Wirtschaft
Migros

Nestlé muss Firmen Ankerkraut und Blue Bottle Coffee wieder abstossen

Viersen, Germany - December 9. 2022: Closeup of stacked jars Ankerkraut spice mix in shelf of german supermarket
Anker lichten! Das deutsche Gewürzunternehmen Ankerkraut nabelt sich von Nestlé ab.Bild: IMAGO / Depositphotos

Doch nicht so cool: Nestlé fällt mit seinen Hipster-Plänen auf die Schnauze

Der Westschweizer Nahrungsmittelriese muss gleich zwei zugekaufte Firmen wieder abstossen. Dass es auch anders geht, zeigt die Migros.
16.04.2026, 22:4916.04.2026, 22:49
Benjamin Weinmann
Benjamin Weinmann

Man stellt sich die Situation in etwa so vor: Mehrere ältere Manager hören von jüngeren Angestellten, dass diese und jene Marke derzeit besonders angesagt sei. Was tun also? Sofort übernehmen und so selber cool werden. Doch das ist einfacher gesagt als getan. Denn die unabhängige Coolness der Jungunternehmen gerät in den Hierarchiestrukturen eines internationalen Grosskonzerns oftmals unter die Räder.

Zu dieser Erkenntnis scheint auch Nestlé gelangt zu sein. Mit einer langen Historie an Firmenskandalen ist es schwierig, von innen heraus ein neues, hippes Image zu kreieren. Das wusste auch der Ex-Nestlé-Chef Mark Schneider. 2022 kaufte er deshalb das neun Jahre zuvor gegründete Hamburger Gewürz-Unternehmen Ankerkraut, das sich als Geschmacksmanufaktur bezeichnet.

Stillschweigen über Details

Doch wie das Gründerpaar Anne und Stefan Lemcke gegenüber der Nachrichtenagentur DPA bestätigen, haben sie ihre Anteile von Nestlé zurückgekauft. Nach vier Jahren möchten sie wieder die Kontrolle über ihre Firma übernehmen. Über die finanziellen Details gilt Stillschweigen. Nestlé lässt Ankerkraut ziehen, was kein Zeichen dafür ist, dass der Thomy- und Nescafé-Hersteller mit dem Geschäftsverlauf zufrieden war.

Kritiker des Deals dürften sich bestätigt fühlen. Tatsächlich kam es nach der Übernahme im Jahr 2022 zu einem Shitstorm in den sozialen Medien. Fans von Ankerkraut warfen dem jungen Unternehmer-Duo vor, ihre Werte verkauft zu haben. In Deutschland sind viele Konsumentinnen und Konsumenten gegenüber Nestlé besonders kritisch eingestellt, unter anderem wegen früherer Skandale im Wassergeschäft oder der negativen Auswirkungen des Nestlé-Geschäfts für die Umwelt.

Teures Koffein: Nestlé wollte mit der kalifornischen Premium-Marke Blue Bottle Coffee hoch hinaus.
Teures Koffein: Nestlé wollte mit der kalifornischen Premium-Marke Blue Bottle Coffee hoch hinaus.Bild: Shutterstock

Doch Nestlé-Chef Philipp Navratil, der seit Herbst im Amt ist, muss auch noch einen zweiten Hipster-Traum seines Vorvorgängers Mark Schneider begraben.

Schneider blätterte 2017 rund 700 Millionen Dollar hin, um die Mehrheit der kalifornischen Firma Blue Bottle Coffee zu übernehmen. Wie bei Ankerkraut in Deutschland kam es auch in der Bay Area von San Francisco bei Blue-Bottle-Fans zu einem Aufschrei, weil ihre Lieblingsfirma ihre Unabhängigkeit aufgab. Schneider wollte damit das Nescafé- und Nespresso-Sortiment mit einer jüngeren, innovativen Marke ergänzen, deren Kaffees deutlich mehr kosten als bei Starbucks oder anderen Ketten.

Das gegenteilige Beispiel der Migros

Doch im März berichteten internationale Medien, dass Nestlé Blue Bottle Coffee als Ganzes oder zumindest einen Teil des Geschäfts verkaufen möchte. Auch das ist ein Zeichen, dass die Umsätze unter der Nestlé-Führung nicht den gewünschten Koffein-Kick erhielten. Nestlé selbst äusserte sich nicht zu den Gerüchten.

Doch nicht immer müssen solche Deals floppen. Bestes Beispiel hierzulande: Das Onlinewarenhaus Digitec-Galaxus konnte unter den Fittichen und dank der Finanzkraft der Migros ein ordentliches Wachstum in den vergangenen Jahren hinlegen und sich gleichzeitig eine gewisse Unabhängigkeit vom Mutterhaus bewahren. Die Migros beteiligte sich 2012 mit 30 Prozent an Digitec, 2015 übernahm die Detailhändlerin die Mehrheit. (aargauerzeitung.ch)

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goschi
16.04.2026 23:08registriert Januar 2014
also einen breit aufgestellten Onlinehändler als gegenbeispiel zu zwei sehr nischigen, hipsterigen Lebensmittelmarken finde ich jetzt als Gegenbeispiel irgendwie enttäuschend.
Die Fallhöhe des Artikels, die im header aufgebaut wurde, konnte nicht eingehalten werden.


Generell gilt, solche hochgehypten Marken zu übernehmen und zu monetarisieren ist sowieso äusserst schwierig, auch weil das oft auch eben nur Hypes sind und nichts nachhaltiges (wer kauft noch Bubbletee?)
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bokl
16.04.2026 23:07registriert Februar 2014
Die Migros, welche in den letzten Monaten Tochterfirmem am Laufmeter verkauft oder gar verschenkt hat ist sicher kein gutes Beispiel. Galaxus fällt eher in die Rubrik "auch ein blindes Huhn...".
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