Gesellschaft & Politik
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Opfer fragt täterin

«Wie hilft es einer 12-jährigen Schülerin, wenn Sie eine sexuelle Beziehung mit ihr haben?»

Sechs Jahre lang wurde die heute 28-jährige Jamie Carrillo von ihrer damaligen Sportlehrerin missbraucht. Nun hat sie ihre Peinigerin angerufen und das Gespräch auf YouTube veröffentlicht. 

Jamie im Gespräch mit ihrer ehemaligen Lehrerin YouTube/Jamie X.

Jamie Carrillo ging in die Chemawa Middle School in Riverside, Kalifornien. Laut ihr wurde sie dort im Alter von zwölf bis 18 Jahren von ihrer damaligen Sportlehrerin Andrea C. missbraucht. In einem CNN-Interview führt sie später aus, was sie sich von der Pädagogin anhören musste: Niemand würde sie lieben, auch nicht ihre Eltern. Sie überzeugte Carrillo davon, dass sie ihre einzige Freundin wäre. Und dass C. sich umbringen würde, wenn Carrillo sie jemals verliesse. Das Mädchen glaubte ihr.

Nun ist es zu spät, die Lehrerin anzuzeigen, denn die Taten sind laut kalifornischem Gesetz verjährt. Deshalb hatte Carrillo beschlossen, ihre Peinigerin öffentlich an den Pranger zu stellen, damit alle erfahren, wer sie in Wirklichkeit ist. Also rief sie in der Schule an, an der C. seit einigen Monaten einen Job als Assistenzdirektorin hatte. 

Die Vorwürfe Carrillos dementiert C. im Gespräch. Hilflos meint sie, sie hätte Jamie doch nur helfen wollen. Worauf Carrillos die Frage wagt, wie eine sexuelle Beziehung einer 12-Jährigen denn helfen würde. Die Ex-Lehrerin: «Es war nichts, was ich absichtlich tat. Ich weiss nicht einmal, was passiert ist.»

Nachdem Carrillo das Gespräch schliesslich beendet hatte («Sie sind abscheulich. Bye.»), schickte sie das Video der örtlichen Schulbehörde, welche die Polizei alarmierte. Doch C. ist ihrer Entlassung zuvorgekommen: Wenige Tage nach dem Anruf verliess sie die Alhambra High School.

Warum die heute 28-Jährige nicht früher aktiv wurde, weiss die «Welt»: Carrillo traute sich als Kind nicht, zur Schulleitung oder zur Polizei zu gehen. Auch später, als erwachsene Frau, habe sie den Mut dazu nicht aufgebracht.

Carrillos Beispiel folgen

Mittlerweile hat sich laut «NY Daily News» eine zweite junge Frau gemeldet, die anonym bleiben möchte, als Kind aber ebenfalls von einer Lehrperson missbraucht worden war. Sie sagte, ihre Geschichte sei der von Carrillo sehr ähnlich. Doch werde sie einen Anwalt konsultieren, bevor sie ebenfalls an die Öffentlichkeit trete. 

(lue)



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