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Premierenbesprechung: Machtkämpfe am Bahnhof - Oper «Chowanschtschina» in Basel



Mit Modest Mussorgskys Oper «Chowanschtschina» hat Basels neuer Theaterleiter Andreas Beck seine Intendanz begonnen. Die Aufführung ist ein Ereignis: eine vorbildliche Aufführung, die wohl viele Opernfans nach Basel locken wird.

«Chowanschtschina» ist ein gewaltiges musikalisches Fresko aus der Geschichte Russlands. Hintergrund des vom Komponisten verfassten Librettos ist der Machtkampf zwischen der Regentin Sofia und ihrem jüngeren Halbbruder Peter im späten 17. Jahrhundert. Sofia verliert; ihre Anhänger werden vom neuen Zaren Peter I. hingerichtet oder verbannt.

Mussorgsky schafft ein Panorama der Epoche und kondensiert in seinen Protagonisten gesellschaftliche Strömungen. Es gibt keine Zentralgestalt, sondern eine Konstellation von (historischen) Figuren, die mal mit-, mal gegeneinander ihre Interessen vertreten.

Wichtigster Protagonist ist aber das notleidende, rechtlose Volk. Es steht im Mittelpunkt der genau gearbeiteten Inszenierung, die das Stück im Wartesaal und auf den Perrons eines Bahnhofs im stalinistischen Russland spielen lässt - der Bühnenbildner Zinovy Margolin hat dafür eindrückliche Räume geschaffen.

Die Menschen, die hier mit ihrem Gepäck apathisch herumsitzen, sind Entwurzelte ohne Perspektive, unterwegs ohne Woher und Wohin. Chor und Extrachor des Theaters geben ihnen imponierende Klangfülle, aber auch zarte lyrische Töne.

«Chowanschtschina» blieb unvollendet. Gespielt werden die Instrumentierung von Dimitri Schostakowitsch und der von Igor Strawinsky nachkomponierte Schluss. (sda)

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