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Polizistin brutal ermordet - Terrorverdacht nach «barbarischer» Tat

23.04.2021, 18:34

Wieder Entsetzen und Fassungslosigkeit in Frankreich: Ein Angreifer hat am Freitag eine Polizeimitarbeiterin in der Nähe von Paris brutal mit einem Messer ermordet. Die Ermittler gehen von einem Terrorakt aus. «Im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus geben wir nicht klein bei», sagte Präsident Emmanuel Macron nach der Bluttat. Die Frau wurde ersten Erkenntnissen nach von dem Mann am Kommissariat in Rambouillet hinterrücks angegriffen. Sie starb noch am Tatort. Der Angreifer wurde von der Polizei getötet.

Polizisten sperren den Zugang zur Polizeiwache mit Absperrgittern.
Polizisten sperren den Zugang zur Polizeiwache mit Absperrgittern.Bild: keystone

Die Tat weckt in Frankreich böse Erinnerungen. Das Land wird seit Jahren von islamistischen Anschlägen erschüttert - dabei starben mehr als 250 Menschen. Im Oktober wurde ganz in der Nähe der Lehrer Samuel Paty von einem Islamisten brutal ermordet - er wurde enthauptet. Die Tat hatte international grosses Entsetzen ausgelöst. Kurze Zeit später schlug ein Angreifer in einer Kirche in Nizza zu und tötete dort drei Menschen mit einem Messer. Es gibt auch immer wieder brutale Angriffe islamistischer Extremisten auf die Polizei.

Macron prangert nach Angriff «islamistischen Terrorismus» an
Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hat nach dem tödlichen Angriff auf eine Polizeimitarbeiterin in Rambouillet bei Paris versichert, dass der Staat im Kampf gegen den «islamistischen Terrorismus» nicht nachlassen wird. «Die Nation ist an der Seite ihrer Familie, ihrer Kollegen und der Sicherheitskräfte», teilte der 43-Jährige am Freitag auf den Kurznachrichtendienst Twitter mit. «Im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus geben wir nicht klein bei.»

Der Ablauf der Tat und die Äusserungen des Täters seien Gründe, warum die Anti-Terror-Ermittler übernommen hätten, sagte Anti-Terror-Staatsanwalt Jean-François Ricard am Tatort. Die Frau sei «feige» ermordet worden. Ricard nannte keine Details. Medien zufolge soll der Frau die Kehle durchgeschnitten worden seien. Bei dem Täter soll es sich um einen Mann aus Tunesien handeln, der den Behörden zuvor nicht bekannt war. Er soll «Allahu akbar» (Gott ist gross) gerufen haben. Auch dazu äusserte sich der Staatsanwalt nicht.

Die Anti-Terror-Einheit hat die Ermittlungen übernommen.
Die Anti-Terror-Einheit hat die Ermittlungen übernommen.Bild: keystone

Premierminister Jean Castex eilte nach der Tat sofort zum Tatort. Er erinnerte an brutale Anschläge im Pariser Umland wie die blutige Attacke auf Lehrer Paty. «Ich möchte allen Französinnen und Franzosen sagen, dass unsere Entschlossenheit, gegen alle Formen des Terrorismus zu kämpfen, intakt ist», sagte er. Macron schrieb auf Twitter, dass die Polizistin «Stéphanie hiess». Das Land stehe an der Seite ihrer Familie, ihrer Kollegen und der Polizei.

Die Anti-Terror-Fahnder ermitteln nun unter anderem wegen Mordes in Verbindung mit einem terroristischen Vorhaben. Die Zeitung «Le Parisien» berichtete, dass die Frau beim Betreten des Kommissariats von dem Angreifer überrascht worden sei. Sie sei am Hals verletzt worden und noch am Tatort gestorben. Die Frau war Berichten zufolge etwa 49 Jahre alt. Jérome Moisant von der Polizeigewerkschaft Unité SGP Police sagte dem Sender Franceinfo, dass die getötete Kollegin in der Verwaltung gearbeitet habe. Der Angreifer habe sich zuvor vor der Wache auffällig aufgehalten.

Die Tat löste in Frankreich heftige Reaktionen aus. Die Rechtsaussen-Politikerin Marine Le Pen kommentierte auf Twitter, dass immer die gleichen Schrecken aufeinander folgten. Es seien immer die «gleichen islamistischen Motive». Sie warf der Regierung vor, bei Sicherheitsfragen zu lax zu sein. Die Präsidentin der Hauptstadtregion Region, Valérie Pécresse, sprach von einem «barbarischen» und «überraschenden» Angriff.

Immer wieder gibt es in Frankreich Angriffe auf die Polizei. Im Herbst 2019 tötete etwa ein Angestellter im Polizeihauptquartier in Paris vier seiner Kollegen mit einem Messer. Die Ermittler gehen von einem Terrorhintergrund aus. 2017 tötete ein Mann auf der Pariser Nobelstrasse Champs-Élysées einen Beamten und verletzte zwei weitere. Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich. Im Jahr 2016 wurden ein Polizist und seine Lebensgefährtin in Magnanville westlich von Paris von einem Mann erstochen worden. Der Täter hatte sich zuvor zur Terrormiliz Islamischer Staat bekannt. Frankreichs Mitte-Regierung will mit einem neuen Sicherheitsgesetz mehr Schutz für die Ordnungskräfte im Land bieten.

Die Tat ereignete sich in der Gemeinde Rambouillet gut 60 Kilometer von Paris entfernt am frühen Nachmittag. Die Stadt mit ihren rund 26 000 Einwohnern gilt als friedlich. Die Gemeinde liegt im Südwesten der Hauptstadt. (sda/dpa)

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Terror-Attacke in Nizza

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Terror-Attacke in Nizza
quelle: keystone / sebastien nogier
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Mit Buntstiften dokumentiert dieser Künstler den «IS»-Terror

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17 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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trollo
23.04.2021 19:41registriert Januar 2016
Frankreich bietet den kranken Typen ein Leben in Sicherheit, Schutz vor Verfolgung und materielle Versorgung.
Gibt es keine Sure die zu Dankbarkeit verpflichtet? Radikale könnten sogar radikal dankbar sein...
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cille-chille
24.04.2021 09:01registriert Mai 2014
Fassungslos

Dass jemand religiös ist, kann ich gut stehen lassen, aber diese Form von Religionsumsetzung werde ich wohl nie verstehen.
Weder können, noch wollen.
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