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Erdbeben erschüttert Nordkorea - Neuer Atomversuch befürchtet



Nordkorea hat möglicherweise einen neuen Atomtest vorgenommen. Die chinesische Erdbebenwarte und der US-Erdbebendienst berichteten am Sonntag von einem Beben der Stärke 6.3 im Nordosten des abgeschotteten Landes in einer Tiefe von null Metern.

Auslöser sei vermutlich eine Explosion, erklärte das Erdbebenamt. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete unter Berufung auf das Präsidialamt ebenfalls, es könne sich um den sechsten Atomtest des Nordens handeln.

Epizentrum des Bebens sei der Bezirk Kilju gewesen, wo das Atomtestgelände liegt, hiess es unter Berufung auf Behörden. Kurz darauf meldete Yonhap ein zweites Erdbeben der Stärke 4.6 in Nordkorea.

Das Beben ereignete sich laut Angaben von Chinas Erdbebenbehörde acht Minuten nach der ersten Erschütterung ebenfalls in einer Tiefe von Null Metern. In der Vergangenheit waren auch erst seismische Aktivitäten gemessen worden, bevor festgestellt worden war, dass sie durch einen Atomtest ausgelöst worden waren.

Sowohl die südkoreanische als auch die japanische Regierung beriefen die nationalen Sicherheitsräte ein. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe erklärte, sollte es sich tatsächlich um einen nordkoreanischen Atomtest gehandelt haben, sei dies absolut inakzeptabel. Man werde aufs Schärfste protestieren.

Kim inspiziert neue Bombe

Kurz vor den Erdbeben hatte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un verkündet, sein Land habe jetzt auch eine Wasserstoffbombe entwickelt, mit der eine Interkontinentalrakete (ICBM) bestückt werden könne. Nordkoreas Führer habe bei einem Besuch im staatlichen Atomwaffeninstitut eine H-Bombe inspiziert, die auf eine ICBM montiert werden sollte, berichteten die Staatsmedien am Sonntag.

Das Institut habe damit den Vorgaben der herrschenden Arbeiterpartei entsprochen, einen Durchbruch bei der atomaren Bewaffnung zu erzielen. Die Angaben liessen sich nicht von unabhängiger Seite überprüfen. Es hiess, der Fortschritt basiere auf dem Erfolg, den das Land mit seinem ersten Wasserstoffbombentest im Januar des vergangenen Jahres erzielt habe.

Sollten sich die Befürchtungen über den neuen Atomversuch bestätigen, wäre es die grösste Provokation Kim Jong Uns seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump.

Säbelrasseln

Trump hatte «militärische Optionen» nicht ausgeschlossen, um Nordkoreas Machthaber daran zu hindern, sein Atom- und Raketenprogramm weiter zu entwickeln. Auch hatte der US-Präsident mit «Feuer und Wut» gedroht, was Sorgen vor einem bewaffneten Konflikt in Ostasien anfachte.

Die USA verfolgen die Entwicklung besonders mit Sorge, weil sie einen Schlag gegen amerikanisches Territorium befürchten. Die Bestückung einer ICBM wäre ein weiterer grosser Fortschritt im Atom- und Raketenprogramm des Landes, das strengen internationalen Sanktionen unterworfen ist.

Bisher wurde angezweifelt, dass Nordkorea bereits über die Technologie verfügt, einen Sprengkopf so zu verkleinern, dass er auf eine Rakete passt.

Höhere Sprengkraft

Die Explosionskraft einer Wasserstoffbombe oder H-Bombe ist um ein Vielfaches höher als bei einer herkömmlichen Atombombe. Das diplomatisch isolierte Land hat den USA und Südkorea schon mehrfach mit einem präventiven Atomschlag gedroht.

Bilder der nordkoreanischen Medien zeigten am Sonntag ein Foto von Kim Jong Un und hochrangigen Parteifunktionären um einen runden silbernen Behälter, der angeblich den Sprengkopf für die Rakete zeigt. Er sei «stolz auf die unbezwingbare Stärkung» der Atomstreitkräfte, wurde Kim zitiert. Nach offizieller Darstellung lässt sich die Sprengkraft der neuen Waffe von Dutzenden Kilotonnen «bis mehrere hundert Kilotonnen» variieren.

Erst vergangene Woche hatte Nordkorea eine Mittelstreckenrakete getestet, die dabei über den Norden Japans flog. Auch gabe es zwei Tests mit einer ICBM im Juli. Der UNO-Sicherheitsrat hatte nach den ICBM-Tests die bisher strengsten Wirtschaftssanktionen gegen Pjöngjang verhängt.

Nordkorea hatte bereits mehrfach behauptet, Atomwaffen bauen zu können, die klein genug für Raketen sind. Im Januar des vergangenen Jahres hatte Nordkorea den bisher letzten Atomtest durchgeführt und behauptet, dabei eine Wasserstoffbombe gezündet zu haben. Es gab aber im Ausland grosse Zweifel daran. (sda/dpa)

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