Schweiz
Arbeitswelt

«Keine Generation Z!»: Zürcher Jobinserat sorgt für Aufsehen – und Kritik

Die Stellenanzeige mit der deutlich geäusserten Abneigung der jüngsten Arbeitsmarkts-Generation.
Die Stellenanzeige mit der deutlich geäusserten Abneigung der jüngsten Arbeitsmarkts-Generation.Bild: screenshots jobs.ch

«Keine Generation Z!»: Zürcher Jobinserat sorgt für Aufsehen – und Kritik

Ein Zürcher Spitex-Unternehmen schliesst in einer Stellenausschreibung explizit Bewerbende der Generation Z aus. Das sorgt für Kritik.
08.02.2026, 07:1208.02.2026, 07:53

In der Anzeige, die auf der Stellenplattform jobs.ch geschaltet wurde, wird nach einer oder einem Teamleitenden Pflege «mit Herz und Verstand» gesucht. Nicht erwünscht sind Bewerbungen von Angehörigen der Generation Z (ungefähr die Jahrgänge 1996 bis 2010, die Definitionen variieren leicht). Nebst fachlichen Titeln fordert die Spitexfirma aus Rümlang «mehrjährige Berufserfahrung» und «keine Montag, Freitag, Krankenscheinmentalität».

gen z ausschluss
Die Stellenanforderungen im Inserat.Bild: screenshots jobs.ch

Der pauschale Ausschluss der jüngsten Generation auf dem Arbeitsmarkt ist ungewöhnlich – und er sorgt für Kritik. So erklärt Unternehmerin Yaël Meier, die sich mit ihrer Firma als Vertreterin und Sprachrohr der Generation Z positioniert, gegenüber der NZZ am Sonntag:

«Ich finde es krass, ich finde es schlecht.»

Die 25-Jährige räumt jedoch ein, dass sie Aussagen über die vermeintlich mangelnde Einsatzbereitschaft und überhöhte Ansprüche an die Work-Life-Balance von jungen Menschen häufig zu hören bekomme. Die Generation Z habe eine andere Art von Arbeitsethik, was häufig auf Unverständnis bei Angehörigen älterer Generationen stosse. Deshalb brauche es andere Ansätze, um den Esprit der Jungen zu wecken.

«Man muss die Jungen abholen und sich damit befassen, wie man sie begeistert.»
Yael Meier
Yaël Meier findet den Gen-Z-Ausschluss in der Job-Ausschreibung unangebracht.Bild: instagram

Das Klischee einer arbeitsfaulen jungen Generation hält sich bei vielen Menschen jenseits der 30 hartnäckig – obwohl Studien schon mehrfach aufzeigten, dass Gen-Z-Angehörige nicht prinzipiell weniger arbeiten, aber durchaus andere Prioritäten und Anforderungen an Arbeitgeber haben.

So ist jungen Menschen wichtig, dass sie Sinn in ihrer Arbeit sehen und sie machen eher Dienst nach Vorschrift, wenn sie diesen nicht erkennen. Darüber hinaus sind sie illoyaler und bleiben weniger lang beim selben Arbeitgeber, als ältere Menschen – was auf ein anderes Selbstbild und mehr Selbstbewusstsein im Umgang mit Unternehmen zurückzuführen sein könnte.

Das Rümlanger Unternehmen wollte gegenüber der «NZZ» nicht Stellung zu der Ausschreibung nehmen. Sie ist weiterhin mit dem Zusatz «keine Generation Z!» auf der Stellenplattform geschaltet.

Diskriminierend ist der Ausschluss einer Gruppe von Menschen bei Job-Ausschreibungen aus rechtlicher Sicht in der Schweiz derweil nicht. Firmen dürfen selbst bestimmen, wen sie zur Bewerbung einladen und wen sie einstellen – und wen nicht. Aussergewöhnlich ist die Unverblümtheit des Gen-Z-Ausschlusses im Inserat aber allemal. (con)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
320 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Swiss Traveller
08.02.2026 07:30registriert Juni 2025
Wo genau ist das Problem? Gibt genug Jobinserate welche explizit Menschen über 50. oder gar 40. ausschliessen. Alterdiskriminierung interessiert ja auch keinen. Da heisst es dann jedes Unternehmen habe das Recht sich seine Mitarbeiter auszusuchen, man können den Unternehmen diesbezüglich keine Vorschriften machen, da diese am besten wissen würden wer ins Team passe und kein Politiker hat dies je ernsthaft zu ändern versucht.
43547
Melden
Zum Kommentar
avatar
M.L.
08.02.2026 07:46registriert April 2024
Sturm im Wasserglas. Liebe GenZ, willkommen in der Realität des CH-Arbeitsmarkts, gewöhnt Euch besser daran. Ältere Semester kennen das seit langem. Der ganz normale Alltag der Stellensuche. 'Gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen'
32359
Melden
Zum Kommentar
avatar
Macca_the_Alpacca
08.02.2026 07:48registriert Oktober 2021
Wenn die Spitex in der Nacht ausrücken muss um bei einem Patienten das Stoma (künstlicher Darmausgang) zu pflegen, dann hat die Work-Life-Balance der Person die anrückt keine Priorität. Und als Einsatzleiter möchte ich ja auch nicht jedes Mal eine Diskussion frühern ob das nun nötig ist oder nicht oder einen "Drückeberger" im Team haben der nie in der Nacht arbeitet weil das für seine Work-Life-Balance schlecht ist. Es gibt einfach Jobs die Resultatorientiert funktionieren müssen.
30578
Melden
Zum Kommentar
320
Auto brennt in Einsiedeln vor Ampel aus
Am Sonntagmittag ist bei Einsiedeln SZ ein Auto ausgebrannt, wie die Kantonspolizei Schwyz berichtet. Ein 61-jähriger Autolenker war um 11.50 Uhr von Biberbrugg in Richtung Einsiedeln unterwegs, als er bei der Lichtsignalanlage Rabennest anhalten musste. Ein Autolenker, der direkt hinter ihm stand, bemerkte, dass das Fahrzeug vor ihm eine Flüssigkeit verlor, die sich sogleich entzündete. Er konnte die vier Insassen des vorderen Autos rechtzeitig warnen und zum Aussteigen bewegen. Sie verliessen das Auto umgehend und blieben unverletzt.
Zur Story