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27.05.2014; Zuerich; Eishockey - MK Swiss Ice Hockey;
Journalisten im Gespraech mit Glen Hanlon der als neuer Nationaltrainer vorgestellt wird. (Claudia Minder/freshfocus)

Glen Hanlon und – nein, nicht John Fust – sondern Journalisten bei der Vorstellung auf der MS Albis. Bild: Claudia Minder/freshfocus

Der Mann hinter dem Trainer

Eigentlich ist ein Agent der wahre neue Nationaltrainer 

Nie zuvor hatte ein Agent auf nationalem Niveau so viel Macht wie Daniel Giger. Er ist der wahre Nationaltrainer und hat ein Meisterstück des sportlichen Machiavellismus vollbracht. 

Die «Hockey-Friedensfahrt» vom letzten Dienstag mit dem MS Albis auf dem Zürichsee ist schon legendär. Bei der Vorstellung des neuen Nationaltrainers Glen Hanlon und seines Assistenten John Fust war auch ein Gast an Bord, den kaum jemand beachtet hat. Der Spieleragent Daniel Giger (40). Der modisch gekleidete Mann hatte sein Werk vollendet. Er war ein stiller, zufriedener Beobachter. 

Szenenwechsel. Die nordamerikanische Hockey-Bibel «Hockey News» präsentiert ihren Lesern jeweils vor dem Spielerdraft die aussichtsreichsten Talente. Beim Spielerdraft sichern sich die NHL-Unternehmen die Rechte an den besten Nachwuchsspielern der Welt. 

Der neue Schweizer Eishockeynationaltrainer Glen Hanlon  rechts, und der U20 - Nationaltrainer John Fusst, links, sprechen an einer Medienkonferenz auf dem Schiff MS Albis, einem Schiff der Zuercher Schifffahrtsgesellschaft, auf dem Zuerichsee am Dienstag, 27. Mai 2014. (KEYSTONE/Walter Bieri )

Unter den Fittichen von Daniel Giger: John Fust und Glen Hanlon. Bild: KEYSTONE

Ein Schweizer wird auf einer ganzen Seite vorgestellt: Kevin Fiala (17). Die NHL-Scouts rühmen ihn über alle Massen. Ja, Kevin Fiala wird bereits mit Patrick Kane verglichen. Mit einem der besten NHL-Spieler überhaupt. 

Neben den Leistungen in der schwedischen Eliteliga wird vor allem noch eine Referenz angeführt. Kevin Fiala ist erst der dritte Spieler in der Hockeyweltgeschichte, der im gleichen Jahr alle drei Hockey-WM-Turniere bestritten hat: Die U18-WM, die U20-WM und die «richtige» WM. Die beiden anderen sind die Weissrussen Andrej Kostitsyn und Vladim Karaga. Während Kostitsyn eine schöne NHL-Karriere macht, hat Karaga keine Karriere gemacht. 

Switzerland's Kevin Fiala answers journalists questions during a media conference of the Swiss team, at the 2014 IIHF Ice Hockey World Championships, in Minsk, Belarus, Monday, May 19, 2014. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Kevin Fiala ist einer von erst drei Spielern, die in einem Jahr an drei Weltmeisterschaften teilnahmen. Bild: KEYSTONE

Wir sehen also, dass der Auftritt auf den internationalen Bühnen wichtig ist für einen angehenden Hockey-Star. Es ist sehr hilfreich, wenn auf allen Stufen die Nationaltrainer an sein Talent glauben. Auch wenn Spieler mit dem Talent von Kevin Fiala ihren Weg so oder so machen. 

Die Berufung des Teenagers ins Minsker-WM-Team von 2014 war ungewöhnlich, mutig aber letztlich richtig. Noch längst nicht jeder Nationaltrainer hätte den Mut für dieses Aufgebot gehabt. Und beim Zusammenstellen der U20-WM-Expedition gibt es für die letzten fünf, sechs Plätze immer mindestens 15 bis 20 Kandidaten. Ein Aufgebot für die U20-WM ist für die Förderung einer Karriere nützlich. Gut, wenn einem auch der U20-Nationaltrainer gut gesinnt ist. 

Giger Agent von Hanlon, Fust und Fiala

Was hat nun der Aufenthalt von Daniel Giger auf dem MS Albis mit Kevin Fiala zu tun? Nun, sehr viel. Daniel Giger ist der Agent von Kevin Fiala, Nationaltrainer Glen Hanlon und dessen Assistenten und U20-Nationalcoach John Fust. 

In Nordamerika ist eine solche Verfilzung nicht gestattet. Ein NHL-Spieleragent darf keine Trainer vertreten. Da Daniel Giger keine NHL-Lizenz hat, darf er Spieler und Trainer vertreten wie er will. Für NHL-Geschäfte arbeitet er einfach mit einem NHL-Agenten zusammen. 

Simpsons Abgang ein Glücksfall für Agenten

Daniel Giger hat auch Sean Simpson und Colin Muller unter Vertrag, die in Minsk unser Nationalteam geführt haben und nun in die KHL (Jaroslawl) wechseln. Das Scheitern der Verhandlungen des Silberschmiedes von Stockholm war also für den smarten Agenten ein Glücksfall: Simpson und Muller zogen weiter zu den russischen Hockey-Goldminen und Giger hatte für seine Klienten Glen Hanlon und John Fust lukrative Jobs parat. Da er ja die Vertragsbedingungen der Vorgänger kannte, war er auch dazu in der Lage für Glen Hanlon und John Fust einen bäumigen Vertrag auszugestalten. 

Der Schweizer Headcoach Sean Simpson stellt sich Journalisten nach dem verlorenen Viertelfinalpiel einer abschliessend Bilanz im Medienzentrum an der Eishockey Weltmeisterschaft zwischen der Schweiz und Deutschland am Donnerstag, 20. Mai 2010, in der SAP Arena in Mannheim, Deutschland. (KEYSTONE/Arno Balzarini)

Sean Simpson wird ebenfalls von Daniel Giger betreut. Bild: KEYSTONE

Damit hat sich Daniel Giger die beste aller Welten im Hockey-Universum erschaffen. Der ehemalige NLA-Stürmer (Zug, Rapperswil) kann seinen Klienten allerbeste Verbindungen zu den Nationaltrainer und damit sehr gute Chancen auf WM-Teilnahmen bieten. Das erleichtert das Anwerben von Kundschaft. Das überraschende und mutige WM-Aufgebot für Kevin Fiala hat ja vielleicht, wer weiss, auch etwas damit zu tun, dass sein Agent auch der Agent von Sean Simpson ist. Mit ein wenig Hang zur Boshaftigkeit können wir zu Glen Hanlon, John Fust und Daniel Giger auch sagen: Die nationalen Marionetten und ihr Agent. 

Giger, der wahre Nationaltrainer

Der wahre Nationaltrainer heisst also Daniel Giger. Dass er auch gleich noch bei den Medienkonferenzen seiner Klienten anwesend ist, mag zeigen, wie sehr er sich um alle Aspekte des Geschäftes kümmert. Und wie selbstverständlich seine Anwesenheit für die Verbandsgeneräle inzwischen geworden ist. 

Daniel Giger hat ein Meisterstück des sportlichen Machiavellismus vollbracht. Der Machiavellismus ist die Kunst, Macht zu erlangen und Macht zu erhalten. Es wäre für alle Beteiligten praktisch, wenn Daniel Giger gleich in den Verwaltungsrat von Swiss Ice Hockey berufen würde. 



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