Unvergessen
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Anstand will gelernt sein

19.10.1996: Del Curto klärt seine Spieler auf: «Zum Schiri nüma ‹Fuck you› sägä, äs git zwei Minuta, hä!»

19. Oktober 1996: Arno Del Curto hat in seiner Karriere schon die unglaublichsten Szenen erlebt. Doch dass er bei seiner ersten Saison in Davos den Spielern gar erklären muss, dass man dem Schiedsrichter nicht mehr «Fuck you» sagen dürfe, übertrifft wohl alles. 

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Arno Del Curto klärt seine Spieler auf: Dem Schiedsrichter darf man nicht «Fuck you» sagen. Video: Youtube/Beppo TV

Was Del Curto schon alles mitmachen musste, kann man teilweise kaum glauben. Aber in über 20 Jahren als Trainer läppert sich da einiges zusammen. So auch diese Anekdote:

Del Curto kam im Sommer 1996 als Cheftrainer zum HC Davos. In der neunten Runde empfängt sein Team an diesem Oktobertag den SC Bern. Der HCD hat mit einem Sieg die Chance, erstmals seit elf Jahren wieder die Tabellenspitze der Nationalliga A zu übernehmen.

Wer hätte das gedacht: Schiedsrichter-Beleidigung gibt zwei Minuten

Doch Del Curto muss seine Spieler dabei in ungewöhnlichen Dingen coachen. So auch irgendwann während der Partie, als er sich nach einer kurzen Diskussion mit dem Unparteiischen zur Spielerbank dreht und erklärt:

«He! To the referee nicht mehr ‹Fuck you› sägä.» 

Er dreht sich kurz zum Kanadier Ken Yaremchuk, der an der Bande steht und den es wohl besonders angeht: 

«Don’t say ‹Fuck you› to the referees. He says 2 minutes, hä!»

Dann dreht er sich zurück zur Spielerbank, läuft an den Schweizer Spielern vorbei und wiederholt auf Deutsch:

«Au bi eui klar, hä? Zum Schiri nüma ‹Fuck you› sägä, äs git 2 Minuta, hä!»

Ob die Botschaft wirklich ankam, ist zumindest in der englischen Version unklar. 16 Jahre später kann Del Curto am Spengler Cup im Interview mit TSN mit seinem Englisch jedenfalls nicht wirklich überzeugen:

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Arno Del Curtos witziges Interview 2012 auf Englisch. Video: Youtube/mike Matthews

Davos verliert, doch das Resultat wird erst zehn Minuten nach der Entscheidung definitiv bekannt

Doch zurück zu 1996: Davos verliert die umstrittene Partie mit 3:4 nach Verlängerung. Erst zwei Sekunden vor Schluss trifft Régis Fuchs für die Gäste. Die Offiziellen am Zeitnehmertisch lassen die Matchuhr allerdings noch sieben Sekunden weiterlaufen und auf der Resultattafel steht es noch immer 3:3. 

Im Stadion herrscht Verwirrung, Del Curto hat vor dem Treffer ein Foul von Gates Orlando an Yaremchuk gesehen und will eine Annullierung des Treffers. Der Stadionspeaker kündet derweil das «definitive Resultat für später» an. Zehn Minuten dauert die Ungewissheit, dann gibt Headschiedsrichter Moreno den Siegtreffer endgültig. Davos' Warten auf die erste Leaderposition dauert noch über die ganze Spielzeit an.

Arno Del Curto polarisiert in der Schweiz seit Jahrzehnten

Was Profitrainer heutzutage alles können müssen ... Es reicht längst nicht mehr, nur Technik und Taktik zu vermitteln. Psychologe sollte man sein, Pädagoge natürlich, ein guter Redner und Motivator. Dazu muss man einen väterlichen Rat geben können, sich in den Medien gut schlagen, einen breiten Rücken haben, Spieler trösten können und die sensiblen Jungs nach Niederlagen wieder aufmuntern. 

Die Fans des HC Davos mit einem Plakat mit HC Davos Cheftrainer Arno Del Curto waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den Kloten Flyers und dem HC Davos am Freitag, 21. September 2012, in der Kolping Arena in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Herbst 2014: Die Davoser haben ihren Arno längst ins Herz geschlossen. Bild: KEYSTONE

Dazu vielleicht zwischendurch der Kumpel sein und die Spieler auf Gefahren und Nutzen von Social Media aufmerksam machen. Die Liste ist fast endlos. Einer, der dies alles am besten beherrscht, ist Arno Del Curto. Der Davos-Trainer steht in seiner 19. Saison und ist erfolgreich wie eh und je. Seine Sprüche sind längst legendär, seine Einstellung vorbildlich. 

Kein Wunder widmet das Schweizer Fernsehen dem Bünder 2011 eine kurze Serie «Wie Arno Del Curto tickt» und bei Radio Grischa muss er sich «Rolf – dem Reporter ohni Grenza» stellen, wo es unter anderem über das Flirtverhalten von Steinböcken geht. Beides sind nur zwei der unzähligen grossartigen Anekdoten über den Kulttrainer.

Wie Arno Del Curto tickt (2011)

Wie Arno Del Curto tickt Teil 1 von 4: Checks, Fouls, Unfälle und Sperren

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video:youtube.com/swissNLAfanBackUp

Wie Arno Del Curto tickt Teil 2 von 4: Training, Vertrauen, Kontrolle

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Video: Youtube/Swissnlafanbackup

Wie Arno Del Curto tickt Teil 3 von 4: Technik, Taktik, Philosophien

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Video: Youtube/swissnlafanbackup

Wie Arno Del Curto tickt Teil 4 von 4: Spieler, Technik, Mode

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Video: Youtube/swissnlafanbackup

Radio Grischa Interview 2012

Teil 1 von 2: Del Curto über seinen adligen Namen und den besten Wein aller Zeiten

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Video: Youtube/radiogrischa

Teil 2 von 2: Del Curto über Chur, Kniefälle und das Flirtverhalten von Steinböcken

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Video: Youtube/radiogrischa

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.



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    Alle Leser-Kommentare
  • Eishockeycrack 17.10.2016 14:54
    Highlight Highlight Das gibt das genaue Bild wieder, wie del Curto ist. Er steht nicht nur hinten an der Spielerbank, sondern hüpft wie ein wildes Huhn an der Bande hin und her und gibt den Spielern Anweisungen. Das macht sehr wahrscheinlich den Erfolg von del Curto aus.
    • fan-crack2 22.10.2016 21:21
      Highlight Highlight Würde ich auch sagen, denn so was will ich nicht wider schreiben

Kein Witz: Arno Del Curto ab sofort Trainer der ZSC Lions!

Paukenschlag im Schweizer Eishockey: Die ZSC Lions trennen sich von Trainer Serge Aubin und ersetzen ihn durch den langjährigen Davos-Trainer Arno Del Curto.

22 Jahre lang war Arno Del Curto Trainer des HC Davos, er führte die Bündner zu sechs Meistertiteln. Ende November trat er zurück – nun ist er bereits wieder als Eishockeytrainer auf höchster Ebene tätig.

Der 62-jährige Del Curto übernimmt per sofort und bis Ende Saison die ZSC Lions, die gestern 1:2 nach Verlängerung gegen Davos verloren hatten und sich nach wie vor im Strichkampf befinden. Für Del Curto ist es eine Rückkehr ins Hallenstadion: Dort war er schon zwischen 1991 und 1993 Trainer.

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