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«Alles wahr» von Daniel Di Falco in der Tuchlaube Aarau



Mit «Alles wahr» hat Daniel Di Falco «ein Stück Verschwörungstheorie» geschrieben. Das Theater Marie brachte es am Freitag in der Tuchlaube in Aarau zur Uraufführung.

Der Stücktitel ist Lug und Trug. Das ist bereits klar, bevor das fünfköpfige Ensemble (Judith Cuénod, Barbara Heynen, Diego Valsecchi, Michael Wolf, Daniel Steiner) unter bedrohlich wummerndem Sound (Daniel Steiner) das erste Wort spricht.

Denn die Beteuerung, alles sei wahr, fördert selbstredend das Misstrauen - zumindest bei all jenen, die noch nicht in Tiefschlaf gesunken und dabei ersetzt worden sind durch Duplikate ohne Gefühle und eigenständiges Denken. Solches passiert in Don Siegels Science-Fiction-Film «Invasion oft the Body Snatchers» (1956).

Die Handlung dieses Films verlegen der Berner Autor Daniel Di Falco und Regisseur Olivier Keller in eine Bunkerlandschaft (Szenografie: Dominik Steinmann), bevölkert von roboterähnlichen Menschen in einheitlich grauen Traineranzügen (Kostüme: Senta Amacker).

Ermüdende Textcollage

Di Falco verknüpft den Filminhalt mit zwei anderen Erzählebenen, die in die Schweiz führen: mit dem Zivilverteidigungsbuch von 1969, in dem der Bundesrat verschwörerisch vor dem Kommunismus warnt. Und mit der SRF-Diskussionssendung «Arena» vom 24. Februar 2017, in der hitzig über die Rolle und Glaubwürdigkeit der Medien diskutiert wurde. Auf der Bühne stiftet diese Ebene allerdings vor allem Verwirrung.

Mit didaktischem Eifer hat der Autor zudem zahlreiche Nebenschauplätze mit hohem Verschwörungspotential recherchiert und in das temporeich inszenierte Stück integriert. Entstanden ist eine feuerwerkartige und sprunghafte Textcollage, die mit ihrer Wucht und Komplexität bisweilen kaum nachvollziehbar ist und trotz ausgezeichnetem Spiel des Ensembles zunehmend ermüdet.

Gleichwohl: Di Falco greift ein brisantes Thema auf und zeigt etwa mit Beispielen aus der Twitterei von US-Präsident Donald Trump, dass so genannte Wahrheiten, die von höchster Stelle in die Welt gesetzt werden, grundsätzlich mit kritischer Distanz zu lesen sind. Es lohnt sich, dies die Quintessenz des Stücks, gegen den Schlaf zu kämpfen, um die Fähigkeit zum eigenständigen Denken nicht zu verlieren.

Verfasser: Karl Wüst, ch-intercultur (sda)

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