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80 Tote bei Bombenanschlag bei deutscher Botschaft in Kabul



Bei einem Bombenanschlag im Diplomatenviertel in Kabul sind mindestens 80 Menschen getötet und 350 verletzt worden. Die deutsche Botschaft wurde stark beschädigt. Auch an den Vertretungen von Frankreich, China, Indien und der Türkei gab es Schäden.

Zunächst bekannte sich keine Gruppe zu dem Anschlag in der afghanischen Hauptstadt. Die radikalislamischen Taliban liessen aber verlauten, sie seien es nicht gewesen. Ähnliche Anschläge hatte zuletzt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für sich reklamiert.

Der Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Nadschib Danisch, sagte, der oder die Attentäter könnten einen schwarzen Tanklastwagen für Wasser mit Sprengstoff befüllt haben. «Aber weil die Explosion so schwer war, können wir das noch nicht mit Sicherheit sagen. Vom Tanker ist kaum noch etwas übrig.» Die Wucht der morgendlichen Explosion habe mindestens 50 Fahrzeuge zerstört.

Die ungewöhnlich starke Explosion liess noch in mehreren hundert Metern Entfernung Fenster bersten und riss Türen aus den Angeln. Auf Videoaufnahmen waren eingestürzte Mauern, brennende Trümmer und zerstörte Autos zu sehen. Zu den Spitälern wurden Leichen gebracht, die bis zur Unkenntlichkeit verbrannt waren.

Deutsche Botschaft schwer beschädigt

Das Hauptgebäude der deutschen Botschaft im schwer gesicherten Diplomaten- und Regierungsviertel wurde massiv beschädigt. Auch über Schäden an den Vertretungen von Frankreich, China, Indien und der Türkei gab es Berichte.

Der deutsche Aussenminister Sigmar Gabriel sagte, ein afghanischer Wächter der deutschen Botschaft sei umgekommen, zudem seien mehrere Bedienstete verletzt worden.

Bei dem Bombenanschlag wurde auch ein afghanischer Fahrer des britischen Senders BBC getötet. Zudem seien vier BBC-Journalisten verletzt worden, teilte der Sender am Mittwoch in London mit. In der japanischen Botschaft erlitten zwei Mitarbeiter Schnittwunden durch zerborstene Fensterscheiben.

Nach Angaben des Innenministeriums detonierte die Bombe an einer viel befahrenen Strasse zwischen der deutschen Botschaft und einem Sicherheitsposten am Sanbak-Platz. Die Strasse ist eng und wird an beiden Seiten von hohen Sprengschutzmauern begrenzt.

Fahrzeug an Weiterfahrt gehindert

Was das Ziel war, blieb zunächst unklar. Aus einer Stellungnahme der NATO-Mission Resolute Support scheint hervorzugehen, dass afghanische Sicherheitskräfte verhindert haben, dass das Fahrzeug in eine gesicherte Zone Richtung NATO-Hauptquartier und Präsidentenpalast eindringen konnte.

In den Vierteln liegen aber auch viele andere Botschaften und afghanische Ministerien. Tausende Mitarbeiter dieser Ministerien, von Botschaften und anderen Büros waren zur Zeit der Explosion gegen 08.30 Uhr (Ortszeit) auf dem Weg zur Arbeit.

Ein Hauptquartier von Afghanistans grösster Telekommunikationsfirma Roshan liegt ebenfalls sehr nahe dem Anschlagsort. Der Sender Tolo TV meldete, viele der Opfer seien Roshan-Mitarbeiter.

Die NATO-Mission Resolute Support liess verlauten, man sei dabei zu überprüfen, wie es allen NATO-Mitarbeitern gehe. Afghanische Medien berichteten, es seien nun ausländische Soldaten am Ort der Explosion.

Abschiebeflug verschoben

Die deutsche Regierung sagte wegen des Anschlags in Kabul einen für Mittwochabend geplanten Abschiebeflug nach Afghanistan ab. Das teilte Bundesinnenminister Thomas de Maizière in einer Sitzung des Innenausschusses des Bundestags mit. Die Absage erfolgte aber «nur für heute» und aus «Rücksicht auf Botschaftsangehörige».

Die Mitarbeiter der Auslandsvertretung seien mit der Schadensaufnahme befasst und könnten sich daher nicht um die Ankunft des Abschiebefliegers am Kabuler Flughafen kümmern, hiess es.

Die deutsche Regierung rechtfertigt Abschiebungen nach Afghanistan bislang damit, dass es dort «sichere Gebiete» gebe, in denen die Betroffenen unterkommen könnten. Dazu gehört offensichtlich auch die Hauptstadt Kabul, wo sich nun der Anschlag ereignete. (sda/dpa/reu/afp)

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