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So mies war der Sommer wirklich (– und wie viel Hoffnung du in den Herbst setzen kannst)

Hagel, Gewitter, viel zu viel Regen: Der Sommer 2021 wird uns in schlechter Erinnerung bleiben. Die grosse Bilanz – und ein Ausblick in den Herbst.
01.09.2021, 19:42
Bruno Knellwolf / ch media

Der Sommer endet, wie er begonnen hat. An seinem letzten Tag weckt einen das laute Prasseln der Regentropfen auf dem Dach. Die Sommermonate waren nicht nur gefühlt miserabel. Auch die Daten von Meteo Schweiz zeigen, dass es im Vergleich zur Norm 140 Prozent mehr Niederschlag gegeben hat nördlich der Alpen. Es war im Mittelland der fünftnasseste seit Messbeginn 1864, wie Stephan Bader von Meteo Schweiz erklärt.

Der nasseste Luzerner Juli

Extrem viel geregnet hat es im Juni und Juli. «Speziell ist die Situation in Buchs/Aarau und in Luzern. In Buchs wurde im Juni das höchste lokale Monatstotal gemessen, in Luzern wurde mit 319.5 Millimeter Regen ebenfalls nicht nur ein Julirekord verzeichnet, sondern es war generell der nasseste Monat seit Messbeginn», sagt Felix Blumer von SRF Meteo.

SRF-Meteorologe Felix Blumer.
SRF-Meteorologe Felix Blumer.
Bild: srf

Solch einen verregneten Sommer hatten wir zuletzt im Jahr 2007. Wie damals war es in diesem Jahr auf der Alpennordseite unbeständig und viele lokale heftige Gewitter zogen übers Land, grosse Hagelkörner zerschlugen Früchte und Gemüse, Erdrutsche und Überschwemmungen waren häufig.

Auf der Alpennordseite erlebten wir nach einem regenreichen Mai gebietsweise die nassesten Juni und Juli seit Messbeginn 1864. Die anhaltend grossen Regenmengen führten gegen Julimitte nördlich der Alpen an mehreren Flüssen und Seen zu Hochwasser und Überschwemmungen. Der August war dann aber deutlich trockener, aber doch immer noch nass genug, um Festivitäten und Grillabende zu verhindern.

Viel zu wenig Sonnenschein in diesem Sommer

Für schlechte Laune sorgte allerdings nicht nur der ewige Regen, sondern auch die fehlende Sonne. Während die letzten vier bis sechs Sommer in vielen Gebieten der Schweiz eine überdurchschnittliche Sonnenscheindauer gebracht haben, litten wir dieses Jahr unter deutlichem Sonnenmangel.

Blumer hält aber fest:

«Trotz viel Regen und wenig Sonnenschein war der Sommer 2021 zu warm.»

Im Vergleich zur klimatologisch relevanten Norm der Jahre 1961 bis 1990 war es im Norden rund 1.6 Grad zu warm und im Süden gut 2 Grad. Die Hitzetage sind aber weitgehend ausgeblieben. Gab es seit dem Sommer 2015 an einigen Orten sogar bis zu 40 Hitzetage, waren es diesmal kaum 10 Tage über 30 Grad Celsius.

Viele kräftige Gewitter

«Dagegen brachte der Sommer 2021 regional viele Gewittertage», sagt Bader von Meteo Schweiz. Im Gebiet des Zürichsees waren es 18 bis 20, die höchste Anzahl Gewittertage in den letzten 20 Jahren in dieser Region. Dabei fielen riesige Hagelkörner vom Himmel, die am 12. Juli eine zerstörerische Schneise durch Zürich zogen.

«Nur in sehr kräftigen Gewittern sind die Aufwinde stark genug, um Hagelkörner mehrmals weit hinauf in die kalten Regionen der Atmosphäre zu treiben, wo sie dann mehrmals Eisschichten ansetzen können und zu grösseren Kalibern werden», sagt Bader.

So sitzen wir nun im Garten neben verhagelten Äpfeln und überfüllten Biotopen und fragen uns, waren mit dem Klimawandel nicht eigentlich zu trockene Sommer angesagt? National sei im Moment noch kein Trend zu höheren oder tieferen Niederschlagswerten zu erkennen, erklärt Bader. Sichtbar sei die hohe Variabilität in den Sommern, einmal zu trocken, einmal zu nass. Erst die Zukunftsszenarien zeigen weniger Sommerniederschläge. «Insbesondere in der Zeit ab 2050», sagt Bader.

Hat sich's nun ausgeregnet?

So wünschen sich alle in der Schweiz nun wenigstens einen goldenen Herbst, in der Hoffnung, die Regenmenge sei für dieses Jahr ausgeschüttet. Und tatsächlich verbreitet Meteo Schweiz etwas Zuversicht. Nach deren aktuellen Berechnungen ist in der Ostschweiz ein milder Herbst wahrscheinlicher als ein kühler. In der Westschweiz ist die Entwicklung zu einem normalen und milden Herbst ähnlich wahrscheinlich und wahrscheinlicher als ein kühler Herbst.

Nach Felix Blumer wird der Herbstbeginn noch sehr durchzogen sein. «Es sieht weiterhin unbeständig aus, auch wenn sich im amerikanischen Wettermodell GFS am Montagabend erstmals ein schwacher Trend zu einem Hoch andeutete.» Allerdings hat jetzt über dem westlichen Atlantik mit einiger Verspätung die Hurrikan-Saison angefangen. «Über den Atlantik abgeschwemmte Hurrikane sind auch auf dem europäischen Festland immer wieder für Wetterüberraschungen gut, dies in beiden Richtungen.» So kann es also wechselhaft bleiben.

Prognoseverlässlichkeit nur über sieben Tage

Einigermassen verlässliche Prognosen seien für einen Zeitraum von etwa sieben Tagen möglich, sagt Blumer. Aber auch da komme es sehr auf die jeweilige Wetterlage an. Nach dem SRF-Meteorologen sind bei ausgeprägten Drucksystemen die Prognosen für diesen Zeitraum einigermassen genau.

Dagegen seien bei sogenannten Flachdrucklagen, also Wetterlagen mit geringen Druckgegensätzen über grosse Distanzen, manchmal schon Prognosen für einen Zeitraum von drei bis fünf Tagen sehr anspruchsvoll. «Umgekehrt ist es in seltenen Fällen, insbesondere bei ausgeprägten Hochdrucklagen, möglich, auch auf einen Zeitraum von gut zehn Tagen verlässliche Vorhersagen zu machen», erklärt Blumer.

Und dass das Regendepot nun ausgeregnet ist, lässt sich leider auch nicht festmachen. «Es gibt keine aussagekräftige Statistik, ob auf einen verregneten Sommer tatsächlich auch ein sonniger und warmer Herbst folgt», sagt Blumer. Einzelne Beispiele dafür gibt es aber schon. Im Jahr 2006 war der August garstig und in der Folge wurde der Herbst sehr warm, allerdings nicht überaus trocken.

Und Gegenbeispiele gibt es auch. 1980 und 1993 folgte auf einen nassen Sommer auch noch ein nasser und kühler Herbst. «Man kann also nicht einfach am Ende des Jahres auf eine ausgeglichene Bilanz hoffen» sagt Blumer. Nicht so wie im Hitzesommer 2003.

Damals war es schon im Frühling rekordwarm und danach folgte der Jahrhundertsommer. Danach gab es auf die Hitze im September die Umstellung auf das damals ersehnte nasse und kühle Wetter. Für eine Wetterumstellung, wenn auch in die andere Richtung, wären wir auch dieses Jahr zu haben.

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