Bereits das erste Job-Angebot für Patrick Fischer aus Amerika
Kommt noch etwas? Ist noch etwas nicht gefragt, behauptet, vermutet, gemutmasst, spekuliert oder unterstellt worden? Es gibt ein Gerücht, das leider wegen der Zeitdifferenz noch nicht überprüft werden kann: Donald Trump plane eine TV-Ansprache zur Lage der Nation und habe seinen Kommunikations-Direktor bereits in der Nacht auf Donnerstag angewiesen, abzuklären, ob in der Schweiz mit neuen Enthüllungen im «Fall Fischer» zu rechnen sei. Er habe gehört, Verbandspräsident Urs Kessler plane eine Medienkonferenz. Und wenn das der Fall sei, müsse herausgefunden werden, wann. Der US-Präsident will bei seinem Auftritt die ungeteilte Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit.
Ob Gerücht oder nicht, ist einerlei. Tatsache bleibt: Der «Fall Fischer», sein gefälschtes Impfzeugnis, seine ungeimpfte Einreise an die Winderspiele 2022 in Peking und ein paar Lügen haben im Laufe dieser Woche die Nachrichtenlage in unserem Land dominiert und hierzulande sogar Donald Trump aus den Schlagzeilen verdrängt. Kein anderes Ereignis in der Geschichte unseres Eishockeys (seit 1908) hat je einen solchen Mediensturm entfacht.
Noch nie sind so viele Denker, Dichter, Poeten, Lyriker, Intellektuelle, Visionäre, Gelehrte, Pharisäer, Moralprediger, Sittenrichter, Besserwisser, Sinnsucher und Weltendeuter durch eine Sport-Episode aufgescheucht und auf den Medienmarktplatz der Eitelkeiten gelockt worden. Es scheint fast, als hänge die Kultur des Abendlandes an einem gefälschten Impfausweis. Selbst der düstere Prophet Oswald Spengler («Untergang des Abendlandes») hätte gemahnt, wenn er denn die Gnade gehabt hätte, diese grandiose Affäre erleben zu dürfen: Gemach! Gemach! Das Abendland geht nicht unter.
Dürfen wir uns auf weitere Irrungen und Wirrungen in diesem Sportdrama böllscher Prägung («Die verlorene Ehre des Patrick Fischer») freuen oder müssen wir uns davor fürchten? Ist nicht der überaus tüchtige und integre Verbandsmanager Patrick Bloch, begleitet von einer veritablen Intrige, durch den mit Engelszungen schmeichelnden Martin Baumann ersetzt worden? Lieber Patrick, die Stunde der Revanche ist da, meine Natel-Nummer hast Du ja.
Spass beiseite: Der «Fall Fischer» ist eine dieser seltenen Möglichkeiten, alte Rechnungen zu begleichen. Zwar ist es nicht gelungen, den ehemaligen Liga-Präsidenten und Starjuristen Franz A. Zölch mit der «unabhängigen» Untersuchung (die Anführungszeichen sind bewusst gesetzt) zu beglücken. Aber auch die nun auserkorene Kanzlei dürfte schöne Honorare und Spesen verrechnen. Da darf man ohne jede Boshaftigkeit schon etwas erwarten.
Und noch eine Sache: Pascal Schmitz, der Mann, der Patrick Fischer zu Fall gebracht hat, müsste nun als Personalunion von Bob Woodward und Carl Bernstein - die zwei weltberühmten Recherchechronisten enthüllten «Watergate» - die neue journalistische Lichtgestalt in Leutschenbach sein. Werden alle Wirtschafts- und Politjournalisten bei SRF angewiesen, mit gleicher Verve alles auszupacken, was sie je bei vertraulichen Gesprächen erfahren haben? Ist das der Fall, dann wird die «Causa Fischer» unsere Medienlandschaft von Grund auf für Jahrzehnte verändern und wir erfahren beispielsweise doch noch, wie das bei der Hosentelefonleitung zwischen Bundesrat Berset und Marc Walder gelaufen ist?
Dabei bleibe ich: Patrick Fischer wird am Ende als Held dieses Dramas gefeiert werden. Er muss geduldig schweigen und höchstens dem Team im Falle einer WM-Medaille auf seinen privaten Kanälen gratulieren. Jobsorgen muss er sich ohnehin keine machen. Es ist zwar wiederum ein Gerücht, das sich noch nicht verifizieren lässt (Zeitdifferenz zur US-Ostküste!): Donald Trump habe gehört, dass Patrick Fischer schon mal in den USA gespielt habe und die Anweisung gegeben, «this clever and charming boy from Switzerland» in sein Beraterteam zu holen.
Falls «Fischi» auch gelogen habe, sei das kein Problem. Ein Mann, der sich bisher nur um ein unberechenbares Spiel auf einer rutschigen Unterlage gekümmert habe und fähig sei, daraus eine Staatsaffäre zu machen, die sogar den US-Präsidenten aus den Schlagzeilen verdrängt, werde in kommenden Wahlkämpfen als Berater von unschätzbarem Wert sein.
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