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Hat Martinez nichts mehr zu sagen: Schnyder verlässt den Court.
Hat Martinez nichts mehr zu sagen: Schnyder verlässt den Court.
Bild: AP
Unvergessen

«Disgusting bitch!» – Patty Schnyder teilt mal so richtig aus

17. April 2004: Patty Schnyder scheitert bei ihrem Lieblingsturnier in Charleston im Halbfinal. Danach kommt's zum Eklat, als die Baselbieterin ihrer Bezwingerin Conchita Martinez den Handschlag verweigert.
17.04.2021, 00:0117.04.2021, 12:43

4:6, 3:6 – aus der Traum von der Finalteilnahme. Patty Schnyder verliert gegen die Spanierin Conchita Martinez und scheidet beim WTA-Turnier in Charleston (South Carolina/USA) aus.

Nach dem Matchball treffen sich die beiden Kontrahentinnen am Netz, wo der Handschlag ansteht. Doch Schnyder denkt nicht daran, Martinez zu gratulieren. Sie macht zwar einen Schritt auf die Spanierin, die mit gestrecktem Arm wartet, zu. Doch kurz vor der Berührung zieht Schnyder ihre Hand zurück. Gemäss dem «Blick» ruft sie Martinez zudem zu, sie sei eine «disgusting bitch» – eine widerliche Schlampe.

Handfake statt Handshake nach dem Spiel.

Was hat die 25-jährige Schnyder derart wütend gemacht? In erster Linie das Trödeln der Spanierin. «Sie spaziert zwischen dem ersten und dem zweiten Service herum, lässt alle warten», erklärt Schnyder. Und auch an die Regel, dass man 25 Sekunden nach einem abgeschlossenen Punkt wieder aufschlagen muss, halte sich Martinez nicht.

Mentale Vorbereitung brachte nichts

«Sie zeigt keinerlei Respekt vor der Gegnerin, dem Schiedsrichter, vor Balljungen – dabei hätte sie das gar nicht nötig», ärgert sich die Baselbieterin, «sie ist eine gute Spielerin.» Das ist unbestritten. Conchita Martinez gewinnt 1994 Wimbledon und stösst bei den Australian Open und den French Open je einmal bis in den Final vor, ihre höchste Platzierung in der Weltrangliste ist Position 2, mit Spanien gewinnt sie nicht weniger als fünf Mal den Fed Cup – 1998 gegen die Schweiz mit Martina Hingis und Patty Schnyder.

Schnyder weiss um das Gebaren ihrer Gegnerin und bereitet sich sogar intensiv darauf vor. «Wir haben vor dem Match eine halbe Stunde lang am Telefon darüber gesprochen», verrät Ehemann Rainer Hofmann im «Blick». Er habe Patty geraten, am besten wegzuschauen. Ein Plan, dessen Umsetzung offensichtlich misslingt.

Schnyders Ausraster wurde 2015 auf Platz 1 gewählt – die «Top 10 Worst Handshakes» von «Tennis Now».

Wiedersehen nur eine Woche später

Brisant: Nur eine Woche später kommt es erneut zum Duell zwischen Schnyder und Martinez, im Fed Cup im spanischen La Manga. «Sollte sie sich so verhalten wie in Charleston, kann ich nicht garantieren, dass ich ruhig bleibe», kündigt Patty Schnyder an.

Noch vor dem Duell auf dem Platz laufen sich die beiden Frauen in der Hotellobby über den Weg. «Wir sind grusslos aneinander vorbeigelaufen», schildert Schnyder die Begegnung. Sie fügt hinzu: «Ich brauche sie nicht als Freundin, auf der Tour habe ich genug Spielerinnen, mit denen ich gut auskomme.» Andere hätten die gleichen Probleme mit Martinez wie sie.

Nach dem ersten Tag des Fed-Cup-Duells steht es 1:1, das mit Spannung erwartete Duell eröffnet den zweiten Tag. Dieses Mal verläuft es ohne Misstöne, wieder verliert Schnyder mit 3:6, 4:6 – und gibt Martinez anschliessend artig die Hand. Die Schweizer Frauen verlieren die Begegnung gegen Spanien letztlich mit 2:3.

Schnyder verliert auch in La Manga.
Schnyder verliert auch in La Manga.
Bild: EPA EFE

Rücktritt erst mit fast 40 Jahren

Die Revanche gelingt Patty Schnyder im letzten Duell mit Conchita Martinez eineinhalb Jahre später. An den US Open 2005 wirft sie die Spanierin in der 1. Runde raus und verkürzt so in den Direktbegegnungen auf 3:11 Siege. Ein halbes Jahr später tritt Martinez zurück.

Schnyder, die in ihrer Laufbahn elf WTA-Turniere gewinnt und bis auf Platz 7 der Weltrangliste vorstösst, beendet ihre Karriere nach den French Open 2011. Vier Jahre später, inzwischen Mutter einer Tochter, gibt sie ein Comeback. Patty Schnyder gewinnt noch einmal vier ITF-Turniere und tritt im April 2018 ein letztes Mal für die Schweiz im Fed Cup an. Im November desselben Jahres tritt sie kurz vor ihrem 40. Geburtstag endgültig zurück – mit einem Karriere-Preisgeld von mehr als 8,5 Millionen Dollar.

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