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HIV-positive Menschen kämpfen immer noch mit Diskriminierungen



Mobbing am Arbeitsplatz, verweigerte Behandlungen, Zwangs-Outing: Aller Aufklärung zum Trotz kämpfen HIV-positive Menschen noch immer gegen Vorurteile und Diskriminierung. In der Schweiz wurden im laufenden Jahr so viele Fälle gemeldet, wie nie zuvor.

Die Aids-Hilfe-Schweiz verzeichnete im laufenden Jahr bisher 118 Diskriminierungen, wie die Organisation in einem Dossier zum Welt-Aids-Tag vom 1. Dezember festhält. So viele gab es noch nie, seit die Stelle 2006 begann, die Fälle zu erfassen.

Viele Formen

Am häufigsten werden Diskriminierungen im Versicherungsbereich gemeldet. Dieses Jahr betrafen 40 Fälle die Sozialversicherungen und 24 die Privatversicherungen. In zehn Fällen wurden HIV-positive Menschen in der Arbeitswelt benachteiligt, in 14 Fällen ging es um Datenschutzverletzungen. Weiter erfasste die Aids-Hilfe Diskriminierungen im Gesundheitswesen (9), bei Einreise- und Aufenthaltsrechten (8) sowie im Ausländerrecht (6).

Die Diskriminierung nimmt ganz unterschiedliche Formen an. So seien mehrere HIV-positive Menschen in finanzielle Notlagen geraten, nachdem ihnen «hinterlistige Versicherungsbroker» geraten hatten, die Krankenkasse zu wechseln. Dabei sei ihnen die höchste Franchise aufgeschwatzt worden.

In einigen Fällen hätten sich Krankenkassen geweigert, die Kosten der lebensnotwendigen antiretroviralen Therapie zu übernehmen, weil die Patienten Krankenkassenschulden hatten. Dies obschon sich die Patienten im weit fortgeschrittenen Stadium einer Aids-Erkrankung befanden und die Ärzte einen Notfall geltend machten. Anderen HIV-positiven Menschen wurden eine Massage oder eine Akupunktur-Behandlung verweigert.

Outing aus Rache oder Unwissenheit

Immer wieder werden HIV-positive Menschen auch gegen ihren Willen geoutet. So hatte beispielsweise die Polizei bei der Anmeldung einer HIV-positiven Person für eine Notunterkunft auf deren HIV-Befund hingewiesen. Aus Unwissenheit wurden daraufhin alle Mitarbeitenden informiert. «Ein Grossteil reagierte mit Panik und hatte Angst vor einer Ansteckung», schreibt die Aids-Hilfe. Die Person musste danach in eine andere Unterkunft gebracht werden.

Eine Form der Diskriminierung ist auch das «Outing aus Rache». Nachdem sich eine Person von ihrem Partner getrennt hatte, erzählte dieser etwa dem gesamten gemeinsamen Freundeskreis sowie dem Arbeitgeber, dass sie HIV-positiv sei. In der Folge habe die Person auch noch ihre Stelle verloren.

Auch in der Arbeitswelt sind HIV-positive Menschen mit Vorurteilen konfrontiert. So wurde eine Person massiv gemobbt. Sie sei daraufhin in eine Depression gefallen und habe ihre Stelle aufgeben und sich bei der Invalidenversicherung anmelden müssen. Einem Koch wurde mehrmals die Anstellung verweigert mit der Begründung, man habe Angst, dass er die Gäste mit HIV anstecken könnte.

In vielen Fällen konnte die Rechtsberatung der Aids-Hilfe Schweiz erfolgreich intervenieren, wie sie schreibt. Die Rechtsmittel seien aber nur beschränkt vorhanden, da die Schweiz kein Anti-Diskriminierungsgesetz kennt. Einige Fälle wurden aber auch anonym gemeldet oder die betroffenen Personen wünschten explizit keine Intervention.

Weltweit leben rund 36.7 Millionen Personen mit dem HI-Virus. In der Schweiz sind es etwa 20'000. Im Jahr 2016 wurden 542 neue HIV-Diagnosen gestellt, 1 Prozent mehr als im Vorjahr. Davor war die Zahl der Fälle seit 2008 fast ausnahmslos zurückgegangen. Gleichzeitig steigen in der Schweiz die Neuansteckungen bei anderen sexuell übertragbaren Krankheiten wie Syphilis und Gonorrhö an. (sda)

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