Afrikas Pinguine verhungern: Elterntiere füttern Babys aus Verzweiflung mit Steinen
Den Pinguinen an der Küste Südafrikas geht es nicht gut, sie stehen seit 2024 sogar auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten.
In den vergangenen 30 Jahren ist die Population um rund 80 Prozent eingebrochen. In der freien Wildbahn sind heute nur noch rund 10'000 Brutpaare anzutreffen. Schuld an dieser dramatischen Entwicklung sind vor allem Umweltverschmutzung, Zerstörung des Lebensraums – und Nahrungsmangel.
Wie verzweifelt die Tiere inzwischen bei der Futtersuche sind, wissen die Experten der Seevogelschutzstation Southern African Foundation for the Conservation of Coastal Birds (SANCCOB).
Pinguine in Südafrika finden keine Nahrung mehr
«Wir beobachten jeden Tag, wie diese Vögel mit schweren Verletzungen und Unterernährung (zu SANCCOB) gebracht werden; sie haben in der Wildnis sehr zu kämpfen», sagt deren Rehabilitationsmanagerin Jade Sookhoo gegenüber CNN.
Die Pinguine in Südafrika ernähren sich hauptsächlich von Sardinen und Anchovis. Doch die Bestände dieser Fische sind in den vergangenen Jahren aufgrund der Klimakrise und des kommerziellen Fischfangs stark zurückgegangen – mit der fatalen Folge, dass sie den Pinguinen als Nahrung fehlen.
Sie müssen immer weitere Strecken zurücklegen, um an der Küste noch Sardinen zu finden. Das schwächt nicht nur die erwachsenen Tiere, sondern auch deren Küken, die oft hungrig zurückbleiben.
Wie verzweifelt die Elterntiere sind, bekommen die Mitarbeitenden der Schutzstation hautnah mit: In den Mägen von Kormoran- und Pinguin-Küken finden sie kleine Steine. «Die Eltern waren so verzweifelt, ihre Babys zu füttern, dass sie ihnen Steine gaben», sagt Robyn Fraser-Knowles von SANCCOB.
Nahrungsmangel führt zu weiteren Problemen
Auch verlassene Küken würden oft Steine und Sand fressen. Laut Fraser-Knowles kommt es inzwischen häufiger vor, dass die Jungtiere auf sich alleine gestellt sind. Grund dafür seien die extremen Wetterbedingungen, Raubtiere und längere Wege bei der Nahrungssuche. Wenn deshalb ein Elternteil stirbt und nicht zurückkehrt, verlässt das andere das Nest, um Futter zu suchen – die Küken sind dann alleine.
Der Nahrungsmangel beeinträchtigt auch die jährliche Mauser, bei der Pinguine ihre Federn erneuern. Ohne ausreichende Fettreserven können die Tiere diese Phase nicht überstehen.
Die Pinguine sind also insgesamt in einem geschwächten Zustand. Das wiederum macht sie zu einer leichteren Beute für Raubtiere wie Haie und Robben, da sie sich schlechter verteidigen können. Ölverschmutzung, Plastikmüll und Lärm durch Schiffe belasten die Tiere zusätzlich. Hinzu kommen Krankheiten wie die Vogelgrippe und Malaria.
2023 wurde ein Abkommen geschlossen, das sechs wichtige Brutkolonien in Südafrika für zehn Jahre zu Schutzzonen erklärt, in denen die Fischerei verboten ist. Doch laut SANCCOB bräuchte es mehr als lokale Massnahmen. Fraser-Knowles nimmt Verbraucher:innen in die Pflicht, zum Beispiel durch nachhaltigen Fischkonsum könnte man einen Beitrag dazu leisten, dass sich die Bestände stabilisieren.
