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F/A-18-Absturz: Militärgericht spricht Piloten frei



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Bild: sda

Der Pilot eines 2015 im französischen Jura abgestürzten F/A-18-Kampfjets ist vom Militärgericht 2 in Aarau freigesprochen worden. Der 43-Jährige war der mehrfachen fahrlässigen Nichtbefolgung von Dienstvorschriften angeklagt. Der Pilot hatte sich mit dem Schleudersitz retten können.

Das Militärgericht sprach den Berufsmilitärpiloten auch vom Vorwurf des Missbrauchs und der Verschleuderung von Material frei. Das Gericht, das den Fall an zwei Tagen verhandelt hatte, sah zudem von einer disziplinarischen Bestrafung ab.

Der Auditor (Kläger) hatte eine bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen gefordert. Der Verteidiger verlangte einen Freispruch. Der Pilot habe die Situation als ausweglos eingeschätzt – «und er hat zum Glück das Richtige getan», sagte der Verteidiger. «Auch Kampfpiloten sind nur Menschen.»

Das Militärgericht begründete den Freispruch damit, man müsse sich in den Piloten zum Zeitpunkt der Probleme in einer Höhe von rund 2200 Metern hineinversetzen. Der Pilot habe sich im Luftkampf befunden – und er habe Sofortmassnahmen ergriffen. Er habe nachvollziehbar priorisiert, die Probleme jedoch nicht identifizieren können.

Gericht: «Im Nachhinein schlauer»

Der Kampfjet sei mit massiver Geschwindigkeit gesunken, und der Pilot sei unter Zeitdruck gestanden. Dieser habe nicht pflichtwidrig gehandelt. «Im Nachhinein ist man vielfach schlauer», sagte der Präsident des Militärgerichts. «Es ging ums eigene Leben.» Es sei nachvollziehbar, dass der Pilot den Schleudersitz gezogen habe.

Laut Gericht ist es illusorisch, dass der Pilot immer alle Instrumente überwachen kann. Das F/A-18-Kampfjet gelte als «carefree». Man könne mit ihm machen, so viel wie er aushalte oder mitmache. «Es geht im Kampf darum, das Flugzeug an die Grenzen zu bringen», sagte der Präsident.

Pilot: «Fürs Leben entschieden»

Am Prozess hatte der Deutschschweizer Pilot von den Problemen während des Kampftrainings berichtet. Er habe bis zuletzt nicht gewusst, welches Problem er gehabt habe. Es sei darum gegangen, zu verhindern, in den Boden zu fliegen. Es habe sich um eine Notlage gehandelt.

«Ich hatte nur einen Versuch, nur ein paar Sekunden Zeit. Ich habe das Menschenmögliche gemacht», sagte er. In allen anderen Unfällen in den letzten 25 Jahren seien die Schweizer Piloten mit dem F/A-18 abgestürzt und ums Leben gekommen. «Ich habe mich für das Leben entschieden», sagte der Pilot.

Nach dem Freispruch sagte der Pilot: «Ich bin sehr glücklich – und ich freue mich auf den nächsten Flug.» Seit dem Unfall ist der Oberstleutnant im Generalstab nicht mehr Testpilot. Er darf jedoch weiterhin F/A-18-Kampfjets fliegen.

Der 43-Jährige ist seit 20 Jahren Berufsmilitär. Beim Ziehen des Schleudersitzes verletzte er sich. Es bestehen noch immer Probleme am Rücken und an den Fingern.

Luftkampftraining im französischen Jura

Der Pilot war bei einem Luftkampftraining mit zwei Tiger-Jets am 14. Oktober 2015 verunfallt. Dabei kam es in der letzten Phase zu einem Strömungsabriss im linken Triebwerk des F/A-18-Kampfflugzeugs.

Dadurch fiel die Leistung ab. Das Flugzeug drehte sich mit einer Walzbewegung nach links und verlor rasch an Höhe. Der Pilot konnte es nicht mehr stabilisieren – und betätigte den Schleudersitz.

Der F/A-18-Kampfjet stürzte unkontrolliert in der Nähe der französischen Ortschaft Glamondans ab und wurde total zerstört. Es entstand gemäss Anklageschrift ein Totalschaden im Umfang von rund 55 Millionen Franken. (aeg/sda)

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