Homosexualität

Bild: KEYSTONE

Zürcher Forscher fordern: Schwule sollen alle drei Monate zum HIV-Test

Ein Drittel der neu mit HIV angesteckten Patienten entwickelt zunächst keine Symptome. Die Ansteckung wird dann erst im Rahmen eines HIV-Routinetests diagnostiziert. Personen aus Risikogruppen sollten sich deshalb alle drei Monate auf HIV testen lassen.

12.06.15, 11:06 12.06.15, 12:29

In seiner im März lancierten «Love Life»-Kampagne weist das Bundesamt für Gesundheit (BAG) darauf hin, dass bei Grippesymptomen ausserhalb der Grippesaison an eine HIV-Infektion gedacht werden müsse und ein HIV-Test durchgeführt werden sollte. Doch Forscher am Universitätsspital Zürich (USZ) zeigen nun, dass diese Symptome kein zuverlässiger Indikator sind.

Die Forscher haben bei 290 Patienten zum Zeitpunkt der HIV-Primoinfektion untersucht, wie viele von ihnen nach der Ansteckung atypische oder unerwartete HIV-Symptome entwickelt haben. Die HIV-Primoinfektion ist die Phase der ersten sechs Monate nach der Infektion mit HIV.

Sie ist häufig von einem akuten Krankheitsbild begleitet, einer akuten HIV-Infektion. Während dieser Zeit breitet sich HIV rasch im Körper aus und etabliert die Infektion definitiv. Die Betroffenen sind während dieser Phase hoch ansteckend.

Jeder dritte Infizierte entwickelt atypische Symptome

Die Resultate zeigen, dass sich eine HIV-Primoinfektion oft nicht grippeähnlich manifestiert und die Zeichen einer Infektion unzuverlässig und zu wenig spezifisch sind. Selbst wenn Symptome ganz fehlen, könne eine Infektion mit HIV nicht ausgeschlossen werden, teilte das USZ am Freitag mit.

Von den untersuchten Patienten hatten 88, also ein Drittel, während der Phase der HIV-Primoinfektion atypische oder unerwartete Symptome oder Krankheitsbilder entwickelt und 202 Patienten (70 Prozent) typische Symptome. Dies berichten die Forscher im Fachjournal «Clinical Infectious Diseases».

14 der 88 «atypischen» Patienten hatten gar keine Symptome; ihre Infektion wurde erst bei einem HIV-Routinetest festgestellt. Nur bei 112 Patienten (38 Prozent) wurde gleich beim ersten Arztbesuch eine HIV-Infektion vermutet und entsprechend ein HIV-Test durchgeführt.

Schwule sollen alle drei Monate zum Test

Risikogruppe sind laut den Forschern Männer, die Sex mit Männern haben. In dieser Gruppe ist laut den neusten BAG-Zahlen 2014 die Zahl der neu diagnostizierten HIV-Infektionen angestiegen. Die Zürcher Forscher empfehlen diesen Personen, sich alle drei Monate einem HIV-Test zu unterziehen – bei sexuellem Risikoverhalten unabhängig davon, ob Zeichen einer Infektion bestehen.

Die BAG-Zahlen zeigen auch, dass sich mehr Personen innerhalb der HIV-Primoinfektionszeit anstecken. Es sei deshalb wahrscheinlich, dass in gewissen Gebieten über die Hälfte der HIV-Übertragungen durch Personen stattfindet, die eine HIV-Primoinfektion haben und sich ihrer Infektion nicht bewusst sind, hiess es in der Mitteilung.

Eine frühe Therapie könne den Schaden am Immunsystem des Patienten entscheidend verringern. Die Symptome einer HIV-Primoinfektion zu erkennen, diese möglichst früh zu diagnostizieren und die frisch infizierten Patienten rasch zu behandeln sei daher entscheidend bei der Bekämpfung der HIV-Epidemie und beeinflusse die Kosten im Gesundheitswesen. (erf/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 12.06.2015 15:34
    Highlight Mit einer Big Data Analyse von Tinder, Uber und Cumulus würden sich doch ganz leicht personalisierte 'Einladungen zum Checkup' erstellen lassen...
    6 1 Melden
  • amei 12.06.2015 15:31
    Highlight Damit wird es langsam höchste Zeit, dass man die Hometests auch in der Schweiz zulässt, so wie in den USA. Die Vorteile überwiegen nach meiner Meinung klar die wenigen Nachteile. All dieses Geschwafel um Sicherheit soll nur die Bevormundung des Bürgers verdecken. Der Bürger wird wohl für ganz dumm gehalten. Ach ja, beim Preis könnte man sich ausnahmsweise am Weltmarkt orientieren. Das wäre konkrete Präventionspolitik!
    6 0 Melden
  • Gilbert Wipfli 12.06.2015 12:58
    Highlight Blutspenden dürfen schwule nicht, da dort routinemässig auf hiv getestet wird und dieser hiv test gratis ist. Jetzt wollen die einen test anordnen? Der muss natürlich bezahlt werden. Genügen die anderen diskriminierungen nicht? Oder soll dies von der krankenkasse übernommen werden? Ausserdem wird es eine stressige angelegenheit wenn alle risikogruppen ( drogensüchtige, tindermitglieder usw. ) alle 3 monate einen hiv test machen müssen.
    18 4 Melden
  • Max Havelaar 12.06.2015 12:53
    Highlight Erinnert mich an den Blutspendedienst. Homosexuelle sind dort kategorisch ausgeschlossen.
    15 2 Melden
  • Habicht 12.06.2015 12:27
    Highlight Bitte Watson lasst euch mit solch reisserischen Titel nicht auf Blick Niveau runter....
    28 2 Melden
    • The Destiny 12.06.2015 12:37
      Highlight Der Artikel ist nicht von Watson...

      Die Quelle ist (rar/sda)

      Wenn der Artikel aber schon editiert wird von Watson, warum sie dann nicht gleich den Titel geändert haben...
      4 0 Melden
  • tomdance 12.06.2015 12:12
    Highlight Es geht um eine Empfehlung und nicht um eine Forderung. Ausserdem: warum denn nur Schwule? Wie sieht es mit Tinder-Usern aus? Und allen anderen, die ihre Sexualität in vollen Zügen mit wechselnden Gegenübern geniessen? Die Risikogruppen dürften hier gerne ausgeweitet werden. Grundsätzlich ist ein Test ja für alle mit einem gewissen Risikoverhalten empfehlenswert. Egal ob Schwul, Hereto oder Bi. Finde ich.
    29 1 Melden
  • BeWi 12.06.2015 11:52
    Highlight andere Sprache sprechen: man geht von 300(!) neunen Infizierungen aus, in der Todesfallstatistik ist AIDS schon gar nicht mehr aufgeführt. Grippen Tote 3000, Krebs 9000, Herz 12000, Demenz 6000. Also in diesem Zusammenhang scheint HIV und AIDS sehr unbedeutend. Ich kriege den Verdacht nicht los, dass da sehr sehr viel "Moralin" drin steckt, vor allem gegen die Schwulen schiesst ja Väterchen und Mütterchen Staat ja immer mal wieder gerne... Zum Test: es gibt die auch online zu ca. 25€..
    8 10 Melden
    • Rascal 12.06.2015 12:43
      Highlight Der Grund warum HIV als Todesursache nicht mehr auftaucht ist recht einfach. HIV kann zwar nicht geheilt aber mit Medikamenten kontrolliert werden.

      Für CHF 15'000 pro Jahr, bei einer Ansteckung im Alter von 30 und gleichbleibenden Kosten also ca. CHF 700'000 für die Behandlung bis zum Lebensende.

      Mit ca. 27'000 HIV infizierten in der Schweiz belaufen sich die Jährlichen kosten auf ca. 400 Millionen.

      Nüchtern betrachtet lohnt es sich nicht jeden regelmässig zu testen also liegt es nahe, den Fokus auf Risikogruppen zu verschieben. Dazu zählen aber nicht nur Homosexuelle.
      22 2 Melden
    • BeWi 12.06.2015 13:10
      Highlight ja, dann soll man die Medikamente billiger machen.. oder ist das vielleicht das ganze Geschäft dahinter?? You'll never know..
      4 5 Melden
    • BeWi 12.06.2015 13:17
      Highlight und meine KK Prämie beläuft sich auf auf ca. 15'000 pro Jahr. Die KK könnte ja Männer/Schwulen/Rumvögler/Tinder Spezialkosten einführen - zur Erkennung würde ich einen Penis auf den Arsch tätowieren vorschlagen.. Immer schweirig, die Moral mit den Kosten zu begründen..
      3 8 Melden
    • BeWi 12.06.2015 13:19
      Highlight einfach nochmals: 300 neue Ansteckungen im Jahr in der CH weist einfach darauf hin, dass HIV nicht ganz so aggressiv ist, wie man und das gerne glauben machen wollte. Oder sind alle geläutert und benutzen nur noch Gummis? Wohl kaum..
      4 7 Melden
  • frankyfourfingers 12.06.2015 11:45
    Highlight warum pusht ihr so reisserisch? im Artikel steht "es wird empfohlen", die push-Nachricht klingt, als würden die forscher eine gesetzliche Verankerung fordern. Im Allgemeinen wäre der regelmässige check wohl allen zu empfehlen, die ungeschützten sex mit wechselnden Partnern haben...
    21 1 Melden
  • NRK 12.06.2015 11:45
    Highlight und wieso müssen jetzt SCHWULE alle 3 monate zum check?? das hat doch nichts mit der sexuellen ausrichtung eines menschen, sondern mit kondom oder nicht kondom zu tun, oder habe ich da was falsch verstanden?
    20 3 Melden
  • BeWi 12.06.2015 11:40
    Highlight Ist ja wieder mal super, über HIV und über den Klimawandel kann uns ja alles erzählt werden, das müssen(?) wir ja glauben. Wie sollen denn ums Himmels willen diese Symptome erkannt werden? Hat man die armen Typen unter "Laborbestimmungen" intravenös angesteckt? und dann 3 Wochenlang in Quarantäne gesteckt? Nur so um mal zu schauen? Wir wissen alle: Grippen Symptome gibt es immer wieder, vor allem jetzt mit der hohen Pollenkonzentration in der Luft. Aber ja, nach den Forschern sind wir ja alle infiziert, wir wissen es ja nicht. Ist nur irgendwie doof, dass die Statistik eine ganz klar..
    1 6 Melden
  • Andi333 12.06.2015 11:36
    Highlight Oder wie wärs wenn wir alle Schwulen brandmarken? An gut sichtbarer Stelle versteht sich. Alternativ könnten sie auch anstelle eines gelben Sterns ein pinkes Kreuz an der Kleidung tragen müssen?
    15 3 Melden
  • Stefan Schmidlin 12.06.2015 11:35
    Highlight Längst nicht alle Männer die Sex mit Männern haben, identifizieren sich selbst als schwul. Der Titel ist also wirklich boulevardesk. Eine etwas differenziertere Sichtweise, wie sie die Forscher selbst durchaus haben, täte auch dem Artikel gut.
    20 1 Melden
  • Sneez 12.06.2015 11:23
    Highlight Warum diese Tests nicht schon längst gratis angeboten werden, ist mir ein Rätsel. Ich denke dann würden sich mehr Leute häufiger testen lassen. Im Spital kostet dieser Test Fr.80.- inkl. Syphilis. Das hat halt nicht jeder immer übrig. Und mit einer Franchise von 2500.- zahlt man so kleinen kram ja eh immer aus eigener Tasche.
    20 4 Melden
  • SaveThisPlanet 12.06.2015 11:21
    Highlight dann müssen heteros alle 3 monate zum homophobiecheck -> risikogruppe
    39 13 Melden
  • Liunilo 12.06.2015 11:19
    Highlight Eine HIV Erkrankung ist ganz klar in der Intimsphäre anzusiedeln, welche zu schützen ist und in welcher Eingriffe durch Staat oder ähnlichen nicht gerechtfertigt sind. Deswegen darf eine Testpflicht nicht vorgeschrieben werden.
    21 8 Melden

Und dann war das Model zu dick ... Der Zürcher Walter Pfeiffer lebt im Glamour-Himmel

Er fotografiert Cara Delevingne oder Clown Pennywise aus «It». Er jettet um die Welt und jobbt für Dior und die «Vogue». Mit 71. Zeit für eine kleine Liebeserklärung. Und einen Dokfilm!

Walti, was ist dein Trick? «Wenn die Leute schön sind, dann gibt’s auch schöne Fotos.» – «Das ist alles?» – «Ja.» Zu den schönen Leuten, mit denen Walter Pfeiffer an einem ganz normalen Tag arbeitet, gehören zum Beispiel Cara Delevingne oder Bill Skarsgard, der Mann unter der Maske von Pennywise in der neuen «It»-Verfilmung. Den hat er grad in London für «Dazed» geshootet. Mit vielen bunten Ballonen. Denn Walters Welt ist bunt, schön und leicht. Entspannte Bilder von happy people.

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