Zürich
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Ein Igel aufgenommen am Montag, 2. Dezember 2013, im Igelpflegezentrum in Maggia. Im Pflegezentrum werden verletzte Igel behandelt. (KEYSTONE/Ti-Press/Carlo Reguzzi)

Die Population des Igels ist in Zürich um 40 Prozent zurückgegangen. Bild: TI-PRESS

In Zürich gibt es immer weniger Igel – Ursachen noch unklar



In Siedlungsräumen leben mehr Igel als in ländlichen Gebieten – freilich nicht ungefährdet. Gemäss einer Studie hat die Igel-Population in der Stadt Zürich in den letzten 25 Jahren um 40 Prozent abgenommen. Kein Wunder: Ihr Lebensraum ist um 18 Prozent geschrumpft.

Die Stadtbevölkerung fungierte bei der Untersuchung gleichsam als Forschungsassistent, wie die Gruppe StadtWildTiere am Dienstag mitteilte. Grundlage der Studie bilden die Daten aus zwei Citizen Science-Projekten: ein aktuelles Projekt der Beobachtungsmeldeplattform StadtWildTiere aus den Jahren 2016 bis 2018 und ein Forschungsprojekt aus dem Jahr 1992.

Hier sind 15 herzige Igel

Damals wurde die Bevölkerung von Zürich mittels Meldekarten aufgerufen, Beobachtungen von Igeln zu melden. Zudem wurden Igel in zwei Untersuchungsgebieten mittels Telemetrie erforscht und die Zahle der Tiere gezählt respektive geschätzt. Diese Daten wurden verglichen mit den neuen Untersuchungen im Rahmen des Citizen Science Projekts StadtWildTiere, welches mit der Stadtbevölkerung Beobachtungen von Igeln auf der Meldeplattform stadtwildtiere.ch sammelt.

Der Trick mit den Spurentunnel

Im Jahr 2016 wurde zusätzlich die Verbreitung der Igel systematisch mittels Spurentunnel in der Stadt Zürich erfasst, ebenfalls unter Mithilfe der Bevölkerung. Spurentunnel sind eine gängige wildtierbiologische Methode, bei welcher plastifizierte Kartontunnel, bestückt mit Farbkissen und Papierstreifen, im Lebensraum der Igel aufgestellt werden.

Läuft ein Igel durch einen Spurentunnel, hinterlässt er seine Fussabdrücke auf dem Papier. Die Spuren geben damit Aufschluss über das Vorkommen des kleinen Wildtiers. Zudem wurde 2017 die Bestandsgrösse mit der Fang-Wiederfang-Methode erfasst. Dabei wird eine Stichprobe der zu messenden Population gefangen, markiert und wieder freigelassen. Danach wird wieder eine Stichprobe gefangen und anhand des Anteils der darin markierten Tiere auf die Gesamtgrösse geschlossen.

Verkehr? Parasiten? Oder wars der Dachs?

Der Vergleich der Daten aus den zwei Citizen Science-Projekten zeigt einen Rückgang der Igelpopulationen in der Stadt Zürich um 40 Prozent – von rund 1500 auf weniger als 900 Igel. Die Lebensräume der Tiere schrumpften im selben Zeitraum um fast ein Fünftel.

Die Gründe für diesen markanten Rückgang sind zurzeit noch weitgehend unklar. Mögliche Ursachen gibt es viele: die zunehmende Verdichtung des städtischen Lebensraums; eine Abnahme der Artenvielfalt in Gärten; zunehmende Undurchlässigkeit des Lebensraums durch Strassen, Mauern und Zäune; der Einsatz von Pestiziden; eine Zunahme der Dachspopulation; der zunehmende Autoverkehr sowie Parasiten oder Krankheiten.

«Besorgniserregend»

«Die Ergebnisse sind besorgniserregend, da sie darauf hindeuten, dass Igel nicht nur auf dem Land, sondern auch in den Städten, wo die grünen Wohngebiete als Refugien für den Kulturfolger Igel galten, zunehmend unter Druck geraten», warnt die Forschungsgruppe. Sie plant weiterführende Untersuchungen zur Klärung der Ursachen des Rückgangs. (cki/sda)

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17 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Psychonaut1934
29.09.2020 15:05registriert March 2015
Ursachen noch unklar?! Genau mein Humor.. Immer mehr Menschen, die alles zupflastern und somit Lebensraum vernichten. Ist der Artikel ernst gemeint?
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Konsortin Sha'ira
29.09.2020 15:55registriert July 2020
Bei einem Insektenrückgang von geschätzten 75%, einem erhöhten Vorkommen von Pools und Rasenmäherrobotern, sowie die gemeinhin noch immer als "ideal" geltenden nackten Gärten wundert mich das jetzt nur ein bisschen mehr als die Überraschung der Leute über die Pro7-Sendung.
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El Vals del Obrero
29.09.2020 15:17registriert May 2016
Rasenmäher-Roboter wären auch noch eine Erklärung.
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