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Vorsorge: Schweizer Bevölkerung hat kaum Ohren für Altersvorsorge



Trotz steigender Lebenserwartung, tiefer Zinsen und Turbulenzen an den Finanzmärkten ist die Schweizer Bevölkerung kaum am Thema Vorsorge interessiert. Zwar sehen viele Handlungsbedarf. Doch 40 Prozent haben noch nie von der Reform Altersvorsorge 2020 gehört.

Nur 60 Prozent gaben in einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage an, von dieser Reform gehört zu haben. Sie wurde im vergangenen November ans Parlament überwiesen und dürfte in der kommenden Herbstsession nochmals ein gewichtiges Thema sein. Trotz fehlender Kenntnisse dieser Debatten ortet die Mehrheit der Bevölkerung (63 Prozent) grundsätzlich Reformbedarf bei der Altersvorsorge.

In der Umfrage von Axa Investment Managers stellt sich eine deutliche Mehrheit der Befragten hinter das Drei-Säulen-System. 70 Prozent anerkennen zudem, dass die Altersvorsorgereform auch die Renten künftiger Generationen sichern soll.

Doch nur ein Drittel findet, dass die heutige Umverteilung in der zweiten Säule zulasten der Arbeitstätigen gestoppt werden sollte. Gemäss Werner E. Rutsch, Mitglied der Geschäftsleitung bei Axa Investment Managers, fehlt hier das Empfinden von Dringlichkeit für eine Lösung. Zudem glauben etwa 40 Prozent, dass eine Senkung des Umwandlungssatzes in der zweiten Säule der Gewinnsteigerung der Versicherungen dient und nicht den Pensionierten.

Beim Rentenalter allerdings sind sich 72 Prozent darin einig, dass dieses bei Männern und Frauen gleich hoch sein sollte. Der Bundesrat will das Rentenalter für Frauen und Männer bei 65 ansetzen.

In der Umfrage wurde zudem generell das Interesse und das Wissen über die Vorsorge abgefragt. 27 Prozent der Bevölkerung interessieren sich demnach grundsätzlich nicht für das Thema. Unter den 18 bis 24-Jährigen sind es sogar 46 Prozent. Das Interesse nimmt mit steigendem Alter immerhin zu, nach der Pensionierung aber wieder ab.

«Berset-Effekt»

Dennoch sehen sich die meisten Befragten als gut informiert an. Bei den Testfragen aber wurden vier von fünf Fragen schlechter beantwortet als noch im Vorjahr. Rutsch spricht vom «Berset-Effekt», denn Bundesrat Alain Berset und die Altersvorsorge 2020 waren im vergangenen Jahr oft in den Medien und könnten für das bessere Wissensniveau verantwortlich sein.

Am besten Bescheid wussten die Befragten über Pensionskassengeld beim Stellenwechsel und über Kauf von Wohneigentum. 9 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen konnten ihr gesetzliches Rentenalter nicht korrekt angeben. «Das dürfte mit gewissen Konfusionen zu tun haben, da das Rentenalter bei den Frauen in den letzten vierzehn Jahren zwei Mal erhöht wurde», sagte Rutsch vor Journalisten.

Ziel der seit 2011 durchgeführten Umfrage ist es, den Wissensstand der Bevölkerung zur zweiten Säule und zu ihrer persönlichen Pensionskasse abzufragen. Zusätzlich wurde dieses Jahr nach Massnahmen aus der Reform Altersvorsorge 2020 gefragt. (sda)

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