Die letzte Runde im Rennen um den Posten von Sergio Ermotti ist eingläutet
Sergio Ermotti ist nicht der erste CEO, der als besonders erfolgreicher Manager in die Geschichte des Schweizer Finanzplatzes eingehen möchte. Aber ihm könnte gelingen, was andere nicht geschafft haben.
Die UBS befindet sich auf der letzten Meile bei der Integration der Credit Suisse. Nur noch in der Schweiz arbeitet die Bank auf zwei elektronischen Plattformen. Anfang 2027 wird das Credit-Suisse-System abgestellt, so will es die Projektplanung. Dann ist die wohl grösste, komplizierteste und vermutlich auch schwierigste Bankenübernahme in Europa endgültig geschafft. Pünktlich auf den Termin, den Ermotti schon in den turbulenten Tagen im Frühjahr 2023 genannt hatte – und dies ohne grössere Panne.
Es läuft besser als erwartet
Die Operation in der Schweiz befindet sich in der letzten kritischen Phase, und sie scheint geschmeidiger zu verlaufen, als man dies hierzulande befürchten musste. Man rechne mit weniger als 3000 Kündigungen bis Anfang 2027, sagte Ermotti am Dienstag der Nachrichtenagentur «Bloomberg». 3000 war bislang die offizielle UBS-Prognose gewesen. Aber viele rechneten mit mehr, wie es die Erfahrung mit Grossfusionen lehrt.
Nun wird das Ende von Ermottis Einsatz als Credit-Suisse-Integrator absehbar. Einem Bericht der «Financial Times» zufolge soll er seinen Rücktritt auf den Termin der Generalversammlung im April 2027 planen. Glaubt man dem Bericht von «Bloomberg», soll Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher den Tessiner, der im Mai 66 Jahre alt wird, als seinen Nachfolger favorisieren. Ein direktes Umsteigen vom CEO-Sessel in den Präsidenten-Sattel ist nach den modernen Regeln der Unternehmensführung aber verpönt. Ermotti müsste für ein Jahr in den Ausstand treten. Im Jargon nennt man das eine «Cooling-off-Periode».
Mindestens so interessant wie Ermottis Planung seines letzten Karriereabschnittes ist die Frage, wer ihn als CEO der UBS beerben könnte. Die «Financial Times» hat mit Aleksandar Ivanovic einen Namen ins Spiel gebracht, von dem bislang noch kaum die Rede war. Der 49-jährige Schweizer ist erst im März 2024 in die Konzernleitung der UBS aufgestiegen und nimmt dort die Verantwortung für das weltweite Geschäft der Bank mit kollektiven und institutionellen Vermögensanlagen (Asset Management) wahr.
Die Asset-Management-Sparte galt nie als Sprungbrett für den CEO-Job. Prädestiniert dafür waren bislang immer Banker mit viel Erfahrung im Handel, im Investment Banking oder im Kreditwesen – also kurz gesagt in jenen Bereichen, in denen für die Bank die grössten Risiken schlummern. Doch auch im Asset Management verbergen sich erhebliche Risiken, wie die Greensill-Verluste der Credit Suisse in Milliardenhöhe gezeigt haben.
Vom Lehrling zum CEO-Anwärter
Ivanovic trat 1992 als Lehrling in die UBS ein. Dort hat er zwar alle Geschäftsbereiche durchlaufen, aber mindestens in den vergangenen zehn Jahren war er ausschliesslich im Asset Management oder im Vertrieb von Finanzprodukten tätig. Ivanovic kann im Gegensatz zu anderen mutmasslichen Kandidaten um den CEO-Posten keine internationale Karriere vorweisen, was mit Blick auf die anstehende Konsolidierungsphase nach Abschluss der Credit-Suisse-Integration kein Nachteil sein muss.
Eine interne Lösung für die Ermotti-Nachfolge gilt seit langem als wahrscheinlich. UBS-Präsident Colm Kelleher hatte bereits im Frühjahr 2024 öffentlich gesagt, dass der Verwaltungsrat bis Ende 2026 eine Liste mit möglichen Nachfolgekandidaten erstellt haben werde.
Auf dieser dürfte dereinst neben Ivanovic auch der Name Beatriz Martin stehen. Die 52-jährige Spanierin war im Frühjahr 2023, unmittelbar nach der CS-Übernahme in die Konzernleitung der UBS aufgerückt, um den Abverkauf von Altlasten und nicht mehr benötigten CS-Aktiva zu verantworten. Sie war in dieser Rolle so erfolgreich, dass sie Ermotti vor wenigen Tagen auch noch mit der Rolle einer Betriebschefin (Chief Operating Officer) betraute.
Die gelernte Bondhändlerin versteht offensichtlich viel vom Umgang mit Risiken, hat aber kaum Erfahrung mit Vermögensanlagen und Private Banking, einem Kerngeschäft der UBS. Hier scheinen Iqbal Khan und Robert Karofsky, die Co-Chefs der UBS-Vermögensverwaltung, deutlich besser positioniert zu sein. (aargauerzeitung.ch)
