Unvergessen
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epa01353248 John Terry of Chelsea misses his penalty against Manchester United goalkeeper Edwin van der Sar during the UEFA Champions League final between Manchester United and FC Chelsea at the Luzhniki stadium in Moscow, Russia, 21 May 2008.  EPA/SERGEI ILNITSKY NO MOBILE PHONE DEVICES

Der schlimmste Augenblick seiner Karriere: Chelsea-Captain John Terry rutscht beim Penalty aus. Bild: EPA

Unvergessen

21.05.2008: John Terrys fataler Ausrutscher: Im ersten rein englischen CL-Final stösst er Chelsea ins Tal der Tränen

21. Mai 2008: Im ersten rein englischen Champions-League-Final wird John Terry zum tragischen Helden. Der Chelsea-Captain muss im Penaltyschiessen gegen Manchester United nur noch treffen, um den «Blues» den lang ersehnten Henkelpott zu sichern. Doch Terry rutscht im dümmsten Moment aus.



In Moskau kommt es zum ersten rein englischen Champions-League-Final. Chelsea trifft im Luschniki-Stadion auf Manchster United. Für die «Blues» soll er endlich in Erfüllung gehen, der lange gehegte Traum, endlich auf Europas Thron zu sitzen. Unzählige Millionen hatte der russische Besitzer Roman Abramowitsch seit dem Kauf 2003 in den englischen Traditionsklub gesteckt. Die Ausbeute blieb mässig: Lediglich zwei Meisterpokale und einen FA-Cup durfte man sich in fünf Jahren an der Stamford Bridge in den Vitrinenschrank stellen.

Doch jetzt soll die Krönung folgen. Die Euphorie ist riesig, obwohl Trainer José Mourinho im September durch den unscheinbaren Avram Grant ersetzt und Chelsea hinter Manchester United zum zweiten Mal in Serie nur Vizemeister wird. Doch in der Königsklasse läuft es: Im Viertelfinal schaltet man Arsenal aus, im Halbfinal dann Liverpool. Nun soll noch Manchester United folgen.

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Das Elfmeterschiessen in voller Länge. YouTube/kitlam8055

Moskau ist vor dem Anpfiff zu ungewöhnlicher Stunde – damit der Final zur europäischen Primetime übertragen werden kann, wird die Partie erst um 22.45 Uhr Ortszeit angepfiffen – fest in englischer Hand. Trotz aller Warnungen bezüglich verbotenem Alkoholkonsum und vollen Hotels reisen rund 25'000 englische Fans in die russische Metropole. Und auch das Wetter passt sich an: Strömender Regen prasselt vor und während der Partie unentwegt auf den Kunstrasen im Luschniki.

Die von den englischen Medien bis ins Unermessliche hochgeschaukelte Affiche hält dann nicht, was sie verspricht: Das prophezeite Spektakel bleibt aus. Zu gut kennen sich die beiden Teams. Die United führt spielerisch zunächst die feinere Klinge und geht durch einen Kopfballtreffer ihres Superstars Cristiano Ronaldo in der 26. Minute mit 1:0 in Führung. Von Chelsea ist lange nichts zu sehen. Der Ausgleich in der 45. Minute durch Frank Lampard, der aus kurzer Distanz einschieben kann, fällt aus heiterem Himmel.

Dieses Tor tut dem Spiel gut, es entwickelt sich in der Folge ein offener Schlagabtausch mit Chancen hüben wie drüben, doch weder die Roten noch die Blauen können in der regulären Spielzeit und der Verlängerung die Entscheidung herbeiführen. So muss das Penaltyschiessen diesen rein englischen Final entscheiden.

Wegen Drogbas Platzverweis muss Terry ran

Carlos Tevez, Michael Ballack, Michael Carrick und Juliano Belletti treffen alle, dann ist Cristiano Ronaldo an der Reihe. Doch ausgerechnet der vermeintlich sicherste ManU-Schütze scheitert an Chelsea-Keeper Peter Cech. Alle Vorteile liegen nun bei den Londonern. Nachdem Lampard, Owen Hargreaves, Ashley Cole und Nani treffen, liegt der Matchball bei John Terry, dem zehnten Schützen. Trifft der Chelsea-Captain, ist alles vorbei und er und sein Team am Ziel aller Träume.

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Ronaldo scheitert an Cech. gif: youtube/

Eigentlich ist Terry fürs Elfmeterschiessen gar nicht vorgesehen. Weil Didier Drogba in der 116. Minute aber mit Rot vom Platz fliegt, übernimmt der Captain die Verantwortung und meldet sich freiwillig. Sichtlich angespannt schreitet er vom Mittelpunkt zum Sechzehner und setzt sich den Ball bereit. Weil ManU-Torhüter Edwin van der Saar erst spät zurück auf die Torlinie geht, muss sich Terry vor seinem Versuch noch ein paar Sekunden länger gedulden. Behält er die Nerven? Nach einer gefühlten Ewigkeit läuft der Innenverteidiger endlich an und es passiert das Unfassbare: Terry rutscht mit dem Standbein weg und setzt den Ball an den Pfosten.

«Ich sah, wie Edwin van der Sar schon in der anderen Ecke liegt und der Ball ins Tor fliegt.»

Petr Cech hat sich zu früh gefreut.

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Der dunkelste Moment in John Terrys Karriere. gif: youtube

«Ich sah, wie Edwin van der Sar schon in der anderen Ecke liegt und der Ball ins Tor fliegt», erinnert sich Chelsea-Keeper Cech später an die Szene, «aber der Ball flog nicht rein» und so geht auch das Elfmeterschiessen in die Verlängerung. Dort muss Terry nach den Treffern von Anderson, Salomon Kalou und Ryan Giggs mitansehen, wie nicht ein Engländer, sondern ein Franzose den entscheidenden Elfer verschiesst: Nicolas Anelka scheitert an Edwin van der Sar und macht die United um 1.35 Uhr nachts zum glücklichen Sieger.

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Anelka schiesst Chelsea engültig ins Verderben. gif: youtube

epa01353252 Chelsea's John Terry after the UEFA Champions League final between Manchester United and FC Chelsea at the Luzhniki stadium in Moscow, Russia, 21 May 2008.  EPA/ANATOLY MALTSEV NO MOBILE PHONE DEVICES

Völlig konsterniert: John Terry kann die Tränen nicht zurückhalten. Bild: EPA

Während Ronaldo und Co. mit dem Henkelpott feiern, ist Terry untröstlich. Mit tränenüberströmten Augen schreitet er in Richtung Kabine. Interviews will der Captain in dieser Nacht keine mehr geben. «Man sieht, wie er leidet», erzählt dagegen Kumpel Frank Lampard. «JT ist Mr. Chelsea, und er wollte den Sieg mehr als jeder andere. Nicht viele Innenverteidiger hätten sich getraut, den fünften Elfmeter zu schiessen. Keiner wird ihn kritisieren.» Trainer Avram Grant stellt sich ebenfalls vor seinen Abwehrboss: «Ich fühle mit ihm. Und eines ist klar: Ohne Terry wären wir niemals bis ins Finale gekommen.»

«Diese Nacht in Moskau wird mich für immer verfolgen. »

John Terry

Mit einigen Tagen Abstand meldet sich auch der Unglücksrabe selbst zu Wort. «Es tut mir so leid, dass ich den Elfmeter verschossen habe und damit euch Fans, meinen Teamkollegen, meiner Familie und Freunden die Chance verbaut habe, Champions von Europa zu werden», schreibt Terry in einem offenen Brief an die Fans. «Ich habe seitdem nur wenige Stunden Schlaf gefunden, in denen ich oft aufwacht bin und gehofft habe, dass das alles nur ein schlechter Traum war. Diese Nacht in Moskau wird mich für immer verfolgen. Ich fühle mich, als ob ich alle im Stich gelassen habe. Das schmerzt mehr alles alles andere. Ich schäme mich meiner Tränen nicht.» 

Ballack bleibt im Gegensatz zu Terry ungekrönt

Am Boden zerstört ist auch Michael Ballack. Der Deutsche hätte nur zu gerne den Fluch des ewigen Zweiten abgelegt. Doch wie schon bei der WM 2002, im Champions-League-Final 2002 und in sechs Saisons mit Leverkusen und Chelesa wird Ballack wieder zur Vize-Champion. 

(GERMANY OUT) Russia - Moskau Moscow: UEFA Champions League, season 2007-2008, final, Manchester United v Chelsea FC 7:6 after penalty shootout - Chelsea players disappointed after team-mate John Terry missed his penalty (from L to R): Nicolas Anelka, Juliano Belletti, Michael Ballack (on the pitch), Frank Lampard and Ashley Cole (Photo by Pressefoto Ulmer/ullstein bild via Getty Images)

Ballack sackt nach dem entscheidenden Elfmeter von Anelka zusammen. Bild: ullstein bild

Anders als Ballack, der seine Karriere ohne internationalen Titel beenden wird, darf sich Terry vier Jahre später doch noch Champions-League-Sieger nennen. Zwar ist er im Final gegen Bayern München wegen einer dummen Roten Karte gesperrt, doch seine Teamkollegen sorgen dank einem 5:4-Sieg nach Elfmeterschiessen dafür, dass sich Terry mit der Königsklasse versöhnt. 

 «Wir spielten im Wembley gegen die USA und ich sass am Tisch mit all diesen Spielern von ManUnited. Das war für mich das Schlimmste.»

John Terry

Die Nacht von Moskau hat die Chelsea-Ikone auch heute noch nicht komplett verarbeitet. «Darüber werde ich nie hinwegkommen», gestand Terry im März dieses Jahres. «Vier bis fünfmal pro Jahr wache ich nachts auf und alles ist wieder da. Es wird nie vorbei sein.» Schlimmer als die Nacht von Moskau sei allerdings der Zusammenzug mit der Nationalmannschaft ein paar Tage später gewesen. «Wir spielten im Wembley gegen die USA und ich sass am Tisch mit all diesen Spielern von ManUnited. Das war für mich das Schlimmste.»

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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«Der Messias in Manchester» – Rooney skort bei seiner ManUnited-Premiere einen Hattrick

28. September 2004: Viele Experten schütteln den Kopf, als Sir Alex Ferguson im Sommer den erst 18-jährigen Wayne Rooney für sagenhafte 37 Millionen Euro zu Manchester United holt. Der englische Wunderknabe beweist aber schon bei seinem ersten Auftritt, dass er sein Geld wert ist.

«Er ist im Training sehr gut drauf.» Der erfolgreichste Klubtrainer hat mal wieder ein gutes Gespür. Nur drei Monate nach dem Fussbruch im verlorenen EM-Viertelfinal gegen Portugal setzt ManU-Coach Sir Alex Ferguson erstmals seit seinem Wechsel von Everton zu den «Red Devils» auf seinen neuen Stürmer Wayne Rooney. Und der 18-jährige Wunderknabe rechtfertigt das Vertrauen. Beim 6:2-Sieg in der Champions League gegen Fenerbahce Istanbul erzielt der Shooting Star gleich einen Hattrick.

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