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Brendan Lemieux wird nicht gesperrt – das Problem mit Sven Helfenstein

Brendan Lemieux (HCD) jubelt nach seinem Tor zum 1:2 im vierten Spiel vom Playoff Halbfinal der Eishockey National League zwischen den ZSC Lions (ZSC) und dem HC Davos (HCD) am Freitag, 10. April 2026 ...
Brendan Lemieux wird nicht gesperrt.Bild: keystone
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Wie im «Fall Lemieux» die Hockey-Justiz unglaubwürdig gemacht wird

Keine Sperre für den «Hockey-Bösewicht». Der «Fall Lemieux» beim Final-Auftakt zeigt einmal mehr die problematische Rolle des Spieleragenten Sven Helfenstein als TV-Experte.
19.04.2026, 16:4519.04.2026, 23:01

Von der Theaterbühne endlich zurück aufs Eis. Dorthin, wo Eishockey per Definition ja auch hingehört. Nun wird nicht mehr um die verlorene Ehre des Patrick Fischer gestritten. Sondern zwischen dem HC Davos und Fribourg-Gottéron um die höchste sportliche Ehre im Land gerungen. Aber auch rund um diesen Playoff-Final gibt es neben dem Eis eine Peinlichkeit sondergleichen. Sie wühlt nicht, wie der Skandal um den abgesetzten Nationaltrainer das ganze Land auf, sorgt aber in der Hockey-Szene für immer grössere Empörung.

Am Ende der Auftaktpartie vom Samstag in Davos (Gottéron hat sensationell 3:2 gewonnen) kommt es zu einer Rangelei, in die natürlich auch der raue HCD-Vorkämpfer Brendan Lemieux involviert ist. Die Schiedsrichter walten ihres Amtes und belegen ihn mit dem härtesten Verdikt (Restausschluss). Was für das Spiel – es ist ja zu Ende (die Strafe wird nach 59:59 Sekunden ausgesprochen) – ohne Folgen bleibt.

Aber eine Sperre durch die Hockey-Justiz wäre möglich und er könnte heute Abend für das zweite Finalspiel oder vielleicht sogar für weitere Partien auf die Tribüne verbannt werden. Also fordert der TV-Experte Sven Helfenstein mit dem Spruch «Lemieux muss man sperren, auf Wiedersehen!» weitere Sanktionen. Die Forderung wird von anderen Medien übernommen. Der Einfluss des TV-Experten ist umso grösser, weil er für die Station arbeitet, die exklusiv über die Live-Rechte der National League verfügt. Es gibt kein Gegengewicht durch Experten bei einer anderen TV-Station.

Sven Helfenstein
Sven Helfenstein ist nicht nur als MySports-Experte, sondern auch als Spielerberater tätig.Bild: Sven Helfenstein

Hat Sven Helfenstein recht? Nein. Es handelt sich nicht einmal um einen diskutablen Grenzfall. Wie kommt dann ein Experte dazu, dem Publikum klarzumachen, dass hier einer quasi aus dem Verkehr gezogen werden müsste? So wird die Hockey-Justiz unglaubwürdig gemacht, die eben keine Sperre ausgesprochen hat. Kann ein Experte so irren?

Nein. Es ist kein Irrtum und schon gar nicht fehlende Fachkompetenz. Die steht nicht zur Debatte. Sven Helfenstein («Helpstone Sport Consulting») vertritt mit riesigem Abstand die meisten Spieler in den beiden höchsten Ligen (über 160) und tritt als neutraler Experte im MySports-Kernteam auf. Eine krasse Verletzung aller «Good-Governance-Regeln» in diesem Geschäft, die bei keinem anderen ernstzunehmenden TV-Sender geduldet würde. Zu gross ist der Interessenkonflikt. Ein Spieleragent kann gar nicht neutral sein.

Rolf Ziebold als Sprecher von MySports-Besitzer Sunrise hat die Rolle von Sven Helfenstein auf Anfrage bereits früher in schier unfassbarer Naivität heruntergespielt: «In den Moderationen während den Sendungen wird regelmässig auf die Rolle als Spieler-Agent hingewiesen – beispielsweise situationsgerecht (best effort), wenn Sven Helfenstein über einen seiner Klienten spricht. Die Transparenz wird durch die Moderationen während der Sendungen sowie jederzeit über die Webseite gegeben.» Eine offizielle Stellungnahme von Sven Helfenstein wird von ihm verweigert. «Sven Helfenstein ist in diesem Zusammenhang ein freier Mitarbeiter von MySports und gibt daher keine separate Stellungnahme ab.»

Die Zusammenfassung der ersten Partie.Video: YouTube/HC Davos

Niemand muckt auf. Verständlich: Kein Klubfunktionär, kein Sportchef riskiert den Konflikt mit dem mit Abstand wichtigsten Spielerhändler. Eine Stellungnahme zur Sache lehnt die Ligaführung nun auch nach dem «Fall Lemieux» ab. Sie fürchtet eine Verärgerung oder gar Einmischung in die redaktionelle Freiheit ihres Haussenders wie der Teufel das geweihte Wasser. Es gibt ja mit rund 30 Millionen pro Jahr, vertraglich abgesichert bis 2035 für die Senderechte, auch schönes «Schweigegeld».

Kommen wir zurück zur Kernfrage: Warum tobte Sven Helfenstein entgegen jeder fachlichen Einsicht so gegen Brendan Lemieux? Ganz einfach: Der US-Kanadier ist nicht sein Kunde. Er wird von einem anderen Spieleragenten vertreten, der gerade im Marktsektor «Stars» sein härtester Konkurrent ist. Die Message in der Szene an alle Spieler ist klar: Lasst euch von mir vertreten, sonst gibt’s Haue am Fernsehen. Nimm zu deinem Agenten lieber den Helfenstein, dann wird dir in allen Situationen geholfen sein.

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quelle: keystone / ennio leanza
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