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Oper: «Tosca»: Bildgewaltiger Engel mit Himmelsproblemen



Beinahe wäre die erste Premiere unter der neuen Intendantin Maren Hofmeister im St. Margarethener Römersteinbruch ins Wasser gefallen: Wegen strömendem Regen ging am Mittwochabend Robert Dornhelms «Tosca» mit über einer Stunde Verspätung über die Bühne. Als Belohnung für jene, die ausgeharrt hatten, gab es dafür eine bildgewaltige Inszenierung - und ein Gratisgetränk in der Pause.

Hatte Dornhelm im Vorjahr bei «Aida» noch auf Projektionen an die Wände des Steinbruchs gesetzt, werden die Sänger bei seiner dritten Margarethen-Inszenierung über weite Strecken in Nahaufnahme auf LED-Wänden gezeigt. Zusätzlich nutzt der österreichische Filmregisseur die Möglichkeit des Videos, um Backstage-Geschehnisse auf die Bühne zu bringen.

Der eigentliche Blickfang ist aber zweifelsohne der knapp 26 Meter hohe Oberkörpertorso eines an die Figuren der Engelsburg erinnernden Himmelswesens, dessen Engelsflügel, die allerdings eher an einen Federrock erinnern, die Spielfläche als Schale umfassen. Erst im dritten Akt durchbricht Dornhelm dieses Konzept und öffnet die Engelsschale mit zwei Videowänden zur Seite hin.

Der Römersteinbruch selbst bleibt nahezu unbespielt - wenn man von der letzten Sequenz, dem Todessprung Toscas, absieht. Hier stürzt irritierenderweise ein mickriges rotes Stoffbündel vom Rand in die Tiefe.

Nüchtern statt pathetisch

Sturzfrei endete der Abend für die Sopranistin Martina Serafin, die sich der unwirtlichen Witterung in ihrer Paraderolle gewohnt sicher entgegenstellte. Eine Entdeckung ist der 33-jährige Tenor Andrea Care in der Partie des Cavaradossi mit ansprechend unterfüttertem Timbre, während sich Davide Damiani solide durch die Bösewichtrolle des Scarpia grimassiert.

Allzu grosse Dynamik in der Personenführung ist bei diesem Regiekonzept allerdings wohl nicht zuletzt aufgrund der benötigten Kamerapositionen nicht möglich.

Ohne überbordende Dynamik kam auch Michael Güttler, Chefdirigent der Finnischen Nationaloper Helsinki, am Pult des Prager Staatsopernorchesters aus, das er trocken, fast nüchtern durch die Puccini-Partitur lenkte. Das charakteristische Puccini-Pathos suchte man hier vergebens.

Hinzu kommt erschwerend, dass der Ton zwischen Sängern und Orchester respektive Chor immer wieder schlecht abgemischt war. Aber vielleicht sind hier ja in den kommenden Tagen noch die Schäfchen ins Trockene zu bringen, wenn die Gewitter ausbleiben.

Wem die Kriminal- und Mordgeschichte um Tosca zu schwer für einen Sommerabend im Freien ist, für den haben die Organisatoren der Opernfestspiele im kommenden Jahr leichtere Kost parat: 2016 wird man mit Gaetano Donizettis «Liebestrank» die Monumentalkulisse bespielen. (sda/apa)

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