Digital

1,2 Milliarden Passwörter sollen russische Kriminelle erbeutet haben. Es wäre der wohl weltweit grösste Datendiebstahl, wie die Grafik zeigt. grafik: statista

Mega-Hack

Passwort-Diebstahl: Wie eine US-Firma mit dem Milliarden-Hack Kasse machen will 

1,2 Milliarden Passwörter sollen Kriminelle erbeutet haben, warnt eine amerikanische Sicherheitsfirma. Welche Webseiten betroffen sind, verrät das Unternehmen allerdings nicht. Dafür ist ein kostenpflichtiger Service geplant. 

06.08.14, 13:49 08.05.15, 16:12

Ein Artikel von

Die Sicherheitsfirma Hold Security hat einen Scoop gelandet: 1,2 Milliarden Passwörter und Nutzernamen sollen russische Kriminelle erbeutet haben, meldet das Unternehmen. Doch Details zu dem digitalen Raubzug sind bisher kaum bekannt. Wichtig wäre zum Beispiel zu wissen, wer überhaupt betroffen ist, wie alt die Daten sind, ob die Passwörter im Klartext vorliegen oder verschlüsselt sind. 

Nur so viel: Von 420'000 Websites soll das Material stammen, unter anderem betrieben von grossen Unternehmen. Eine Sicherheitslücke in Datenbankabfragen soll schuld sein. Statt wichtiger Details findet man auf der Website von Hold Security Werbung für einen «Breach Notification Service». Seitenbetreiber sollen gegen eine Jahresgebühr von 120 Dollar erfahren, ob ihre Seiten verwundbar und ihre Nutzer vom Diebstahl betroffen sind. 

Gegenüber «Forbes» sprach Firmenchef Alex Holden von einem «symbolischen Preis». Schliesslich müsse seine Firma zunächst verifizieren, dass den Seitenbetreibern, die sich für den kostenpflichtigen Service anmelden, diese auch tatsächlich gehörten. 

Es geht ums Geldverdienen 

Kashmir Hill von «Forbes» kritisiert nun, wie der Milliarden-Hack an die Öffentlichkeit gelangt ist. Die «New York Times», die zuerst von dem Diebstahl berichtet hatte, hätte einen Hinweis auf die Profitabsichten der Sicherheitsfirma geben sollen. Es gebe in diesem Fall eine ziemlich direkte Verbindung zwischen Panikmache und der Absicht, Geld zu verdienen. 

Einzelnen Nutzern will die Firma in den kommenden 60 Tagen einen «Identity Protection Service» anbieten. Wer eine Voranmeldung für den Dienst ausfüllt, soll auch mitgeteilt bekommen, ob er von dem Diebstahl betroffen ist. Die Voranmeldung sei «kostenlos» und «ohne Verpflichtung», heisst es. Man darf davon ausgehen, dass der künftige «Service» kostenpflichtig wird. 

Natürlich müssen Sicherheitsfirmen Geld verdienen. Aber die Art und Weise, wie in diesem Fall Betreiber von Webseiten zur Kasse gebeten werden und Nutzer zu einer Voranmeldung für ein Produkt gedrängt werden, sorgt nicht nur bei «Forbes» für Skepsis: Hier wird versucht, mit der Angst ein Geschäft zu machen. 

«Du bist gehackt worden», heisst der Blogeintrag auf der Webseite von Hold Security. Ob von angeblich russischen Kriminellen oder vom geschickten Marketing einer Sicherheitsfirma, wird sich erst noch herausstellen. (ore)

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Daten-GAU bei Digitec – sensible Kundendaten gestohlen, für gezielte Angriffe missbraucht

Der grösste Schweizer Online-Shop bestätigt, dass «Betrüger» in den Besitz «persönlicher Daten» gekommen seien. Potenziell betroffen seien Kundendaten von 2001 bis maximal Mitte 2014.

Digitec-Mediensprecher Alex Hämmerli hat mit einer ausführlichen Stellungnahme auf unsere Anfrage reagiert. Und er bestätigt die oben gemachten Angaben in allen Punkten.

Der Angriff erfolgte laut Hämmerli über den alten Online-Shop von Digitec, der neue Digitec-Shop sei nicht betroffen:

Der Kreis der Betroffenen halte sich in Grenzen, sagt der Digitec-Sprecher, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Zwischen dem aktuellen Fall und den Phishing-Attacken im August und September gibt es laut Hämmerli …

Artikel lesen