Blogs
Briefe von der Heimatfront

So kann Edward Snowden doch gerettet werden

Bild
Bild: UESLEI MARCELINO/REUTERS
Briefe von der Heimatfront

So kann Edward Snowden doch gerettet werden

09.06.2014, 11:4816.06.2014, 11:49

Das deutsche Gerangel um den Whistleblower Edward Snowden will einfach nicht enden. Der Untersuchungsausschuss zur NSA-Abhöraffäre wollte ihn erst vorladen, dann wieder nicht, der Generalbundesanwalt erst keine Ermittlungen anstellen, dann plötzlich schon, allerdings in einer anderen Angelegenheit (gestohlenes Fahrrad in Frankfurt, ca. 2012). Der Justizminister macht Auflagen, der amerikanische Botschafter warnt, das Wetter spielt verrückt. Snowden sitzt derweil traurig auf Putins Fussabstreifer und wartet. Vielleicht vergebens.

Was macht den schmächtigen Brillenträger mit dem Fusselbart so attraktiv? Der Grund liegt sicher nicht nur darin, dass man mit der NSA-Affäre so herrlich den Amerikaner ärgern kann, sondern auch in der Person Snowden selbst. Der Fall des greisen Grünen-Politikers Hans-Christian Ströbele (104) gibt Gerüchten Nahrung, dass der amerikanische Ex-Agent über seltsame Wunderkräfte verfügt, dass er heilen, handauflegen und Warzen besprechen kann. 

Vor seinem Besuch bei Snowden war Ströbele politisch und körperlich fast gänzlich erloschen, hockte auf seinem unkündbaren Direktmandat, wurde alle zwei Tage gewendet und setzte Spinnweben an. Doch nach dem Besuch in Russland, nachdem ihm Snowden seine Hand auf die Schulter gelegt und Flüsterworte in die faltigen Ohren gesprochen hatte, erlebte Ströbele einen fünften Frühling, tanzte durch den Plenarsaal und küsste stürmisch junge Dinger (Alexander Dobrindt). Will Deutschland konsequent gegen die Überalterung der Bevölkerung vorgehen, müssen die Kräfte des «Orakels von Moskau» der gesamten Bevölkerung zugänglich gemacht werden, und zwar dauerhaft, und nicht für einen Kaffeebesuch.

Wie aber könnte dies gelingen, wie könnte Snowden nach Deutschland geschafft werden, ohne den Amerikaner zu düpieren? Die einzig gangbare Möglichkeit wäre, den Körper Edward Snowdens zur extraterritorialen Zone zu erklären und damit dem deutschen Staatsgebiet zuzuschlagen. Das juristische Verfahren wäre anspruchsvoll, aber nicht unmöglich: Snowden müsste zunächst die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen, ein unvorstellbar aufwendiges Verfahren, bei dem unter anderem Proben sämtlicher Körperflüssigkeiten abgegeben werden müssen, ausserdem Stammbäume, die bis mindestens ins 17. Jahrhundert reichen, sowie ein polizeiliches Abiturzeugnis, das von zwei noch lebenden Bundespräsidenten unterzeichnet sein muss. 

Der Neu-Deutsche Edward Snowden müsste sich sodann zum souveränen Stadtstaat erklären (Bevölkerungszahl: 1), um dann einen Antrag auf Beitritt zur Bundesrepublik zu stellen. Die Zustimmung des Bundestags vorausgesetzt, könnte das neue Bundesland «Edward-Niedersnowden» als 17. Mitglied anerkannt werden. Die erfreuliche Konsequenz: Snowden könnte auf jeden Fall in Deutschland interviewt werden – egal, wo auf der Welt sich das mobile Bundesland gerade aufhält. Dem Amerikaner wären die Hände gebunden, und für den Fall, dass Snowden plötzlich doch einen Unfall hat, könnte Edward-Niedersnowden vom Mutterland aus neu besiedelt werden. Die deutsche Institution Snowden wäre auf jeden Fall gesichert!

Bild
Leo Fischer
Der ehemalige Chefredaktor vom Satiremagazin «Titanic» schreibt jede Woche einen «Brief von der Heimatfront». Er liefert den deutschen Invasoren in der Schweiz Schlachtpläne, wie sie die deutsche Dominanz in den Universitäten oder dem Gesundheitswesen noch stärker durchsetzen und festigen können. Er wird aber auch seinen Landsleuten mit ordentlich Humor grob aufs Dach hauen.



Mehr von Leo Fischer gibts bei Titanic
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
AKW-Comeback in der Schweiz? Das schafft neue Angriffsziele für unsere Feinde
Während die Schweiz über eine Rückkehr zur Atomkraft nachdenkt, zeigt die aktuelle Weltlage für Nationalrätin Céline Weber Tag für Tag, wie gefährlich diese Technologie ist.
Es ist mittlerweile fast schon eine Binsenweisheit: Die Illusion einer sicheren Welt, dominiert von einem geeinten westlichen Block, gehört der Vergangenheit an. Grundsätzlich könnte man die Entstehung einer stärker multipolaren Weltordnung begrüssen, in der der Westen nicht mehr allein den Ton angibt.
Zur Story