Justiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Die Studenten an der «Jägerstrasse» zahlten ihre Mieten auf ein verstecktes Konto ein. Bild: zvg

Winterthur 

Knatsch um Studentenwohnungen: Schwere Veruntreuungs-Vorwürfe gegen Stiftungs-Präsident 

Der Verein Swowi in Winterthur kümmert sich seit Jahren um bezahlbaren Wohnraum für Studenten. Jetzt erheben die Vorstandsmitglieder schwere Vorwürfe gegen ihren Vereinspräsidenten: Er soll sich über Jahre unrechtmässig bereichert haben.

20.03.14, 19:23 20.03.14, 21:35

Heute Donnerstagabend findet in Winterthur eine Generalversammlung (GV) statt, die eigentlich keine ist. Zumindest gemäss dem Vorstand des Vereins Studentisches Wohnen Winterthur (Swowi). Die Swowi stellt für mehr als 300 Studenten in 14 Liegenschaften Zimmer zwischen 450 und 730 Franken bereit. 

Fünf von sieben Vorstandsmitglieder erheben schwere Vorwürfe gegen ihren Vereinspräsidenten, der die heutige ausserordentliche GV im Alleingang einberufen hat. Der Präsident Heinz Inglin sei seit Januar suspendiert und eine Generalversammlung könne gemäss Vereinsstatuten nur vom Gesamtvorstand einberufen werden, informiert der Vorstand seine mehreren hundert Vereinsmitglieder per E-Mail: «Wir sehen uns deshalb gezwungen, Sie über einige bedenkliche Entwicklungen in unserem Verein zu informieren.»

166'100 Franken auf Privatkonti geleitet

Die Vorstandsmitglieder werfen Inglin unter anderem vor, sich von einem über Jahre vor dem übrigen Vorstand und jeglicher Buchhaltungsprüfung versteckten Konto Geldbeträge auf eigene Privatkonti überwiesen zu haben. Auf das unbemerkt gebliebene Konto zahlten Studenten in der Liegenschaft «Jägerstrasse» ihre Mieten ein.  Von einem Betrag von 166’100 Franken innerhalb von 10 Jahren ist die Rede. Zudem soll Inglin während sieben Jahren von der Charles E. Blatter Stiftung für Studenten gewährte Wohnstipendien abgerechnet haben, obwohl die betreffenden Studenten schon wieder ausgezogen oder nicht stipendienberechtigt waren. 

«Herr Inglin macht den Ruf der Swowi kaputt», sagt Vorstands- und Stiftungsratsmitglied und Aktuar des Vereins Ralph Kranz. Die Swowi ist die einzige Stiftung ihrer Art in Winterthur. An der nächsten gültigen Generalversammlung hätte Inglin als Präsident und Geschäftsführer abgewählt werden sollen. Zudem wurde von einzelnen Vorstandsmitgliedern eine Strafanzeige gegen ihn eingereicht. 

Liegenschaft als «Privatmandat» des Präsidenten  

Heinz Inglin bestreitet jegliche unrechtmässigen Bezüge. Der emeritierte Physikdozent der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) präsidiert den Verein sowie die dazugehörige Stiftung seit mehr als 18 Jahren. Die eine von 14 Liegenschaften – das Studentencamp an der Jägerstrasse – sei ihm vom früheren Präsidenten des Vereins als Privatmandat übertragen worden, weil man eine komplizierte Buchhaltung verhindern wollte, sagt er. Die Beträge über 166’100 seien überdies sein vereinbarter Lohn. Die Unregelmässigkeiten bei den Wohnstipendien seien lediglich Fehler, die in all den Jahren manchmal passieren könnten. An der heutigen GV will er sich rechtfertigen. 

Dass das Camp an der Jägerstrasse ein Privatmandat gewesen sein soll, kann Ralph Kranz nicht gelten lassen. «Das Camp wird wie die anderen von der Swowi verwaltet und möbliert, die Bewohner schliessen einen rechtsgültigen Vertrag mit Swowi ab, werden automatisch zu Vereinsmitgliedern und zahlen die Miete auf ein auf Swowi lautendes Bankkonto ein.» Auch ehemalige Studenten sagen, sie seien immer der Meinung gewesen, in einer Swowi-Liegenschaft gewohnt zu haben. Zusätzlich fragwürdig erscheint, dass der ganze Vorstand nicht über die genaue Entlöhnung ihres Präsidenten informiert gewesen sein soll und der Vereinskassier der Schwiegersohn der Lebenspartnerin von Inglin ist. Gegen Inglin läuft auch ein Stiftungsaufsichtsverfahren. 



Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

Abonniere unseren Daily Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

SelbstbestimmungsHÄ? Die 7 wichtigsten Antworten zur SVP-Initiative gegen «fremde Richter»

Die Selbstbestimmungsinitiative will Landesrecht über Völkerrecht stellen. Am 25. November stimmen wir darüber ab. Was bedeutet das genau? Wer ist dafür, wer dagegen? Die wichtigsten Punkte im Überblick.

Die sogenannte Selbstbestimmungsinitiative (SBI) will, dass die Schweizer Verfassungsbestimmungen gegenüber dem Völkerrecht Vorrang haben. Dieser Grundsatz wird bei einem Ja zur SBI in der Bundesverfassung (BV) verankert. Es dürfen keine neuen völkerrechtlichen Verpflichtungen eingegangen werden, die der Bundesverfassung widersprechen. Besteht ein Konflikt zwischen einem bestehenden völkerrechtlichen Vertrag und der Verfassung, geht die BV in jedem Fall vor. Ausgenommen davon wären einzig …

Artikel lesen