Tessin
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ARCHIVBILD ZUR VORSCHAU AUF DIE EROEFFNUNG DES CENERI-BASISTUNNELS, AM DONNERSTAG, 27. AUGUST 2020 - The east tunnel of the Ceneri Base Tunnel under construction, pictured between Camorino and Vezia, Canton of Ticino, Switzerland, on February 5, 2019. With the 15.4 km long Ceneri Base Tunnel as a continuation of the Gotthard Base Tunnel, the new Gotthard railway line becomes a continuous flat railway for passenger and freight traffic through the Alps. (KEYSTONE/Gaetan Bally)..Die Ostroehre des sich im Bau befindlichen Ceneri-Basistunnels, aufgenommen am 5. Februar 2019 zwischen Camorino und Vezia, Kanton Tessin. Mit dem 15.4 km langen Ceneri-Basistunnel als Fortsetzung des Gotthard-Basistunnels wird die neue Gotthardbahn zu einer durchgehenden Flachbahn fuer den Personen- und Gueterverkehr durch die Alpen. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Im Dezember 2020 wird der Ceneri-Basis-Tunnel auch für die Pendlerinnen und Pendler eröffnet. Bild: keystone

Ceneri-Basis-Tunnel: Eröffnung vollendet ein epochales Projekt

Diese Woche wird am Monte Ceneri TI der Basistunnel eröffnet. Damit kann sich die volle Wirkung der Neat entfalten, auch im Güterverkehr. Für Reisende rücken Norden und Süden näher zusammen.



Mit der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels verkürzt sich die Reise von Zürich nach Lugano um rund eine Viertelstunde auf noch knapp zwei Stunden. Die Fahrt von Zürich nach Mailand dauert noch 3:17 Stunden gegenüber bisher 3:40 Stunden.

Zudem erhält der Kanton Tessin im Dreieck Bellinzona-Locarno-Lugano eine neue S-Bahn. Die Fahrzeit zwischen Lugano und Locarno wird durch die neue Direktverbindung 30 Minuten kürzer.

Am 13. Dezember 2020 soll der Ceneri-Basistunnel mit dem ersten Zug von 06.00 Uhr ab Lugano Richtung Norden in Betrieb genommen werden. Der Tunnel ist 15.4 Kilometer lang und verbindet Camorino bei Bellinzona mit Vezia bei Lugano. Bis zur Inbetriebnahme werden noch Probefahrten mit kommerziellen Güter- und Personenzügen durchgeführt.

Flachbahn durch die Alpen

Die Neat wurde mit dem Ziel gebaut, den Gütertransport auf die Schiene zu verlagern. Das Schweizer Stimmvolk hatte dies Anfang der 1990er Jahre – auch zum Schutz der Alpen – so gefordert. Als offizieller Neat-Baubeginn gilt die erste Sprengung am Lötschberg vom 5. Juli 1999.

Mit der Fertigstellung des Tunnels durch den Monte Ceneri nach zwölf Jahren Bauzeit sind nun alle Basistunnels bereit. Der 34 Kilometer lange Tunnel durch den Lötschberg wurde 2007, jener durch den Gotthard (57 Kilometer) im Jahr 2016 in Betrieb genommen.

Bilder vom Gotthard-Tunnel

Damit hat die Schweiz eine Flachbahn durch die Alpen: Dank den drei Basistunnels ist die Steigung für die Züge geringer. Diese brauchen am Gotthard und am Ceneri keine zusätzlichen Lokomotiven mehr. Zudem sind längere Züge möglich. Das spart Geld und Zeit.

Video: srf/SDA SRF

Lösung im Zentrum Europas

Die Schweiz liegt im Zentrum des europäischen Güterverkehrs. Ein Ziel der Neat war es daher auch, diese Rolle zu stärken und einen Beitrag für einen europäischen Schienenkorridor zur Bewältigung des Verkehrswachstums auf europäischer Ebene zu leisten.

Mit der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels wird nun auch der internationale Vier-Meter-Korridor vollendet. So können Container, Sattelauflieger und andere Güter mit einer Höhe von vier Metern zwischen Rotterdam im Norden durchgehend per Bahn bis in die grossen Terminals in Genua transportiert werden. Die Kosten für einen durchschnittlichen Gütertransport zwischen Nord- und Südeuropa werden gemäss Behördenangaben um rund acht Prozent sinken.

Erfolg dank Finanzfonds

Gekostet hat die Neat rund 23 Milliarden Franken. Das Bauwerk wurde mit einem zweckgebundenen Fonds finanziert, der unter anderem durch die Schwerverkehrsabgaben gespeist wurde. Dank diesem Fonds und einer rollenden Planung - also einem schrittweisen Vorgehen - konnte das Gross-Projekt realisiert werden, auch wenn geologische Gegebenheiten immer wieder neue Herausforderungen stellten.

Plakat-Kampagne zu den eidgenoessischen Abstimmungsthemen vom Sepetmber 1992, darunter auch ein  Plakat der Befuerworter der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale NEAT, gegen die das Referendum ergriffen wurde, aufgenommen im September 1992 in Zuerich, Schweiz. (KEYSTONE/Str)

Das Schweizer Stimmvolk stimmte in den 1990er Jahren über die Neat ab. Bild: KEYSTONE

Damit die Neat die volle Wirkung entfalten kann und die zusätzlichen Kapazitäten genutzt werden können, müssen aber auch die Zufahrtsstrecken in den Nachbarländern passen. Die Schweiz hat sich daher an der Finanzierung dieser Projekte beteiligt, damit sie schneller realisiert werden konnten.

Nadelöhr in Deutschland hemmt noch

Während in Italien diese Arbeiten weitgehend fertig sind, besteht in Deutschland noch Handlungsbedarf. So müssen Teile der Strecke zwischen Karlsruhe und Basel noch von zwei auf vier Spuren ausgebaut werden. Mit einem durchgehend vierspurigen Betrieb wird um das Jahr 2040 gerechnet. Grund für die lange Dauer sind unter anderem zahlreiche Einsprachen von Anwohnern.

Auch in der Schweiz wird noch weitergebaut. Im Lötschberg-Tunnel sollen die Kapazitäten im Ausbauschritt 2035 weiter vergrössert werden. Studien sollen zudem aufzeigen, wie die Neat im Süden Richtung Chiasso weitergeführt werden kann. Zudem soll mit Frankreich ein Staatsvertrag abgeschlossen werden, um die Strecken auch auf der anderen Seite des Rheins für grosse Transporte auszubauen.

Mit der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels ist aber die Neat, das grösste Schweizer Verkehrsprojekt der letzten Jahrzehnte, nach rund 20 Jahren vollendet. (sda)

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • StealthPanda 01.09.2020 22:14
    Highlight Highlight Gratulation an alle beteiligten und Danke für den Einsatz.
  • Dörfu 01.09.2020 17:02
    Highlight Highlight Mal schauen wie lange das Tunnel hält.
    Die Arbeiter meldeten Pfusch beim Bau von denen die die die Nachtschicht machten. Es hatte niemanden gross interessiert. (neben der Ausbeutung der Arbeiter)
    • DRIVER I 01.09.2020 19:28
      Highlight Highlight Ja die Mafia über das Konsortium Condotta mit Sitz in Rom verdiente auch gut mit. Vor Jahren wurde ja gemunkelt, dass der verwendete Beton minderwertig gewesen sein soll.
  • MartinZH 01.09.2020 15:16
    Highlight Highlight Von Zürich nach Mailand in 3 Stunden und 17 Minuten. Wow! 👍 Milano, ich komme! 🙄🌞👞👕👔👖🛍🍡🍕🍝🧀🤗
  • Posersalami 01.09.2020 14:11
    Highlight Highlight Bravo!
  • El Vals del Obrero 01.09.2020 12:32
    Highlight Highlight Bezüglich der Rheintalbahn muss man nur an die Strecke Zug-Arth-Goldau denken:

    Da gab es ja auch Verzögerungen wegen Einsprachen. Und das bei einer Strecke von ca 10 km. In Deutschland geht es aber um 200 km.

    Über 50 km durch einen Berg ist zwar technisch sehr schwierig. Aber juristisch wohl einfacher, da es im Berg keine Anwohner gibt.
    • Posersalami 01.09.2020 14:12
      Highlight Highlight Der Vergleich wäre zulässig, wenn wir nur die paar km im Osten des Zugersees ausbauen wollten.

      Die Bahn wurde und wird hier massiv ausgebaut, ohne das es zu grossen Verzögerungen kommt. Meistens zumindest. Wenn ich mir die Geschichte durchlese wie in Deutschland 10 Jahre lang über die Köpfe der Bevölkerung hinweggeplant wurde und wird, weiss ich auch warum es hier meistens schneller geht..
    • El Vals del Obrero 01.09.2020 17:43
      Highlight Highlight Stimmt. Neubaustrecke Mattstetten-Rothrist wäre da ja ein gutes Beispiel. Zu Beginn gab es da auch grössere Probleme, am Ende konnte man sich aber doch zusammenraufen.

      In Baden-Würtemberg gibt es wohl auch das Problem, dass das Prestige-Projekt Stuttgart 21 (Rückbau eines grossstädtischen HB auf 8 Gleise, man stelle sich mal vor im Zürcher HB gäbe es nur Löwenstrasse und Museumsstrasse) so viel Mittel bindet.

      Abstimmungen haben schon Vorteile. Manchmal wird es dadurch komplizierter, aber wenn es mal durch ist wird der Entscheid auch akzeptiert, so dass man am Ende doch schneller ist.
  • insert_brain_here 01.09.2020 12:15
    Highlight Highlight Bitte verbreitet nicht das Märchen, dass der Ausbau in Deutschland sich wegen Einsprachen von Einwohnern verzögert. Da ist die grosse Koalition am Werk die diensteifrig im Sinne ihrer Geldgeber dafür sorgt, dass Deutschland gefälligst ein Land der Autofahrer bleibt, deswegen auch der allgemein desolate Zustand des ÖPNV. Wenn VW, Mercedes und BMW rufen "Spring!" fragen sowohl SPD als auch CDU bloss "Wie hoch?"
    • dmark 01.09.2020 13:45
      Highlight Highlight @insert_brain_here:
      Ja, es wurde seitens der dt. Regierung "getrödelt" und nach der Wende erst mal der Fokus auf Ost-West Verbindungen gelegt, aber bei 172.000 Einsprüche von Bürgern kann man auch der grossen Koalition nicht unbedingt die ganze Schuld an dieser Miesere geben.

      https://www.heise.de/tp/features/Das-Debakel-mit-der-Rheintalstrecke-3843734.html

      Und so gross ist die Lobby der Autohersteller auch wieder nicht. Das betrifft gerade mal 800K der gut 45 Mio Arbeitsplätze. D.h. gerade mal ca jeder 55. Arbeitsplatz ist im Automobilsektor.
      Und vergesse nicht beim ÖPNV, wie gross D ist. ;)
    • Basubonus 01.09.2020 15:04
      Highlight Highlight Aber natürlich ist die Autolobby in Deutschland riesig. RIESIG. Es gibt mehr als genug direkt und indirekt von der Autoindustrie abhängige Arbeitsplätze...
    • insert_brain_here 01.09.2020 15:54
      Highlight Highlight @dmark: Wenn der Ausbau einer Bahnstrecke 40 Jahre lang verschlampt wird ist es ziemlich offensichtlich, dass die Einsprachen der Einwohner einfach nur ein willkommener Vorwand sind, wenns um Braunkohle geht werden in D sogar ganze Ortschaften zwangsverlegt, das ist dann kein Problem.
      Die Realität sieht nunmal so aus, dass in D nichts gemacht wird, was den Umsatz der Grossen Drei gefährden könnte, auch ernsthafte Förderung der E-Mobilität wird erst dann kommen wenn die irgendwann eine entsprechende Modellpalette bereit haben, 2050 oder so.
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