Wie wird man einen geisteskranken Präsidenten los?
Normalerweise endet jemand, der sich als Napoleon oder Jesus Christus wähnt, in der Gummizelle einer psychiatrischen Anstalt. Nicht so in der Supermacht USA. Dort wird ein offensichtlich verrückter Mensch zum Präsidenten und damit zum mächtigsten Mann der Welt gewählt. Das kann nicht gut gehen, und es geht auch nicht gut. Deshalb stellt sich die dringende Frage: Wie kann man ihn wieder loswerden?
Dass Trump nicht mehr alle Tassen im Schrank hat, ist spätestens mit seinem Streit mit dem Papst klar geworden. Sicher, schon in seiner ersten Amtszeit haben 22 Psychiater davor gewarnt, dass sein Geisteszustand nicht über alle Zweifel erhaben sei. In seiner zweiten Amtszeit sind weitere Stimmen dazugekommen, etwa die des Gesellschaftsjournalisten Michael Wolff, der mehrere Bücher über Trump verfasst hat und dessen Gehirn zweimal wöchentlich auf einem Podcast mit dem Newsportal Daily Beast analysiert.
Bisher wurden Wolff und andere zwar amüsiert zur Kenntnis, aber nicht ernst genommen. Nachdem sich der Präsident in Memes selbst als Jesus inszeniert, ändert sich das. Selbst in der hochehrwürdigen «New York Times» wird jetzt die These des verrückten Königs diskutiert. So stellt der Kolumnist Jamelle Bouie unmissverständlich fest: «Dieser Mann hat sich nicht mehr im Griff. Er ist kein Präsident, der die Situation um sich herum kontrollieren kann.»
Einst treueste Verbündete des Präsidenten – Figuren wie Marjorie Taylor Green, Tucker Carlson oder gar Alex Jones – fordern derweil, dass er mithilfe des 25. Zusatzartikels der Verfassung aus dem Weissen Haus entfernt wird. Dieser Artikel macht es möglich, einen Präsidenten zu entmachten, wenn er sein Amt nicht mehr ausführen kann. Demokratische Abgeordnete wie Jamie Raskin fordern deshalb ebenfalls, dass dieser Artikel zur Anwendung kommt. Das wird jedoch graue Theorie bleiben. In der politischen Praxis hat diese Forderung keine Chance. Zu stark ist noch die Loyalität der Mehrheit der Grand Old Party zu ihrem Führer.
Dabei zeigt der Streit mit dem Papst, dass die Anwendung dieses Artikels mehr als gerechtfertigt wäre, denn dieser Streit lässt sich rational nicht mehr erklären. Trump wird ihn auf jeden Fall verlieren, denn Leo XIV. ist nicht nur weit populärer als der Präsident, er hat auch die Moral und die Politik auf seiner Seite. So stellt Ross Douthat, ein konservativer und gläubiger Mann, ebenfalls in der «New York Times» fest: «Wir haben diesmal mehr als eine der üblichen Trump'schen Abnormalitäten. Es geht hier um eine Entweihung und um ein Sakrileg.»
Politisch dürfte dieser Streit für den Präsidenten katastrophale Folgen haben. Mehr als die Hälfte der rund 20 Millionen Katholiken in den USA hat ihm ihre Stimme gegeben, hauptsächlich weil er sein Versprechen, die Abtreibung wieder illegal zu machen, eingelöst hat. Jetzt hingegen muss Trump befürchten, dass sich viele wieder von ihm abwenden. Traditionell haben die amerikanischen Katholiken mehrheitlich für die Demokraten gestimmt.
Mit völlig idiotischen Aussagen wie «Der Papst verharmlost das Verbrechen» vergrault Trump nicht nur die amerikanischen Katholiken, sondern einmal mehr auch seine ausländischen Verbündeten. So hat ihn Giorgia Meloni deswegen öffentlich kritisiert. Dabei galt die italienische Premierministerin bis anhin als enge Vertraute des US-Präsidenten. Dessen dümmliche und primitive Kritik am Papst hat es ihr nun ermöglicht, mit ihm zu brechen.
Meloni dürfte dabei weniger aus religiöser Empörung denn aus politischem Kalkül gehandelt haben. Trump ist in Europa auch bei den Rechtspopulisten unten durch. Selbst die AfD wendet sich von ihm ab, und die krachende Niederlage von Viktor Orban in Ungarn hat gezeigt, dass eine Wahlempfehlung aus dem Weissen Haus einem Todeskuss gleich geworden ist.
Nicht nur mit dem Papst legt sich Trump an, sondern einmal mehr auch mit Jerome Powell, dem abtretenden Präsidenten der US-Notenbank Fed. Er will ihn nach wie vor feuern und so verhindern, dass er auch nach seinem Rücktritt Mitglied des Verwaltungsrats der Fed bleibt. Der erste Versuch, Powell wegen zu hoher Kosten bei der Renovation des Fed-Hauptgebäudes in Washington anzuklagen, ist kläglich gescheitert.
Trotzdem gibt Trump nicht auf und hat Jeanine Pirro, die Staatsanwältin des District of Columbia, beauftragt, das Strafverfahren gegen Powell weiterzuverfolgen. Pirro ist ebenfalls eine der vielen Fox-News-Figuren, die Trump in seine Regierung geholt hat.
Mit seinem Rachefeldzug gegen den Fed-Präsidenten – dieser hat sich standhaft geweigert, die Leitzinsen zu senken –, stösst Trump nicht nur die traditionellen Republikaner vor den Kopf. Er verhindert auch, dass Kevin Warsh, Powells designierter Nachfolger, vom Senat bestätigt wird.
Im Iran-Krieg hat sich Trump so brutal verzockt, dass inzwischen in Washington der Witz kursiert, dass das Weisse Haus nun versuche, die Diskussion auf die Epstein Files zu verlagern, um so vom Debakel im Persischen Golf abzulenken. «Diesmal hat sich Trump in eine Sackgasse manövriert, aus der er keinen Ausweg findet», stellt denn auch Jonathan Lemire im «Atlantic» fest, und Jamelle Bouie ergänzt in der «New York Times»: «Es fehlt ihm an der Fähigkeit und der Geduld, eine Lösung für die selbst verursachte Katastrophe zu finden.»
Das könnte für Trump und seine Familie gravierende Folgen haben. Allgemein wird erwartet, dass die Republikaner die Zwischenwahlen im November verlieren und dass die Demokraten das Abgeordnetenhaus und möglicherweise auch den Senat beherrschen werden. Das bedeutet, dass Trump erneut eine Reihe von unangenehmen Untersuchungen über sein korruptes Verhalten über sich ergehen lassen muss, ja, ein drittes Impeachment-Verfahren ist durchaus möglich. Selbst wenn dies erneut in einem Freispruch enden sollte, bedeutet es, dass der Präsident politisch definitiv zu einer lahmen Ente wird.
Der Iran-Krieg stellt die USA und die Welt vor grosse Herausforderungen. Davon will der verrückte König im Weissen Haus nichts wissen. Während sein glückloser Vize J. D. Vance über das Wochenende in Islamabad mit den Iranern verhandelte, schaute sich der Präsident zusammen mit seinem Aussenminister und Sicherheitsberater Marco Rubio einen Schaukampf an. Viel mehr Verachtung für die wichtigen Probleme geht nicht.
Anstatt die anstehenden Probleme zu lösen, widmet sich Trump primär seinen Eitelkeitsprojekten. Der geplante Ballroom wird immer teurer, der Triumphbogen zur Feier des 250. Jahrestags der Unabhängigkeitserklärung immer grösser. Inzwischen hat dieser Bogen das Dreifache des ursprünglich geplanten Masses angenommen. Er soll nun nicht mehr 24, sondern 76 Meter hoch werden. Selbst der Architekt, der Trump diese Idee einst verklickert hat, schüttelt den Kopf. «Jetzt ist der Triumphbogen einfach viel zu gross», erklärt er gegenüber der «New York Times».
