Urteil gefallen: Marius Borg Høiby muss 4 Jahre ins Gefängnis
Showdown im wohl meistbeachteten Prozess der letzten Jahre in Norwegen: Ein Gericht in Oslo hat heute (8.30 Uhr) das Urteil gegen den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit verkündet. Marius Borg Høiby stand im Frühjahr wegen Vergewaltigung, Gewalt und Drogen vor Gericht.
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Wie lautet das Urteil?
Der älteste Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit, Marius Borg Høiby, ist nach Medienberichten von einem Gericht in Oslo für 34 Straftaten zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Von zwei von vier Vergewaltigungsvorwürfen nach norwegischem Recht wurde Høiby laut der Zeitung «Verdens Gang» freigesprochen. Einer dieser Freisprüche gilt dem schwersten Vorwurf: der Vergewaltigung mit Penetration mit dem Penis. In zwei anderen Fällen hielt ihn das Gericht dagegen für schuldig.
Vier Frauen muss der Norweger eine Entschädigung zahlen, darunter zwei Ex-Freundinnen. Gegen das Urteil kann noch Berufung eingelegt werden. Dafür haben beide Seiten zwei Wochen Zeit. Høiby werde darüber aber voraussichtlich nicht mehr heute entscheiden, teilte das Gericht laut der Nachrichtenagentur NTB mit.
Wer ist Marius Borg Høiby?
Høiby ist der älteste Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit und dem Norweger Morten Borg. Als er zwei Jahre alt war, traf seine Mutter den norwegischen Kronprinzen auf einem Festival. Høiby wuchs deshalb als Ziehsohn von Haakon und als grosser Halbbruder der beiden gemeinsamen Kinder des Kronprinzenpaars, Prinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus, auf. Er ist Teil der Königsfamilie, aber nicht des Königshauses und übernimmt auch keine offiziellen Aufgaben für die Royals. Høiby hat in der Vergangenheit offen über Drogensucht und psychische Probleme gesprochen. Einen Beruf übt er nicht aus.
Wofür ist er angeklagt?
Für eine ganze Reihe von Straftaten. Insgesamt 40 Anklagepunkte gibt es gegen Høiby, die Staatsanwaltschaft fordert die Verurteilung in 39 davon. Die schwersten Vorwürfe: vier Fälle von Vergewaltigung nach norwegischem Recht. Vier Frauen sind betroffen. Høiby soll sie missbraucht und gefilmt haben, während sie schliefen. In einem Fall soll es zur Penetration mit dem Penis gekommen sein. Während er diese Vorwürfe bestreitet, hat der Norweger andere Taten zugegeben. Dazu zählen Körperverletzungen, Drohungen, Verstösse gegen ein Kontaktverbot gegenüber einer Ex-Freundin, ein Drogendelikt und mehrere Verkehrsdelikte.
Wie sehr hat der Skandal die Königsfamilie erschüttert?
In einer ohnehin schwierigen Zeit für die norwegischen Royals hat der Prozess gegen den Ziehsohn von Kronprinz Haakon die Familie zusätzlich belastet. Von der Gerichtsverhandlung haben sich Mette-Marit und Co. ferngehalten, Høiby aber regelmässig im Gefängnis besucht. Die Kronprinzessin ist schwer krank und braucht dringend eine neue Lunge. Ausserdem steht sie in Norwegen für ihre Freundschaft mit dem US-amerikanischen Sexualverbrecher Jeffrey Epstein seit Monaten in der Kritik.
Wie lief der Prozess?
In dem sieben Wochen langen Mammutprozess zwischen Anfang Februar und Mitte März traten neben Høiby selbst zahlreiche Zeugen auf, darunter Ex-Freundinnen, Freunde, Nachbarn, Bekannte, Forscher und Kriminalbeamte. Fotos und Videos auf den Handys des Norwegers spielten bei der Beweisführung eine wichtige Rolle. Hunderte SMS zwischen dem Angeklagten und den mutmasslichen Opfern wurden verlesen und Internetsuchverläufe offengelegt. Dadurch wurden Details über Høibys Intimleben und Sexvorlieben bekannt. Mehrfach klagte der 29-Jährige unter Tränen die Medien an, ihn seit seiner Kindheit zu verfolgen, und nahm seine Eltern in Schutz.
Wieso sitzt Mette-Marits Sohn in U-Haft?
Kurz vor Prozessbeginn hatte Høiby erneut gegen ein Kontaktverbot gegenüber einer Ex-Freundin verstossen und wurde festgenommen. Die beiden hatten sich in den Monaten vor der Verhandlung Medienberichten zufolge intensiv gesehen, obwohl schon ein Besuchsverbot bestand. Mehrfach versuchte Mette-Marits Sohn während des Prozesses und danach, aus der U-Haft freizukommen – notfalls mit elektronischer Fussfessel. Mit Verweis auf den verschlechterten Gesundheitszustand seiner Mutter hatte er es auch kurz vor der Urteilsverkündung noch einmal versucht, jedoch ohne Erfolg.
Wie läuft die Urteilsverkündung ab?
Zunächst tragen die Richter eine kurze Zusammenfassung des Urteils vor. Nach Angaben des Gerichts wird das voraussichtlich etwa eine bis eineinhalb Stunden dauern. Anschliessend geht das schriftliche Urteil der Presse zu. Anders als ursprünglich geplant kommt Høiby selbst nicht zu dem Termin: Aus gesundheitlichen Gründen dürfe er den Urteilsspruch über einen Video-Link aus dem Gefängnis verfolgen, hatte das Gericht mitgeteilt.
Wie reagiert Høiby?
Marius Borg Høiby will laut norwegischen Medien Berufung gegen das am Montag gegen ihn ergangene Urteil einlegen. Nicht akzeptieren wolle sein Mandant die Verurteilung wegen zwei Vergewaltigungen nach norwegischem Recht sowie wegen des Missbrauchs in seiner Beziehung zu einer Ex-Freundin, sagte Verteidiger Petar Sekulic der Nachrichtenagentur NTB zufolge. Auch die Staatsanwaltschaft erwägt, in Berufung zu gehen.
Kurz nach seiner Verurteilung hat Høiby zudem erneut die Freilassung aus der Untersuchungshaft beantragt. Das berichteten norwegischen Medien übereinstimmend.
(sda/dpa)
