches Verhalten nicht vor.

Ohne Behandlung bestehe ein hohes Risiko, dass er erneut Gewaltstraftaten begehen könne. Er müsse in einer geschlossenen Klinik mit Medikamenten behandelt und therapiert werden. Der geständige Mann befindet sich seit seiner Verhaftung im Februar 2019 im Zentralgefängis in Lenzburg.

Für die Angehörigen sei es ein schwieriger Schritt, die Schuldunfähigkeit zu akzeptieren, sagte der Gerichtspräsident in der Begründung des Urteils: «Wir können Ihnen so oder so nicht gerecht werden.» Die Glaubwürdigkeit des Gutachtens lasse sich jedoch nicht erschüttern.

Behandlung mit Medikamenten

Es mache keinen Sinn, was er getan habe, sagte der grossgewachsene Mann mit jugendlichem Gesicht bei der Befragung vor Gericht etwas stockend. Seit er im Gefängnis jeden Tag fünf Tabletten einnehme, gehe es ihm besser. Er mache gerne eine Therapie. «Ich will mich bei der Familie gerne entschuldigen, dass es so weit gekommen ist», sagte er im Schlusswort.

Bei der Verhandlung wurde auch bekannt, dass der Mann zwei Jahre vor der Tat für insgesamt zwei Monate wegen seiner Kokainsucht in stationärer Behandlung gewesen war. Dabei wurden zwar Auffälligkeiten in seinem Verhalten festgestellt, jedoch nicht weiter verfolgt.

Kein Landesverweis

Die Staatsanwältin und der Pflichtverteidiger stellten sich hinter das psychiatrische Gutachten und sprachen sich für eine stationäre Massnahme in einer geschlossenen Einrichtung aus. Die Staatsanwältin forderte eine Landesverweisung von 15 Jahren; der Verteidiger war dagegen.

Eine Mehrheit des fünfköpfigen Bezirksgerichts lehnte einen - bei Schuldunfähigkeit rechtlich möglichen - Landesverweis ab. Der Täter sei hier geboren, sagte der Gerichtspräsident. Er komme erst auf freien Fuss, wenn ein Fachgremium befinde, die Therapie sei erfolgreich und es bestehe keine Rückfallgefahr mehr.

Der Anwalt der Familie zweifelte das Gutachten an und verlangte ein zweites Gutachten. Der Mann sei nicht schuldunfähig und solle wegen Mordes verurteilt werden. Die beiden Söhne und der Ehemann, der bereits längere Zeit getrennt vom Opfer gelebt hatte, äusserten sich ebenfalls vor Gericht.

Die Tat hinterlasse «bittere, bittere Spuren», sagte der Ex-Ehemann. Ein Sohn forderte, ein solcher Täter dürfe nie mehr frei kommen. Es gebe viel Wut, Verbitterung und Hass.

Vor der Haustüre um Hilfe gerufen

Der Kroate hatte die 66-jährige Schweizerin am frühen Abend des 17. Januar 2019 mit einem frisch geschliffenen Klappmesser brutal erstochen. Mehr als 51 Mal stach er auf den Oberkörper sowie weitere Male auf Beine und Arme des Opfers ein, wie beim Prozess bekannt wurde.

Die allein lebende Frau schleppte sich vor die Türe und rief um Hilfe. Nachbarn fanden die Schwerverletzte blutüberströmt. Das Opfer erlag wenig später im Spital an den schweren Verletzungen.

Knapp einen Monat nach der Bluttat wurde der in der Region wohnhafte Mann festgenommen. Er bestritt die Tat zunächst. Der Mann hatte die Frau getötet, weil er nur noch einen Monat in einem Zimmer im Kanton Luzern hatte wohnen können, wie es in der Anklageschrift heisst. Er hatte vor, nach dem Tod der Frau deren Wohnung zu beziehen. Er hatte 2015 als Sanitär in dieser Wohnung gearbeitet und wusste, dass die Frau allein lebte. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • beaetel 20.02.2020 10:01
    Highlight Highlight Wenn der Mann unter Kokain- und Alkoholeinfluss stand, könnte man von einer Drogen induzierten Psychose sprechen. Da der Mann es aber auch auf die Wohnung der Frau absah, sehe ich da eher eine vorsätzliche Tötung, also ein heimtückischer Mord. Und wie das Messer stufe ich die Drogen als Hilfsmittel ein, um diesen einfacher, weil enthemmter durchführen zu können. Die Angst keine Wohnung zu finden, kann man natürlich als paranoiden schizophrenen Wahn hinstellen. Was der braucht ist ein Drogenentzug mit psychologischer Betreuung. Und die Gesellschaft muss natürlich vor ihm geschützt werden.
  • MarGo 20.02.2020 08:15
    Highlight Highlight Im letzten Absatz ist doch klar ein Motiv erkennbar... die Tat also von langer Hand geplant...
    Aus dem psychisch kranken Wahn heraus gehandelt zu haben, klingt da irgendwie nicht so überzeugend...

    Aber wir werden eh nie die ganze Wahrheit erfahren...

  • Lil'Ecko 20.02.2020 07:53
    Highlight Highlight Schlimm für die Familie des Opfers, jemand tötet einen geliebten Menschen und es wird nicht mal eine Mordanklage erhoben, unverständlich für mich
  • Wolf von Sparta 20.02.2020 07:49
    Highlight Highlight Kommt wieder frei wenn die Therapie erfolgreich ist und keine Rückfallgefahr besteht. Das ich nicht lache! Das heisst der Täter könnte nach 2 Jahren wieder aus der Therapie entlassen werde? Lebenslang einsperren und dort versuchen zu therapieren! Das zumindest würde ich mich als Familie des Opfers wünsche!
  • Holymaccaroni 20.02.2020 07:48
    Highlight Highlight Unser Strafrecht ist auf Rehabilitierung der Täter ausgelegt. Dies ist für Opfer nachvollziehbar äusserst unbefriedigend. Ein total repressives Strafrecht wie z.B. in den USA funktioniert jedoch gar nicht. Liegt wohl in der Natur der Sache das es keine 100%-Lösung gibt.
  • DrDeath 19.02.2020 21:33
    Highlight Highlight Ich stelle mir grad eine ganz seltsame Frage: Wie lange dauert es eigentlich, 51 mal mit dem Messer zuzustechen? Da muss der Täter ja eine ganze Weile damit beschäftigt gewesen sein. Was zum Teufel ging in diesen zwei, drei, vielleicht fünf Minuten in dem Kerl vor? Offenbar waren da ja auch Drogen im Spiel.
  • Manuel Schild 19.02.2020 20:04
    Highlight Highlight Ich will hier nur mal hinweisen das gewisse Zeitungen über das Opfer den Satz „bei ihr gingen häufig junge Männer ein und aus“ veröffentlichten. Natürlich als Zitat eines Nachbarn der nicht genannt werden will.
    • nass 19.02.2020 20:29
      Highlight Highlight Und was möchtest du damit sagen?
    • Donald 19.02.2020 23:57
      Highlight Highlight Und sowieso irrelevant.
  • Donald 19.02.2020 20:00
    Highlight Highlight Kann ich nicht verstehen. Ist nicht jeder, der jemanden umbringt, irgendwie psychisch krank?
    • atorator 19.02.2020 20:25
      Highlight Highlight Dazu muss man wissen, dass die Strafe in der Forensischen sehr viel härter ist, als im Knast. Nichts da mit pingpönglen.
    • Garp 19.02.2020 21:17
      Highlight Highlight Nein, nicht jeder der jemanden umbringt hat eine psychische Erkrankung. Manche sind "nur" skrupellos, geldgierig, machtlüstern usw. .
    • DrDeath 19.02.2020 21:29
      Highlight Highlight So allgemein formuliert: Nein. Streng genommen bringt ein Fahrer der die Kontrolle verliert und einen tödlichen Unfall verursacht auch jemanden um.

      Wenn wir Vorsatz oder wenigstens Tatentschluss dazunehmen, kann man die Frage eher diskutieren. Aber denk mal an einen Soldaten im Krieg, der einen anderen erschiesst: Der ist sicher nicht psychisch krank. Wenigstens vorher nicht.

      Mit anderen Worten: Ganz schwierige Frage. Ich weiss, was du meinst, aber ich glaube du machst es dir mit der Frage zu einfach.
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