Charlie Hebdo

«Alles ist vergeben.» oder: Alle vergeben allen? Bild: EPA/CHARLIE HEBDO

Wer vergibt wem? 

Zwei offensichtliche und eine weniger offensichtliche Interpretation des neuen «Charlie Hebdo»-Covers

Gestern Nacht veröffentlichte «Charlie Hebdo» das Cover der neuen Ausgabe. Es zeigt einen weinenden Mohammed. Die Titelseite lässt grossen Interpretationsspielraum. 

13.01.15, 08:06

«Alles ist vergeben», titelt das mit Spannung erwartete neuste «Charlie Hebdo»-Cover. Darunter steht vor grünem Grund ein weinender Prophet Mohammed, der bekennt «Je Suis Charlie». Die Zeichnung ist vom langjährigen «Charlie Hebdo»-Zeichner Renald Luzier alias Luz. Was bedeutet sie und wer vergibt hier wem? Dies sind die drei Möglichkeiten: 

1. Prophet Mohammed vergibt den Karikaturisten

Wollen die «Charlie Hebdo»-Macher mit dem neuen Cover sagen, dass selbst Prophet Mohammed nicht wütend über die Karikaturen von ihm wäre? Dass selbst der Prophet den Zeichnern vergibt? Möglich ist es, denn mit dem «Je suis Charlie»-Transparent solidarisiert sich der Cover-Mohammed eindeutig mit dem «Charlie Hebdo» und den Werten, die das Symbol vertritt: Die Freiheit der Satire, der Meinung, der Presse. 

2. «Charlie Hebdo» vergibt den Attentätern

Oder will die Redaktion damit sagen, dass sie selber den Attentätern vergibt? Immerhin heisst es im Übertitel «Tout est pardonné», also «ALLES ist vergeben» – eine grosse Geste seitens einer Redaktion, die den Tod von sechs Kollegen und ihrem Chefredakteur zu beklagen hat. 

3. Alle Kritiker vergeben «Charlie Hebdo»

Oder halten die «Charlie Hebdo»-Macher – es folgt die etwas weniger offensichtliche Interpretation – etwa der Solidaritäts-Welle zynisch den Spiegel vor? Wollen sie uns sagen, dass nach dem Anschlag plötzlich jeder «Charlie» ist? Dass selbst jene, die das Heft zuvor ständig kritisiert haben, ihm jetzt alles vergeben und vergessen haben? 

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  • 18%Dass Prophet Mohammed den Karikaturisten vergibt.
  • 14%Dass das «Charlie Hebdo» den Attentätern vergibt.
  • 24%Dass plötzlich alle dem «Charlie Hebdo» vergeben.
  • 10%Nichts davon.
  • 33%Alles davon.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 13.01.2015 10:58
    Highlight Meiner Ansicht nach weint Mohammed weil es traurig ist zu sehen was geschehen ist.

    Vergebung, nicht böse sein, Solidarität und Akzeptanz, alles Worte die im Artikel stehen sind Gesellschaftsthemen. Wir werden sehen ob wir alle einen Schritt weitermachen können.

    Vorerst ist da immer noch ein grosses schwarzes Loch.
    3 0 Melden
  • The Writer Formerly Known as Peter 13.01.2015 10:10
    Highlight Mit dem vergeben ist es so eine Sache. Wer vergibt wirklich seinen Feinden? Im Christentum mit dem neuen Testament gibt es mindestens die Idee davon. Und wie hält es der Koran mit dem Vergeben an (vermeintlichen) Feinden? Eine Debatte darüber ist interessant. Leider erreicht man damit keine steinzeitlichen Betonköpfe. Zeit, dass der aufgeklärte Islam sich eine Stimme verschafft.
    2 0 Melden
    • AdiB 13.01.2015 12:30
      Highlight im koran steht "ihr sollt euren feinden vergeben, aber ihr sollt nicht vergessen".
      1 0 Melden
  • Broom 13.01.2015 08:44
    Highlight Ich dachte eure "nicht offensichtliche" Theorie sei die offensichtliche.
    Sie haben sich ja schon im Vorfeld negativ zur ganzen "Je suis Charlie" Bewegung geäussert
    11 3 Melden
    • Gelöschter Benutzer 13.01.2015 11:03
      Highlight Was beisst es uns wer, wie, wo, was über die "Je suis Charlie" Bewegung äussert. Wichtig ist was für uns wichtig ist. Eine Hoffnung ein Sonnenstrahl.
      2 0 Melden

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