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Afghanistan: Mehr als 60 Tote und dutzende Verletzte bei Anschlag in Kabul



Bei einem Anschlag auf friedliche Demonstranten in Kabul sind nach Regierungsangaben mindestens 61 Menschen getötet und mehr als 200 weitere verletzt worden. Die Opferzahl könne noch steigen, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Samstag.

Tausende Angehörige der ethnischen Minderheit der Hasara hatten in der afghanischen Hauptstadt für den Bau einer Stromtrasse in der vernachlässigten Region Bamijan demonstriert, als inmitten der Menschenmenge mindestens ein Sprengsatz detonierte.

Unklar war, wie viele Bomben gezündet wurden. Präsident Aschraf Ghani erklärte, Terroristen hätten sich unter die Demonstranten gemischt und Bomben gezündet.

Ein Demonstrant, der sich in der Nähe aufgehalten hatte, sagte: «Erst dachten wir, das sei eine Minen-Explosion, aber als ich das Areal erreichte, wurde mir klar, dass es eine Selbstmordattacke war.» Er veröffentlichte ein Video auf Facebook, das den Platz mit zahlreichen blutüberströmten Opfern zeigte.

Schwierige Bedingungen für Helfer

Der Leiter des Isteqlal-Spital, Mohammad Sabir Nasib, sagte: «Viele der Verletzten, die zum Spital gebracht wurden, sind in schlechter Verfassung.» Krankenwagen hatten Schwierigkeiten, zum Explosionsort zu gelangen, weil die Behörden Strassenkreuzungen blockiert hatten, um zu verhindern, dass die Demonstranten zum Präsidentenpalast marschieren.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beanspruchte den Anschlag für sich. Die IS-Propaganda-Agentur Amaq meldete, zwei IS-Kämpfer hätten sich «inmitten einer Versammlung von Schiiten» in die Luft gesprengt. Die radikalislamischen Taliban erklärten, sie hätten mit diesem «tragischen Anschlag» nichts zu tun. Er sei das Werk von Feinden.

Protest gegen Hochspannungsleitungs-Route

Die schiitischen Hasara stellen mit etwa neun Prozent der Bevölkerung die drittgrösste Minderheit nach den Paschtunen und den Tadschiken. Sie wurden jahrelang diskriminiert. Während der Herrschaft der Taliban wurden Tausende Hasara getötet.

Zehntausende Mitglieder der Volksgruppe hatten bereits im Mai dagegen protestiert, dass die von Turkmenistan nach Kabul geplante Hochspannungsleitung nicht wie ursprünglich geplant durch die mehrheitlich von den Hasara bewohnte zentrale Provinz Bamijan führen soll.

Bamijan ist die wirtschaftlich am wenigsten entwickelte Provinz des Landes. Dass sie von der Stromtrasse abgeschnitten ist, deuten die Stammesführer der Hasara als erneuten Beweis für ihre Diskriminierung. Dagegen argumentiert Kabul, die geänderte Route sei kürzer und damit billiger.

Präsident Aschraf Ghani verurteilte den Anschlag. Er betonte, friedlicher Protest sei das «Recht eines jeden Bürgers». Nach seinen Angaben waren unter den Toten auch mehrere Sicherheitskräfte. (sda/afp/reu/dpa)

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