DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

China baut neue Silos für Atomraketen – doch was steckt dahinter?

27.07.2021, 06:31

China hat eine möglicherweise deutliche Ausweitung seiner Atomstreitmacht begonnen. Nach der Entdeckung eines Geländes mit im Bau befindlichen Raketensilos bei Yumen in der Provinz Gansu im Juni haben Atomexperten der Vereinigung amerikanischer Wissenschaftler (FAS) mit Hilfe von Satellitenaufnahmen nahe Hami in der Nordwestregion Xinjiang ein zweites Feld ausfindig gemacht. «Der Bau der Silos in Yumen und Hami stellt die bisher bedeutendste Expansion des chinesischen Atomwaffenarsenals dar», schrieben die Atomexperten in ihrem am Dienstag veröffentlichten Bericht.

Die Arbeiten an dem zweiten Gelände in Hami rund 380 Kilometer nordwestlich von dem ersten Feld in Yumen hätten im März begonnen und seien noch nicht so weit vorangeschritten. Kuppelhallen überdecken den Blick auf vorerst 14 Baustellen, wie auf den Fotos zu sehen ist. Anhand der Vorbereitungsarbeiten an dem Komplex schätzen die Wissenschaftler, dass es ein Raster von ungefähr 110 Silos werden soll. Das erste Feld wird auf 120 Silos geschätzt.

Über 14 Silobaustellen wurden Kuppelkonstruktionen errichtet. Die Vorbereitungen für weitere 19 sind im Gange. Das gesamte Raketenfeld könnte im Endausbau 110 Silos umfassen.
Über 14 Silobaustellen wurden Kuppelkonstruktionen errichtet. Die Vorbereitungen für weitere 19 sind im Gange. Das gesamte Raketenfeld könnte im Endausbau 110 Silos umfassen.
Bild: fas.org

Es ist allerdings unklar, ob alle Silos auch mit Raketen bestückt werden oder wie viele der Täuschung dienen sollen. China besitzt nach FAS-Schätzungen heute rund 350 Atomsprengköpfe. 2020 sprach das Pentagon von einer Zahl «im unteren 200er Bereich», erwartete da aber auch schon eine Verdoppelung in den nächsten zehn Jahren. Chinas Arsenal ist damit allerdings deutlich kleiner als das der USA oder Russlands, die jeweils 4000 Atomsprengköpfe haben.

Das Hami-Raketensilofeld hat ein Rastermuster, bei dem die Silos in einem Abstand von etwa 3 Kilometern zueinander stehen.
Das Hami-Raketensilofeld hat ein Rastermuster, bei dem die Silos in einem Abstand von etwa 3 Kilometern zueinander stehen.
Bild: fas.org

Hat China die Strategie geändert?

Hinter dem Bau der Raketensilos könnten nach Einschätzung der Experten verschiedene Motive der Führung von Staats- und Parteichef Xi Jinping stecken. Es könnte unter anderem eine Reaktion auf die Modernisierung der Atomstreitkräfte der USA, Russlands und Indiens sein, meinten die Experten. Auch könnte China besorgt sein, dass seine bisherigen Silos leicht angreifbar sind. Sie lägen in Reichweite konventioneller Marschflugkörper der USA, während Yumen und Hami weiter im Landesinneren sind. Indem die Zahl der Silos erhöht werde, verbessere sich auch die Fähigkeit, zurückschlagen zu können.

Die Raketensilofelder Hami und Yumen liegen tief im Inneren Chinas und ausserhalb der Reichweite von konventionellen Marschflugkörpern.
Die Raketensilofelder Hami und Yumen liegen tief im Inneren Chinas und ausserhalb der Reichweite von konventionellen Marschflugkörpern.
Bild: fas.org

Die Wissenschaftler sprachen zudem von einem Umstieg bei neueren Raketen von Flüssig- auf Festtreibstoff, der die Reaktionszeit verkürze, da nicht mehr aufgetankt werden müsse. Auch sorge sich Peking um die Raketenabwehr der USA, die die Fähigkeit zu einem angedrohten Vergeltungsschlag untergrabe – und damit Chinas Abschreckungspotenzial. Bisher betreibe China ein kleines Atomwaffenarsenal, das für eine «minimale Abschreckung» ausreichen soll. Peking könnte aber zu dem Schluss gekommen sein, das Bedrohungspotenzial ausweiten zu müssen.

Offiziell beteuert China immer, auf den Ersteinsatz von Atomwaffen verzichten zu wollen. Seit den späten 90er Jahren versuchen die USA schon vergeblich, China dazu zu bewegen, sich internationalen Rüstungskontrollverhandlungen anzuschliessen. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Unfassbare Druckwelle – hier explodiert eine Aluminium-Fabrik in China

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Sie arbeitete für das US-Militär, floh alleine in die Schweiz, aber erhält kein Asyl

Die Geschichte von Mursal Ahmadzai, 28, ist aussergewöhnlich und alltäglich zugleich. Sie ist eine von wenigen Frauen im Asylsystem, aber sie ist hier eine von vielen Afghanen mit ungewisser Zukunft.

Eigentlich hat Mursal Ahmadzai das Paradies gefunden. Die 28-Jährige steht vor der Asylunterkunft Sonneblick in Walzenhausen, umgeben von grünen Hügeln des Appenzellerlandes. Seit neun Monaten lebt sie hier. Sie ist in Sicherheit. Eine Mordrate gibt es in Appenzell Ausserrhoden nicht. Im vergangenen Jahr wurde hier kein Tötungsdelikt angezeigt. Und das Frauenstimmrecht gilt immerhin seit 1989. Das staubige Kabul, ihre Heimat, wo ihr Leben in Gefahr war, ist 6000 Kilometer entfernt.

Und trotzdem …

Artikel lesen
Link zum Artikel