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Die Astronauten Bob Behnken (l.) und Doug Hurley bei einem Test im Simulator.
Die Astronauten Bob Behnken (l.) und Doug Hurley bei einem Test im Simulator.
Bild: EPA

Mit «Air Elon» ins All: Die USA lassen wieder bemannte Raketen starten

Fast zehn Jahre waren die USA bei bemannten Raumflügen von Russland abhängig. Nun wird erstmals wieder eine Rakete mit zwei Astronauten in Florida abheben – dank der Firma SpaceX von Tausendsassa Elon Musk.
26.05.2020, 06:2626.05.2020, 18:07

Im Sommer 2011 endete mit dem letzten Flug der Raumfähre Atlantis eine Ära. Danach nahm die US-Raumfahrtbehörde Nasa ihre Space-Shuttle-Flotte aus Kostengründen ausser Betrieb. Weil kein Nachfolgeprogramm für bemannte Reisen ins All zur Verfügung stand, waren die Amerikaner seither für Flüge zur Internationalen Raumstation ISS auf Russland angewiesen.

Das war mit über 80 Millionen Dollar pro Flug mit den in den 1960er Jahren entwickelten Sojus-Raketen nicht nur teuer, sondern kratzte auch mächtig am Ego. Damit soll nun Schluss sein: Nach knapp neunjähriger Pause sollen am Mittwoch erstmals wieder zwei Astronauten vom Kennedy Space Center in Florida zur ISS starten. Es wird in mehrfacher Hinsicht eine Premiere sein.

Diese Illustration zeigt die Abtrennung der Crew Dragon von der Falcon-9-Rakete.
Diese Illustration zeigt die Abtrennung der Crew Dragon von der Falcon-9-Rakete.
Bild: AP

Los geht es nach derzeitigem Plan um 22.33 Uhr (MESZ). Aber sonst ist vieles anders als bei früheren Missionen. Die Astronauten starten nicht an Bord eines von der Nasa entwickelten Raumfahrzeugs, sondern mit einer Falcon-9-Rakete und der Kapsel Crew Dragon – und das mitten in der Coronapandemie, in der Unternehmen nur eingeschränkt arbeiten können.

Die Vorgeschichte

Das Space Shuttle war bei der Nasa während 30 Jahren im Einsatz. Seine Geschichte war neben Erfolgen von zwei Tragödien geprägt. Die Raumfähre Challenger explodierte 1986 beim Start und die Columbia 2003 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Dabei kamen jeweils alle Besatzungsmitglieder ums Leben. Auch konnte das Shuttle die hohen Erwartungen nie erfüllen.

Es war wiederverwendbar, doch Wartung und Betrieb waren viel teurer als bei der Lancierung des Projekts in den 1970er Jahren erhofft. Die US-Regierung und die Nasa setzten deshalb für bemannte Raumflüge auf private Projekte. Der Auftrag zum Bau eines Transporters ging an zwei Firmen: den weltraumerprobten Boeing-Konzern und SpaceX von Tesla-Gründer Elon Musk.

Der Wettlauf

Video: srf/Roberto Krone

Boeing galt als Favorit, während Musk nach seinen ersten gescheiterten Raketentests belächelt oder ausgelacht wurde. Doch der gebürtige Südafrikaner hat es erneut allen gezeigt, während Boeing sich blamierte. Der vom Luftfahrtriesen in Seattle entwickelte Starliner schaffte es beim ersten Versuch im Dezember nicht zur ISS. Der unbemannte Test soll nun wiederholt werden.

Die teilweise rezyklierbare Falcon 9 von SpaceX hingegen hat schon zahlreiche Satellitenstarts und Versorgungsflüge zur ISS absolviert. Die Crew-Dragon-Kapsel wurde im März 2019 mit einer unbemannten Mission erfolgreich getestet. Nun soll sie mit den Nasa-Astronauten Robert Behnken (49) und Douglas Hurley (53) abheben, zwei Veteranen des Space-Shuttle-Programms.

«Es ist wahrscheinlich der Traum jedes Pilotenschülers, mit einem brandneuen Raumschiff zu fliegen», sagte Behnken Anfang Mai bei einer Pressekonferenz. «Und ich habe das grosse Glück, so eine Chance zu haben.» Hurley betonte den Vorteil der Kapsel gegenüber dem Shuttle. Man habe «jederzeit die Möglichkeit, den Start abzubrechen – von der Abschussrampe bis ins All».

Die Mission

Die Crew Dragon bereitet sich beim unbemannten Test im März 2019 auf das Andocken an der ISS vor.
Die Crew Dragon bereitet sich beim unbemannten Test im März 2019 auf das Andocken an der ISS vor.
Bild: AP

Wenn alles nach Plan läuft, soll die Crew Dragon etwa 19 Stunden nach dem Start an der ISS andocken. Rund einen Monat sollen die beiden Astronauten an Bord bleiben – deutlich länger als geplant, denn die Station ist derzeit mit nur drei Raumfahrern – den beiden Russen Anatoli Iwanischin und Iwan Wagner sowie Nasa-Astronaut Christopher Cassidy – zu knapp besetzt.

Das Ganze sei ein Test, betont die Nasa. «Das sollten wir nicht aus den Augen verlieren», sagt Nasa-Chef Jim Bridenstine an der Medienkonferenz. «Wir machen das, um zu lernen. Und wir nehmen es sehr, sehr ernst in Hinblick auf Sicherheit.» Russland wird den Start ebenfalls mit Spannung verfolgen. Die Behörde Roskosmos will als Reaktion ebenfalls günstigere Raumflüge durchführen.

Musks Konkurrenz hatte gestern weniger Erfolg:

Die Coronakrise

Solche Bilder wie beim letzten Space-Shuttle-Start 2011 wird es dieses Mal nicht geben.
Solche Bilder wie beim letzten Space-Shuttle-Start 2011 wird es dieses Mal nicht geben.
Bild: AP

Die «historische» Mission wird überschattet von der Coronakrise, die in den USA bereits 100'000 Menschen das Leben gekostet hat. Das bedeutet vor allem, dass die bei Raketenstarts in Cape Canaveral übliche volksfestartige Stimmung dieses Mal ausbleiben wird. Die Nasa lässt keine Zuschauer auf das Gelände. Weltraumfans müssen den Start am Bildschirm verfolgen.

Die Zukunft

Elon Musk (r.) mit Nasa-Chef Jim Bridenstine an einer Medienkonferenz im letzten Oktober.
Elon Musk (r.) mit Nasa-Chef Jim Bridenstine an einer Medienkonferenz im letzten Oktober.
Bild: AP

Erstmals seit Jahrzehnten soll ein bemannter Raumflug mit einer Landung auf dem Wasser enden, genauer im Atlantik vor der Küste Floridas. Danach wird die Kapsel gründlich untersucht. Ist alles in Ordnung, wird noch in diesem Jahr der erste «reguläre» Flug zur ISS stattfinden, vermutlich im September. An Bord sollen sich drei Amerikaner und ein Japaner befinden.

Die Crew Dragon kann bis zu sieben Personen transportieren. Mit den privaten Flügen sollen auch Touristen und andere Interessenten zur ISS gebracht werden. «Die Nasa öffnet die Internationale Raumstation für kommerzielle Möglichkeiten und vermarktet diese, wie wir es noch nie zuvor gemacht haben», hatte Finanzchef Jeff DeWit letztes Jahr erklärt.

Im Gespräch ist unter anderem ein Filmprojekt mit Tom Cruise. Der japanische Milliardär Yusaku Maezawa will 2023 mit einer Gruppe Künstler um den Mond fliegen. Die Nasa will bereits 2024 wieder bemannte Mondlandungen durchführen, ein Zeitplan, der gelinde gesagt sportlich wirkt. Das eigentliche Ziel von SpaceX-Chef Elon Musk aber ist der Mars.

Der Exzentriker stellte 2017 sein Projekt BFR vor, was je nach Standpunkt für Big Falcon Rocket oder Big Fucking Rocket steht. Die inzwischen in Falcon Super Heavy umbenannte Riesenrakete übertrifft an Leistung und Grösse sogar die Saturn V, mit der die Nasa zum Mond geflogen ist. Mit ihr will Musk den Mars besiedeln – dieses Ziel aber steht definitiv in den Sternen.

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