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Wohnungsnot auf den Kanaren: Mit Leim gegen Airbnb-Unterkünfte

Aktivistinnen und Aktivisten verleimen Zahlenschlösser für Airbnb-Wohnungen auf den Kanarischen Inseln und teilen die Videos anschliessend im Internet.
Aktivistinnen und Aktivisten verleimen Zahlenschlösser für Airbnb-Wohnungen auf den Kanarischen Inseln und teilen die Videos anschliessend im Internet. Bild: screenshot instagram

Wohnungsnot auf den Kanaren: Mit Leim gegen Airbnb-Unterkünfte

08.06.2026, 18:1408.06.2026, 18:14

Die Bilder der letztjährigen Proteste gegen den Massentourismus in Barcelona gingen um die Welt. Verärgerte Anwohnerinnen und Anwohner bespritzten Feriengäste in Cafés und Restaurants mit Wasserpistolen und skandierten «Tourists go home». Auslöser für den Unmut der Einheimischen waren die rasant gestiegenen Mietpreise in der beliebten Reisedestination. So erlebte Barcelona eine Erhöhung der Mieten um rund 70 Prozent im Verlauf der letzten zehn Jahre, wie die Stadt berichtete.

Eine Entwicklung, die sich nicht nur auf Barcelona beschränkt. Die Frage nach bezahlbaren Mietwohnungen beschäftigt das ganze Land. Eine Umfrage des spanischen Meinungsinstituts Centro de Investigaciones Sociológicas (CIS) von 2025 zeigt, dass die Wohnungsfrage von der Bevölkerung als das grösste gesellschaftliche Problem im Land genannt wird, noch vor wirtschaftlichen und politischen Problemen oder Fragen der Migration.

Ferienwohnungen sollen Wohnungsnot zusätzlich verstärken

Besonders stark betroffen sind beliebte Tourismusorte wie Barcelona, Madrid, die Balearen und die Kanarischen Inseln. Hier stehen insbesondere grosse Anbieter von Ferienwohnungen wie Airbnb und Booking.com in der Kritik, da diese, so der Vorwurf, die bereits angespannte Wohnungslage noch zusätzlich verschärfen würden, indem freie Wohnungen dem Immobilienmarkt entzogen und als Ferienwohnungen vermietet werden. Erst im letzten Dezember verhängte das spanische Verbraucherschutzministerium gegen Airbnb eine Strafe von 64 Millionen Euro aufgrund des Vermietens nicht lizenzierter Ferienwohnungen in Spanien.

Rund 20 Prozent der 65'000 nicht offiziell lizenzierten Wohnungen befanden sich auf den Kanarischen Inseln, wie das Onlineportal Teneriffa News nach dem Bekanntwerden der Strafe berichtete. In einer Umfrage der offiziellen Statistikbehörde der Kanarischen Inseln vor zwei Jahren stimmten rund 80 Prozent der befragten Personen der Aussage, dass Ferienhäuser die Mieten in die Höhe treiben, vollkommen oder teilweise zu.

Verleimte Schlösser und versiegelte Duschen

Diese wachsende Unzufriedenheit veranlasst inzwischen einige Aktivistinnen und Aktivisten auf Lanzarote dazu, gegen das Geschäft mit Airbnb-Unterkünften vorzugehen, wie die britische Zeitung «Daily Mail» kürzlich berichtete. In Videos auf Instagram ist zu sehen, wie Zahlenschlösser von Ferienwohnungen mit Leim verklebt werden. Zudem wurden bekannte Touristenattraktionen mit Absperrband versehen und so symbolisch für geschlossen erklärt.

Die Proteste scheinen jedoch dem anhaltenden Tourismus-Boom auf der kanarischen Insel kaum zu schaden. Gemäss «Daily Mail» hätten in den ersten vier Monaten dieses Jahres bereits 5,7 Millionen ausländische Touristinnen und Touristen die Insel besucht. Im letzten Jahr zählten die Kanarischen Inseln rund 15,7 Millionen Besuchende, ein Allzeit-Rekord.

Neben dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum macht auch die Wasserknappheit auf der Insel den Einwohnerinnen und Einwohnern zu schaffen. Da die Insel selbst über keine grösseren natürlichen Flüsse oder Seen verfügt und die Wintermonate immer trockener werden, sind vereinzelte Engpässe in der Wasserversorgung besonders in kleineren, abgelegeneren Dörfern keine Seltenheit. Im Jahr 2024 musste die kanarische Regierung gar den Dürrenotstand ausrufen.

Bereits damals machte die Gruppe, welche nun Airbnb-Schlösser verklebte, mit Sabotageakten auf sich aufmerksam. So verleimten und verschlossen sie Duschen an den Stränden der Kanarischen Inseln, um gegen den Wasserverbrauch der Tourismusindustrie zu protestieren. Auf den Klebern, welche sie an den versiegelten Duschen anbrachten, war zu lesen: «No water for the local people no water for the tourists».

Tourismus als «zweischneidiges Schwert»

Der Tourismus auf der Insel sei ein «zweischneidiges Schwert», sagt die Inhaberin eines Bekleidungsgeschäftes gegenüber «Daily Mail». Während sie einerseits auf den Tourismus und damit den Grossteil ihrer Kundschaft angewiesen sei, stelle dieser sie auch vor grundlegende Probleme: «Die Rekrutierung neuer Mitarbeitender ist aufgrund des Wohnungsmangels ein Alptraum, niemand kann es sich mehr leisten, in der Nähe zu wohnen.»

Die Behörden auf Lanzarote geben derweil gegenüber «Daily Mail» an, in Zukunft die Touristenströme besser lenken zu wollen und vermehrt auf ein gehobeneres Tourismussegment setzen zu wollen. (jul)

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53 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Sergeant Pepper
08.06.2026 18:33registriert November 2018
Die Wohnungsnot auch bei uns in der Schweiz, vorallem in Touristenregionen rührt daher, dass Erstwohnungen per Airbnb, Booking, etc. vermietet werden. Die Behörden unternehmen dagegen nichts, da sie meist alle mitmachen oder Verwandte und Freunde haben, denen man keinen Falls wehtun möchte. Gemäss einem Freund aus Zermatt, dort Gang und gäbe.
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Fondue
08.06.2026 18:53registriert Januar 2015
Verständlich. Aber man müsste doch hier den lokalen Politikern Beine machen. Und die einzelnen Probleme angehen. Es gibt kein Platz für Airbnb, macht Gesetze für die Bewohner. Es gibt nicht genug Wasser, was kann man optimieren, was sind die grössten Verbraucher. Usw.

Touristen ärgern bringt halt so gar nix. Ok, die werden nicht mehr kommen aber es kommen halt andere. Die Touristen können kein einziges Problem der Insel lösen.
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Nony
08.06.2026 18:51registriert Februar 2019
Eigentlich wäre es ja keine Zauberei, die ganzen Ferienwohnungen wieder zu dem zu machen, was sie eigentlich wären .... Wohnungen. Damit löst sich nicht nur ein Teil des Touristenproblems, sondern auch ein Teil des Problems mit der Wohnungsnot. Das können aber nicht die Touristen, weshalb der Frust der Einheimischen die Falschen trifft. Stellt euch doch vor eure gewählten Volksvertreter und fordert diese Änderungen ein. Vielleicht auch noch wie früher in der DDR eine Tagespauschale von 50 bis 100 Euro einkassieren (ich weiss, in der DDR waren es 25 Mark) und schon sind die Touris alle weg.
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