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Schwere Vorwürfe nach Brandkatastrophe in Jugendheim in Guatemala



Nach dem tödlichen Feuer in einem Heim für Kinder und Jugendliche in Guatemala sind im mittelamerikanischen Land schwere Vorwürfe gegen die Betreiber erhoben worden. 37 Mädchen und junge Frauen waren beim Unglück ums Leben gekommen.

Die katastrophalen Zustände in der Einrichtung seien seit längerem bekannt gewesen, sagte am Freitag der Chef der Behörde zur Verhütung von Folter, Carlos Solórzano, der Zeitung «Prensa Libre». Er habe im vergangenen Jahr Vorschläge zur Verbesserung der Situation gemacht, die aber nicht umgesetzt worden seien.

«Das Heim ähnelte einem Gefängnis», sagte eine Spenderin, die die Einrichtung besucht hatte. Es habe an Kleidung und Dingen des täglichen Bedarfs gemangelt. Teilweise hätten die Betreuer die Jugendlichen schlecht behandelt. Eine Mutter einer ehemaligen Heimbewohnerin sagte «Prensa Libre», ihre Tochter sei in einer Einrichtung vergewaltigt worden.

In Zimmern eingeschlossen

Am Mittwoch hatten randalierende Jugendliche in dem Heim in der Ortschaft San José Pinula nahe Guatemala-Stadt Matratzen in Brand gesteckt. Das Feuer griff schnell auf den Rest des Anwesens über.

Zuvor waren Dutzende Jugendliche aus der Einrichtung getürmt. Sie wurden zum Teil wieder aufgegriffen und Medienberichten zufolge in ihren Zimmern eingeschlossen. Als sich das Feuer ausbreitete, konnten sie nicht fliehen und erstickten oder verbrannten.

In dem Haus lebten Kinder und Jugendliche, die wegen häuslicher Gewalt aus ihren Familien genommen wurden. Allerdings wurden zuletzt auch kriminelle Jugendliche in der Einrichtung untergebracht. Das führte zu erheblichen Spannungen. Die gemeinsame Unterbringung sei ein Fehler, sagte Sozialminister Carlos Rodas.

Heim geschlossen, Leiter suspendiert

Nach der Tragödie schloss die Regierung das staatliche Heim. Der Leiter wurde vom Dienst suspendiert. 70 Kinder und Jugendliche wurden wieder mit ihren Familien zusammengeführt.

«Der Tod der Jugendlichen darf nicht nur eine weitere Statistik sein», sagte Präsident Jimmy Morales am Donnerstagabend (Ortszeit). «Er muss uns zum Nachdenken bringen. Wir sollten uns für ein gemeinsames Ziel zusammentun: Die Rettung der Kinder und Jugendlichen.»

Vor dem Präsidentenpalast im historischen Zentrum von Guatemala-Stadt legten Demonstranten aus Protest Kohle und Spielzeugpuppen nieder. Sie schwenkten die Nationalflagge mit einem schwarzen Trauerflor und forderten mit einer Sitzblockade Gerechtigkeit für die Opfer. «Gescheiterter Staat - du bist ein Mörder», skandierten sie. «Wir wollen keine Trauer, sondern Gerechtigkeit.» (sda/afp/dpa)

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