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Demonstranten stürmen nach Grossbrand Bezirksrathaus in London



Nach der Brandkatastrophe in London haben dutzende wütende Demonstranten am Freitag ein Bezirksrathaus in der britischen Hauptstadt gestürmt. Im Eingangsbereich des Gebäudes gab es Zusammenstösse mit Sicherheitskräften.

«Wir wollen Gerechtigkeit», «schämt Euch!», «Mörder!», riefen die Demonstranten, als sie das Rathaus der Stadtteile Kensington und Chelsea stürmten, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Das Feuer in einem Londoner Hochhaus war in der Nacht zum Mittwoch ausgebrochen. Die Zahl der Toten durch den Brand im Grenfell Tower im Westen der Stadt ist mittlerweile auf mindestens 30 gestiegen. Mehr als 70 Menschen werden Medienberichten zufolge noch vermisst.

Die Möglichkeit, dass die Zahl der Toten in den dreistelligen Bereich wachsen könnte, schloss die Behörde nicht aus. In dem Sozialblock «Grenfell Tower» lebten bis zu 600 Personen in mehr als 120 Wohnungen.

Etliche Personen wurden am Freitag noch in Spitälern der britischen Hauptstadt behandelt. Die Lage einiger Patienten sei derzeit kritisch, teilte die Gesundheitsbehörde mit. Freunde und Verwandte suchen mit Postern und in den sozialen Medien zunehmend verzweifelt nach Vermissten.

Suche mit Drohnen

Die Feuerwehr blieb auch am Freitag im Einsatz. Das Feuer im «Grenfell Tower» ist Augenzeugenberichten zufolge noch nicht vollständig gelöscht. Rettungsteams suchten mit Drohnen und Spürhunden nach weiteren Opfern.

Alle Bewohner des 24-stöckigen Hochhauses sollen bis zum Wochenende eine neue Wohnung erhalten, sagte Megan Hession von der Bezirksverwaltung in Kensington und Chelsea. Zahlreiche Menschen hatten auch die vergangene Nacht noch in Turnhallen und Hotels verbracht.

Aktivisten riefen auch zu einer Solidaritätskundgebung im Regierungsbezirk Westminster. Diese soll vor dem Ministerium für Kommunen stattfinden, das auch für Wohnungsbau verantwortlich ist. Nach dem Unglück geben viele Bürger der britischen Regierung eine Mitschuld an der Brandkatastrophe.

Untersuchung angekündigt

Auf der Suche nach der Feuerursache können bisher weder Brandstiftung noch ein technischer Defekt ausgeschlossen werden. Premierministerin Theresa May kündigte eine unabhängige Untersuchung des Unglücks an, auch um aufzuklären, ob der Brandschutz mangelhaft war.

Viel Ärger fokussierte sich auf die erst kürzlich angebrachte Fassadenverkleidung. Die Grenfell-Mieterinitiative teilte mit, man habe wegen der schlechten Sicherheitsstandards in dem Hochhaus und anderswo im Bezirk in den vergangenen Jahren häufig gewarnt.

Elizabeth II. und William in Notunterkunft

Königin Elizabeth II. und ihr Enkel Prinz William trafen am Freitag Opfer und Helfer der Brandkatastrophe am Grenfell Tower in London. Sie besuchten eine Notunterkunft in einem Fitness-Center im Stadtteil Kensington in der Nähe des Brandorts.

Schon am Donnerstag hatte die Monarchin den Mut der Feuerwehrleute und die «unglaubliche Grosszügigkeit» der freiwilligen Helfer gewürdigt. (sda/afp/dpa/reu)

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