Gesellschaft & Politik

In diesem Krankenhaus wurde Ebola-Patient Eric Duncan behandelt – Texas Health Presbyterian Hospitals. Bild: RICHARD RODRIGUEZ/EPA/KEYSTONE

Ebola-Erbrochenes in Texas

Spital schickt infizierten Ebola-Patienten nach Hause. Jetzt herrscht Panik in den USA

Der Ebola-Patient in Dallas war vor seiner Einlieferung ins Krankenhaus schon einmal dort - und wurde nach Hause geschickt. Vor seiner Wohnung musste er sich übergeben. Das Ansteckungsrisiko ist damit deutlich höher als gedacht. 

02.10.14, 09:00 02.10.14, 11:27

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Nach der ersten Ebola-Diagnose bei einem Patienten in den USA wurde nun bekannt, dass der Mann das Krankenhaus schon vier Tage vor seiner Einlieferung aufgesucht hatte - und mit Antibiotika wieder nach Hause geschickt wurde. Und das, obwohl er einer Krankenschwester gesagt hatte, dass er zuvor in Westafrika war. «Leider wurde diese Information nicht an das ganze Team kommuniziert», sagte ein Vertreter des Texas Health Presbyterian Hospitals. 

Die Fehleinschätzung könnte zur Folge haben, dass sich weitere Menschen mit dem Virus angesteckt haben. Zwei Tage nach seinem ersten Krankenhausbesuch musste sich der Mann vor dem Apartmentkomplex, in dem er bei Verwandten wohnte, übergeben. «Seine ganze Familie schrie, und er spuckte überall hin», sagte ein Nachbar der Nachrichtenagentur Reuters. 

Ebola-Infizierte sind, solange sie noch keine Symptome zeigen, kaum oder gar nicht ansteckend. Damit das Virus von Mensch zu Mensch übertragen wird, ist ein direkter Kontakt mit Körperflüssigkeiten des Erkrankten nötig, etwa mit Blut, Urin, Schweiss - oder Erbrochenem. 

Die Behörden im Bundesstaat Texas gehen mittlerweile 12 bis 18 weiteren Verdachtsfällen nach. «Es könnte einen weiteren Fall im direkten Umfeld des Patienten geben», sagte der Leiter der Gesundheitsbehörde von Dallas County, Zachary Thompson, dem lokalen TV-Sender WFAA. Die Lage sei ernst, die Gefahr einer Ansteckung mit dem Virus begrenze sich nach derzeitigen Erkenntnissen aber auf «Angehörige und enge Freunde». 

Sieben Stunden Aufenthalt in Brüssel

Wie die «New York Times» berichtet, heisst der Ebola-Patient Eric Duncan und ist liberianischer Staatsbürger. Er soll für eine Transportfirma in Monrovia gearbeitet haben. Anfang September habe er seinen Job gekündigt, um in die USA auszuwandern, so die Zeitung. Mit dem Ebola-Virus habe er sich vermutlich bei der Tochter seines Vermieters angesteckt. Duncan habe am 15. September, vier Tage vor seinem Flug in die USA, dabei geholfen, die Frau ins Krankenhaus zu bringen. Sie sei am nächsten Tag gestorben, auch ihr Vater sei mittlerweile tot. 

Bekannt wurde nun auch die Flugroute des Mannes: Er flog anscheinend von Monrovia in Liberia erst nach Brüssel, wo er sieben Stunden Aufenthalt hatte. Dann stieg er in ein Flugzeug der United Airlines nach Washington, D.C., und flog nach weiteren drei Stunden Aufenthalt weiter nach Texas. Insgesamt war er 28 Stunden unterwegs. Während der Flüge soll er keine Symptome der Krankheit gehabt haben, damit dürfte er nicht ansteckend gewesen sein.  

Der Chef der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC), Thomas Frieden, sagte, die Flugnummern der betreffenden Flüge an die Öffentlichkeit zu geben, würde unnötig Panik schüren. Wichtiger sei, die Menschen ausfindig zu machen, die mit dem Ebola-Infizierten Kontakt hatten, nachdem er erste Symptome zeigte. Dazu zählt das Ambulanzteam, das den Mann ins Krankenhaus brachte und Familienmitglieder des Patienten. Nach Behördenangaben stehen sie unter Beobachtung. 

Fünf Kinder unter Beobachtung

Offenbar zählen zu den Menschen, die Kontakt mit dem Patienten hatten, auch fünf Schüler. Der Gouverneur von Texas, Rick Perry sagte, die Kinder stünden unter Beobachtung. In die vier Schulen, die sie besuchen, wurden vorsichtshalber Ärzte geschickt. «Die Kinder zeigen keine Symptome, und es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie irgendeinen Virus verbreiten», sagte ein Vertreter der örtlichen Schulbehörde. 

Dem Sender CNN zufolge befindet sich Eric Duncan in Isolation, er kann sprechen, fragt nach Essen und ist nicht an eine Beatmungsmaschine angeschlossen. Sein Zustand ist aber kritisch

Am Mittwochabend wurde ausserdem bekannt, dass erstmals ein Mitarbeiter der Vereinten Nationen an Ebola gestorben ist. Der Mann sei bereits in der vergangenen Woche in Liberia einer Krankheit erlegen, sagte ein UNO-Sprecher. «Auch wenn die letzten Testergebnisse noch ausstehen, gehen wir davon aus, dass es Ebola war.» Es handele sich nicht um einen ausländischen Helfer, sondern einen liberianischen UNO-Mitarbeiter. Liberia gehört zu den am schwersten von der Epidemie betroffenen Ländern. Bislang sind laut WHO in Guinea, Liberia und Sierra Leone rund 6600 Menschen an Ebola erkrankt und 3100 gestorben. (vet/Reuters/dpa/AP)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 02.10.2014 09:37
    Highlight Wie in einer schlechten Ärzte-Serie, nur noch schlimmer. NSA im Abhör-Bespitzelungs-Schussfeld, SecredServices die den Präsidenten nicht genug schützen können, Spitäler die Fehler machen. Am laufenden Band passieren Fehler, die rasch medial an Gewicht bekommen und politisch werden. Ist es nur eine Wahrnehmung, oder zerfällt der Arbeits-Qualitäts-Ethos wirklich zunehmend? Nur in den USA?
    1 1 Melden
  • Tobias K. 02.10.2014 09:19
    Highlight Wahrscheinlich war der Patient nicht genügend versichert und wurde darum nach Hause geschickt. Würde mich im Amiland nicht wundern.
    13 0 Melden
    • usehername 02.10.2014 11:21
      Highlight Amerika mag sein eigenes Gesundheitssystem haben, aber sind nicht wir in Europa die grösseren Deppen, weil wir zwar über amerikanische Systeme meckern, es aber später doch kopieren?
      3 1 Melden

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