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Britain's Prime Minister Theresa May at center right front row, speaks to lawmakers in the House of Commons, London, Wednesday March 13, 2019. Political crisis in Britain is sparking anxiety across the European Union, as fears rise that Britain will crash out of the bloc on March 29 without a withdrawal agreement to smooth the way. (Mark Duffy/UK Parliament via AP)

Theresa May am Mittwoch im House of Commons. Bild: AP/UK Parliament

May will 3. Abstimmung ++ Unterhaus lehnt harten Brexit ab

Nach dem Brexit-Deal von Premierministerin Theresa May hat das britische Unterhaus nun auch einen Austritt ohne Abkommen abgelehnt. Nun soll das Parlament über eine Brexit-Verschiebung entscheiden.



Chaos im Unterhaus: Nur etwa zwei Wochen vor dem geplanten Brexit hat das britische Parlament gegen einen EU-Austritt ohne Abkommen gestimmt. Die Abgeordneten verabschiedeten am Mittwoch mit 321 zu 278 Stimmen gegen den Willen der Regierung einen Beschluss, der einen ungeordneten Brexit in jedem Fall ablehnt. Die Entscheidung ist rechtlich allerdings nicht bindend.

John Bercow verkündet das Resultat.

May will das Parlament in London ein drittes Mal über das von ihr ausgehandelte Abkommen mit der EU zum Brexit abstimmen lassen. Einen entsprechenden Antrag für ein solches Votum bis zum 20. März will May am Donnerstag den Abgeordneten vorlegen, wie die Regierung am Mittwochabend mitteilte. Das Abkommen war bereits zwei Mal im britischen Unterhaus gescheitert.

Die Parlamentarier müssten sich am Donnerstag zwischen einer kurzen und einer langen Verschiebung des eigentlich für den 29. März geplanten Austritts entscheiden, sagte May. «Wenn das Unterhaus in den nächsten Tagen einen Weg findet, ein Abkommen zu unterstützen, würde das der Regierung die Gelegenheit geben, um eine kurze befristete technische Verlängerung von Artikel 50 zu ersuchen», sagte May. Andernfalls sei ein sehr viel längerer Aufschub des EU-Austritts notwendig.

Voraussetzung für eine Verschiebung des Brexits ist, dass alle 27 übrigen Mitgliedstaaten dem zustimmen. Grossbritannien will die Europäische Union eigentlich am 29. März verlassen.

EU-Kommission reagiert zurückhaltend

Die EU-Kommission reagierte zurückhaltend auf das Unterhaus-Votum. «Um einen No-Deal vom Tisch zu nehmen, reicht es nicht, gegen einen No-Deal zu stimmen - man muss einem Deal zustimmen», erklärte eine Kommissionssprecherin. «Wir haben einen Vertrag mit der Premierministerin vereinbart und die EU ist bereit, ihn zu unterzeichnen.»

Eine Trennung von der Europäischen Union ohne Abkommen hätte chaotische Folgen für die Wirtschaft und viele andere Lebensbereiche gehabt. Noch kurz vor der Abstimmung warnte Schatzkanzler Philip Hammond die Parlamentarier, Grossbritannien wäre im Fall eines sogenannten No Deals «erheblichen Verwerfungen» ausgesetzt.

Britain's Prime Minister Theresa May, speaks during a media conference after a meeting with European Commission President Jean-Claude Juncker at the European Parliament in Strasbourg, eastern France, Monday, March 11, 2019. Prime Minister Theresa May is making a last-ditch attempt to get concessions from EU counterparts on elements of the agreement they all reached late last year. (AP Photo/Jean-Francois Badias)

Theresa May erreichte von der EU Zugeständnisse, doch die waren für die Brexit-Hardliner nicht gut genug. Bild: AP/AP

In der Beschlussvorlage der Regierung sollte der Brexit ohne Vertrag nur für den 29. März abgelehnt werden. Für die Zeit danach sollte er auf dem Tisch bleiben. Eine knappe Mehrheit der Abgeordneten wollte sich damit jedoch nicht zufrieden geben.

Am Dienstag hatte das Unterhaus zum zweiten Mal gegen den zwischen May und Brüssel ausgehandelten Deal gestimmt, obwohl die Regierungschefin kurz zuvor Zugeständnisse der EU erreicht hatte.

Das Parlament in London ist in Sachen Brexit heillos zerstritten. Mays Pläne zum EU-Austritt hatten zu zahlreichen Rücktritten von Ministern geführt. Darunter waren auch die Brexit-Minister David Davis und Dominic Raab sowie Aussenminister Boris Johnson.

Backstop als Streitpunkt

Heftig gestritten wurde vor allem um den sogenannten Backstop. Das ist eine in dem Austrittsabkommen festgeschriebene Garantie für eine offene Grenze zwischen dem EU-Staat Irland und dem britischen Nordirland. Die Regelung sieht vor, dass Grossbritannien in einer Zollunion mit der EU bleibt, bis eine bessere Lösung gefunden ist.

Brexit-Hardliner fürchten, dies könnte das Land dauerhaft an die EU fesseln und eine eigenständige Handelspolitik unterbinden. Sie hatten daher eine zeitliche Befristung oder ein einseitiges Kündigungsrecht für den Backstop gefordert.

May führt seit einer verpatzten Neuwahl im Sommer 2017 eine Minderheitsregierung an, die die Unterstützung der nordirischen Partei DUP benötigt. Die Regierungschefin ist auf jede Stimme im Parlament angewiesen.

epa07418926 (26/66) A defaced sign designates the border between the Republic of Ireland and Northern Ireland on the A13 Road near Londonderry in Britain, 01 March 2019.  Neither the UK nor the EU wants a hard border, and the Irish backstop is the mechanism that negotiators agreed upon to prevent that from happening. The open border, a now-invisible, 499-kilometer (310-mile) line running through countryside, farmland and bisecting main roads, is enshrined in an international peace deal that in 1998 helped to extinguish decades of sectarian and political violence in Northern Ireland; a period known as the Troubles. Over 3,000 people died during the Troubles, which saw unionist paramilitaries from largely Protestant areas, who identify as British, and republican militias from largely Catholic areas, who sought a re-unified Ireland, trade terror. Britain is scheduled to leave the European Union on 29 March 2019, two years after Prime Minister Theresa May invoked Article 50, the mechanism to notify the EU of her country's intention to abandon the member's club after the tightly-contested 2016 referendum. The results of that referendum exposed a divided nation. Leave won, claiming 52 percent of the overall vote. Voters in England and Wales came out in favor of leave, while Scotland and Northern Ireland plumped for remain.  EPA/NEIL HALL  ATTENTION: For the full PHOTO ESSAY text please see Advisory Notice epa07418899 , epa07418900

Bleibt einer der Hauptstreitpunkte: Die Grenze zwischen Irland und Nordirland. Bild: EPA/EPA

Nicht nur Mays Konservative Partei ist im Brexit-Kurs uneins, sondern auch die grösste Oppositionspartei Labour. Insgesamt ein knappes Dutzend unzufriedener Abgeordneter aus beiden Parteien hat kürzlich eine eigene «Unabhängige Gruppe» gegründet und weitere Parlamentarier ermuntert, sich ihnen anzuschliessen.

Mitten im Brexit-Streit sieht sich die Regierung auch noch mit einem schwächeren Wachstumsausblick konfrontiert. Schatzkanzler Hammond sagte im Unterhaus, in diesem Jahr sei mit einem Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent zu rechnen. Bisher hatte die Prognose 1,6 Prozent betragen. Für 2020 wurde die Erwartung bei 1,4 Prozent belassen.

Die Briten hatten bei einem Referendum im Jahr 2016 mit knapper Mehrheit für den Austritt aus der Staatengemeinschaft votiert. (cma/sda/dpa/afp)

Im Netz sind die Briten längst zur Lachnummer avanciert

Ein chaotischer Brexit hätte für die EU verheerende Folgen

Video: srf

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