Graubünden
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Blick auf Piz Cengalo, Piz Badile und Sciora-Huette, am Mittwoch, 13. September 2017, bei Bondo. Am 23. August war ein Bergsturz am Piz Cengalo mit Murgaengen nach Bondo niedergegangen. Acht Wanderer gelten seither als vermisst. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Am Piz Cengalo im Kanton Graubünden mussten schon einige Menschen ihr Leben lassen. Bild: KEYSTONE

Klimawandel lässt Berge bröckeln – warum du einige Wander-Routen besser meiden solltest

Die immer wärmeren Sommer tauen Permafrost-Böden auf – das hat für Bergsteiger ernste Folgen. Ganze Berge sperren will trotzdem niemand.

Simon Maurer / ch media



Vier Tote in zwei Tagen – das ist die traurige Bilanz der Bergunfälle vom letzten Wochenende. In den Bündner Alpen starben an der Fiamma bei Vicosoprano eine 30-jährige Deutsche und am Monte Laura in Roveredo ein 62-jähriger Schweizer. Und im Wallis verunglückten zwei Bergsteiger beim Aufstieg auf den Gipfel des Dent Blanche bei Ayer.

In der ersten Hälfte dieses Jahres sind laut Statistik des Schweizerischen Alpen-Clubs (SAC) bereits 56 Menschen bei Unfällen in den Schweizer Alpen gestorben, angesichts des guten Wetters im Juli dürfte sich die Zahl allerdings nochmals deutlich erhöhen.

Nicole A. enjoys the view from a Terrace of the Cabane de Plan Neve on the plain of Chablais and the Geneva Lake, above Les Plans-sur-Bex, Switzerland, this Tuesday, June 26, 2018. The Cabane de Plan Neve, built in 1950, is situated at 2,262 metres above sea level in the Muverans massif. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Gutes Wetter lockte diesen Sommer Tausende in die Berge. Bild: KEYSTONE

Dementsprechend setzt sich ein problematischer Trend fort: In Jahren mit heissen Sommern sterben besonders viele Menschen in den Bergen. So etwa in den Jahren 2003 und 2015. Dies liegt zum einen daran, dass das gute Wetter die Leute in die Alpen lockt, zum anderen am Klimawandel, der Teile der Alpen zu einer Gefahrenzone werden lässt.

«Der Berg ist nicht mehr so stabil wie früher. Der Rückgang des Permafrosts lässt ganze Felsen brüchig werden», erklärt Hans-Rudolf Keusen, Geologe und Gefahrenexperte beim Schweizerischen Alpen-Club. «Weil sich die Nullgradgrenze immer weiter in die Höhe verschiebt, tauen die Permafrostböden auf und das Gelände wird instabil.» An heissen Tagen kann ein falscher Tritt deshalb lebensgefährlich werden.

«Die Eigernordwand war bis vor kurzem eine eher bequeme Route, mit Steigeisen kam man zügig durch die Eisfelder.»

Von der Permafrostschmelze betroffen sind nur jene Routen, die über 2500 Meter über Meer liegen. Zu diesen gehören aber viele der beliebtesten Touren, etwa die Eigernordwand. SAC-Experte Keusen: «Die Eigernordwand war bis vor kurzem eine eher bequeme Route, mit Steigeisen kam man zügig durch die Eisfelder.» Seit einigen Jahren sei die Eigernordwand aber nicht mehr weiss – sondern schwarz. «Man hat dadurch länger für den Aufstieg und die Gefahr eines Sturzes ist grösser.»

Die andauernde Sommerhitze in den Bergen erhöht auch die Steinschlaggefahr. Denn wenn das Eis in Felsklüften schmilzt, sammelt sich Wasser in den Hohlräumen des Gesteins. Druck baut sich auf. «Irgendwann kommt es dann zur Explosion und eine Lawine aus Stein, Eis und Wasser rollt ins Tal», erklärt Hans-Rudolf Keusen.

Es sei deshalb vernünftig, einige potenziell gefährliche Strecken an heissen Tagen zu meiden. So etwa die Normalrouten auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Oder den Aufstieg auf die Blüemlisalp. Auch die Besteigung des Bündner Biancograts empfiehlt Keusen nicht uneingeschränkt, denn das schützende Eis, das den Alpinisten bisher immer sehr guten Halt geboten habe, sei weggeschmolzen.

Dass die Warnungen des Experten ernst zu nehmen sind, zeigt ein Blick in die jüngere Geschichte: Erst vor zwei Jahren wälzten sich mehrere Millionen Kubikmeter Gestein ins Bondascatal hinunter. Teile des Dorfes Bondo wurden komplett zerstört, acht Menschen starben und zahlreiche weitere verloren ihr gesamtes Hab und Gut.

«Bei einer akuten Gefahrensituation kann die Sperrung von einzelnen Routen Sinn machen.»

SAC-Experte Hans-Rudolf Keusen

In den letzten Tagen sorgten Bergführer mit einer brisanten Forderung für Aufregung: Das Matterhorn soll wegen dem Auftauen des Permafrosts und der damit verbundenen Instabilität des Geländes gesperrt werden. Zu gross sei die Gefahr für Touristen. Die Gemeinde Zermatt, Eigentümerin des berühmtesten Bergs der Schweiz, lehnte das in einer ersten Reaktion ab und appellierte stattdessen an die Eigenverantwortung der Alpinisten.

Auch SAC-Experte Hans-Rudolf Keusen ist grundsätzlich gegen eine sommerliche Sperrung von Gipfeln. Er zeigt sich aber offen für zeitlich begrenzte Schliessungen: «Bei einer akuten Gefahrensituation kann die Sperrung von einzelnen Routen Sinn machen.»

Ins gleiche Horn bläst Ueli Mosimann, der Sicherheitsverantwortliche des SACs. Er betont, wie wichtig es sei, sich vor einer Tour gut über die Wetterverhältnisse zu informieren und im schlimmsten Fall auf ein Abenteuer zu verzichten. «Wir müssen lernen, am Berg auch Mal wieder umzukehren, wenn die Situation das verlangt.» Denn im Gebirge gefährde man oft nicht nur sich selbst, sondern auch andere – etwa, indem man einen Steinschlag auslöse.

Der Rat, den Bergsteiger- legende Art Furrer diesen Frühling der neuen Bergsteigergeneration mit auf den Weg gab, gilt mehr denn je: «Ortskenntnisse und die richtige Routenwahl werden immer wichtiger – überlebenswichtig.» (aargauerzeitung.ch)

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Jessica3012 07.08.2019 13:15
    Highlight Highlight Matterhorn, Biancograt und Eiger sind ja jetzt nicht grad die gängigen 'Wander' routen...
  • Bert der Geologe 07.08.2019 11:58
    Highlight Highlight Der Respekt vor den Bergen nahm kontinuierlich ab. Parallel dazu nahmen die Gefahren zu, oder veränderten sich. Man kann die Berge auch lieben, ohne sie bestiegen zu haben.
  • fireboltfrog 07.08.2019 11:36
    Highlight Highlight In einem Artikel übers Wandern, die Eigernordwand als bequeme Route bezeichnen ist auch guter Humor - ist es doch einer anspruchsvollste Route in den ganzen Alpen.
  • bbelser 07.08.2019 11:07
    Highlight Highlight Horror! Der SAC ist auch schon unterwandert von diesen fiesen Öko-Diktatoren und Klima-Sozialisten...
    • Fritz N 07.08.2019 11:29
      Highlight Highlight Oder Leute die näher an der Thematik sind, nehmen diese auch ernst...
    • Nachbarino 07.08.2019 12:09
      Highlight Highlight Sie haben "Ironie off" vergessen. Hoffe ich.
    • bbelser 07.08.2019 14:52
      Highlight Highlight Ich dachte, das "Ironie off" sei diesmal nicht nötig, da zu offensichtlich. So kann man sich täuschen...😉
  • sa5 07.08.2019 10:54
    Highlight Highlight Und mit dem Berg bröckelt der Tourismus.
    Unten im Tal verschüttet es die Strassen.
    Und auf einmal ist die sichere Schweiz gar nicht mehr so sicher.
    Irgendwann wird die Schweiz neubewertet, von dem was bleibt lassen wir uns überraschen.
  • Ass 07.08.2019 10:21
    Highlight Highlight Kann gar nicht sein. Der Klimawandel ist nur eine Erfindung um die amerikanische Wirtschaft zu schädigen. Oder wie andere sagen eine Modeerscheinung welche wieder vorbeigeht.
    • David Röthlin 07.08.2019 15:26
      Highlight Highlight Ironie oder? 😅
    • Ass 08.08.2019 10:37
      Highlight Highlight Aber es gibt tatsächlich Politiker die dies Glauben oder Erzählen! Aber das schlimme ist das diese Leute durchs Volk gewählt werden.
  • wasps 07.08.2019 08:59
    Highlight Highlight Man sollte schon zwischen Wandern und Bergsteigen unterscheiden. Am Matterhorn gibt es jeden Sommer etliche Tote und das schon seit Jahrzehnten. Bergsteigen ist risikoreich, das war es schon immer. Klimawandel hin oder her.
    • D_M_C 07.08.2019 11:46
      Highlight Highlight Ja, aber das Risiko steigt.
  • Nick Name 07.08.2019 08:51
    Highlight Highlight Abgesehen vom tatsächlich beunruhigend schnellen Auftauen allerorten:
    «An heissen Tagen kann ein falscher Tritt deshalb lebensgefährlich werden» ist ein falscher Satz: Ein falscher Tritt kann in den Bergen jederzeit lebensgefährlich werden.
    • sephiran 07.08.2019 10:21
      Highlight Highlight Ein falscher Tritt kann überall gefährlich werden
  • Scaros_2 07.08.2019 08:38
    Highlight Highlight Die Gemeinde Zermatt, Eigentümerin des berühmtesten Bergs der Schweiz, lehnte das in einer ersten Reaktion ab und appellierte stattdessen an die Eigenverantwortung der Alpinisten.

    Man appelliert also an Touristen und ihre Vernunft? An Touristen die mit Turnschuhen den Berg hinauf gehen würden weil sie es nicht einmal schaffen darüber zu informieren was wandern bedeutet?

    Well done!
    • Supermonkey 07.08.2019 12:32
      Highlight Highlight Habe Noch Nie jemanden mit Turnschuhen auf dem Matterhorn gesehen... Auf Wanderrouten jedoch in der Tat.

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