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Belinda Bencic will sich wegen den Nebenwirkungen noch nicht impfen lassen.
Belinda Bencic will sich wegen den Nebenwirkungen noch nicht impfen lassen.
bild: imago-images.de

Impfen beim US Open – Belinda Bencic drückt sich aus Angst vor der Spritze

Groteske Situation bei den US Open. Während die Zuschauer nur mit einem Impfnachweis auf die Anlage gelangen, sind höchstens die Hälfte der Spielerinnen und Spieler gegen das Coronavirus geimpft.
31.08.2021, 16:4601.09.2021, 08:28
Simon Häring / ch media

Anfang August war Belinda Bencic mit Gold im Einzel und Silber im Doppel das Gesicht der aus Schweizer Sicht erfolgreichsten Olympischen Sommerspiele des Jahrtausends: erfolgreich, jung, weiblich, sympathisch.

Schon damals brüstete sich der internationale Sport mit der Aussage, mehr als 80 Prozent der Athleten in Tokio seien zum Zeitpunkt der Wettkämpfe vollständig gegen das Coronavirus geimpft gewesen. Am Freitag rief Swiss Olympic, der Dachverband des Schweizer Sports, zur Impfung auf und unterstützt auch die Ausweitung der Zertifikatspflicht.

Noch nicht geimpft ist Olympiasiegerin Belinda Bencic. Aus Furcht vor möglichen Nebenwirkungen und einer mehrtägigen Pause schiebt die 24-Jährige die Entscheidung seit Monaten vor sich her. Bencic sagt: «Ich sage nicht, dass alle Nebenwirkungen haben, aber ich hatte Angst davor. Dieses Risiko wollte ich vor den Olympischen Spielen nicht eingehen.»

Aus dem gleichen Grund lehnte Bencic im April beim Turnier in Charleston die Impfung ab, wo sie sich auf Initiative der WTA, der Profi-Organisation der Frauen, mit dem Vakzin von Johnson & Johnson hätte immunisieren lassen können. Oder vor den French Open im Mai. Oder vor den US Open.

Bencic «nicht dafür und nicht dagegen»

Wie sich eine unerwünschte Trainingspause, wenn auch nur für wenige Tage, bei Berufssportlerinnen auswirken kann, hat Bencic Anfang Jahr am eigenen Leib erfahren müssen, als sie bei den Australian Open für 14 Tage in Hotelquarantäne versetzt worden war, weil sie in einem Charterflug nach Melbourne gelangt war, in dem das Virus eingeschleppt worden war.

Der Vorfall legte sich wie ein Schatten über ihre Saison. Erst im Sommer fand Bencic allmählich zu ihrer Bestform, erreichte in Berlin den Final und krönte sich danach in Tokio etwas überraschend zur Olympiasiegerin.

Die Frage, ob sie sich überhaupt impfen lassen will, beantwortet Bencic ausweichend. Auf Frage dieser Zeitung übt sie sich in Diplomatie. Sie sagt: «Ich bin nicht dafür und nicht dagegen.» Sie habe sich noch nicht impfen lassen, weil sie ihre sportlichen Ambitionen nicht gefährden wollte.

Seit den Australian Open im Januar habe sie fast in jeder Woche ein Turnier bestritten – was nicht ganz der Wahrheit entspricht. Sowohl im März als auch im April pausierte Bencic zwei Mal für knapp zwei Wochen. «Jetzt, mit der neuen Deltavariante, muss ich die Situation neu beurteilen.»

Djokovic und Tsitsipas gegen die Impfung

Olympiasiegerin Belinda Bencic steht damit auch stellvertretend für die fehlende Impfbereitschaft im Tenniszirkus. Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern haben sich bisher nur die Hälfte impfen lassen.

Zum Vergleich: In der Eishockeyliga NHL liegt der Anteil bei 85 Prozent, in der Basketballliga NBA bei 90 Prozent, im Pendant der Frauen, der WNBA, sogar bei 99 Prozent. Allerdings handelt es sich um Mannschaftssportler, die Angestellte sind und denen die Gewerkschaft die Impfung nicht nur empfiehlt, sondern wo bei positiven Tests sogar Lohnkürzungen drohen.

Djokovic ist ein entschiedener Impfgegner.
Djokovic ist ein entschiedener Impfgegner.
Bild: keystone

Im Tennis gibt es seit diesem Sommer mit der Professional Tennis Players Association PTPA zwar eine Gewerkschaft, doch deren Präsident Novak Djokovic gehört zu den grössten Bedenkenträgern. Im Frühjahr 2020 hatte er während der ersten Pandemiewelle die Adria-Tour abgehalten, bei der sich zahlreiche Zuschauer und Teilnehmer, darunter Djokovic, seine Frau und führende Politiker der Region um Zadar, angesteckt hatten.

Der Serbe war damals mit dem Privatjet von Belgrad nach Monte Carlo geflüchtet und positionierte sich als Impfgegner, als er sagte: «Ich bin dagegen. Ich möchte nicht, dass mich jemand zwingt, einen Impfstoff einzunehmen. Ich entscheide, was für meinen Körper am besten ist.»

Mehr Ticketverkäufe dank Zertifikatspflicht

Ähnlich äusserte sich Stefanos Tsitsipas. Der Grieche sagte: «Die Impfung wurde nicht genügend getestet und sie hat Nebenwirkungen. Ich glaube, für uns Jungen ist es besser, die Erkrankung durchzumachen.»

Er werde sich nur dann impfen lassen, wenn das von ihm gefordert werde, um an Turnieren teilnehmen zu können. In seiner Heimat Griechenland sorgte die Aussage für Kopfschütteln. Regierungssprecher Giannis Oikonomou sagte, Tsitsipas habe «weder das Wissen noch die Bildung», die es ihm erlauben würden, sich eine entsprechende Meinung zu bilden.

Vergangene Woche verordnete der Bürgermeister von New York, Bill de Blasio, dass bei den US Open nur Zuschauer mit Impfnachweis zugelassen seien, mit Ausnahme von Kindern unter 12 Jahren. Daraus ergibt sich die groteske Situation, dass die Geimpften auf den Rängen mit Spielerinnen und Spielern mitfiebern, von denen höchstens die Hälfte geimpft ist.

Bei den Zuschauern kommt die Zertifikatspflicht offenbar gut an: der bisher schleppende Ticketverkauf hat seither massiven Auftrieb erhalten. Viele Spielerinnen und Spieler scheint das nicht zu kümmern. Djokovic erneuerte in New York seine kritische Haltung, als er sagte, es handle sich um eine «persönliche Entscheidung. Ich hoffe, es bleibt dabei.»

Geimpft sind hingegen die in New York abwesenden Roger Federer, Rafael Nadal und der in der ersten Runde an Tsitsipas gescheiterte Andy Murray, der erneut klar Position bezog, als er sagte: «Ich kann seither wieder ein relativ normales Leben geniessen, die nicht geimpften Spieler können das nicht. Ich bin sicher, dass sie das auf Dauer frustrieren wird.»

Der Schotte erinnerte an «die Verantwortung als Spieler», der rund um die Welt reise und damit einen Beitrag zur Bewältigung der Pandemie leiste. Doch viele – wie Belinda Bencic – spielen weiter auf Zeit. Vielleicht sogar in der Hoffnung, dadurch gar nie eine Entscheidung treffen zu müssen.

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Die Emotionen von Belinda Bencic im Olympia-Final

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quelle: keystone / laurent gillieron
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