Luftfahrt
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Bergung des AF447-Flugdatenschreibers 2011. Bild: AP BEA / ECPAD

Streamen statt Speichern

Aus für den alten Flugdatenschreiber? Das MH370-Drama belebt die Forderung nach der Live-Blackbox

10.03.14, 14:08 24.06.14, 09:34

Bisher fehlt jeglicher Hinweis auf den Verbleib von Flug MH370 der Malaysia Airlines – drei Tage nach ihrem mysteriösen Verschwinden über dem Chinesischen Meer. Gut möglich, dass die quälende Ungewissheit der Angehörigen noch lange andauern wird. Das letzte Mal, als ein Verkehrsflugzeug plötzlich vom Radar verschwand, vergingen zwei Jahre, bevor sein Wrack gefunden wurde.

Und wie 2009 nach dem Absturz vom Air France Flug 447 über dem Atlantik stellt sich auch diesmal die Frage: Warum speichern Verkehrsflugzeuge sicherheitsrelevante Daten auf dem Flugschreiber, statt sie fortlaufend an die Erde zu übermitteln? Mit diesen Informationen würde sich die Suche nach MH370 viel einfacher gestalten. Kommt hinzu, dass die Technologie der «Live-Blackbox» längst existiert und auf kleineren Flugzeugen auch schon eingesetzt wird.

Live-Blackbox kostet viel und bringt wenig

Doch grosse Airlines sträuben sich bisher gegen die Live-Blackbox. Der Grund liegt in einer einfachen Kosten-Nutzen-Analyse, die deutlich für den alten Flugdatenschreiber spricht:

AF447 und MH370 stellen sehr seltene Ausnahmen dar, denn die meisten Abstürze ereignen sich bei Start und Landung – entsprechend einfach gestalten sich Ortung und Bergung des Flugdatenschreibers. In den vergangenen vier Jahrzehnten konnten laut dem Branchenverband IATA lediglich elf Blackboxes nicht geborgen werden. Der letzte Fall einer westlichen Airline geht auf die Terroranschläge des 11. Septembers 2001 zurück, als zwei Flugzeuge im Inferno des World Trade Centers komplett pulverisiert wurden.

Dem geringen Nutzen stehen horrende Kosten gegenüber: Die Ortung von Air France 447 und seinem Flugdatenschreiber in 4000 Metern Meerestiefe kostete zwar über 40 Millionen Dollar. Doch die Installation und vor allem der Betrieb von Live-Blackboxen ist noch teurer: Airlines mit grossen Flotten entstünden gemäss Schätzungen jährliche Mehrkosten von mehreren hundert Millionen Dollar – schlechte Aussichten für eine Branche, die notorisch an der Grenze der Rentabilität operiert.

Vor allem die stundenlange Datenübermittlung via Satellit würde enorme Kosten verursachen. Oder wie es ein Branchenexperte 2010 gegenüber der New York Times ausdrückte: «Die wahren Kosten sind nicht das System, sondern die Telefonrechnung.»

EU will die Live-Blackbox 

Um den Business Case der Live-Blackbox zu verbessern, müsste am Kostenblock Übermittlung erheblich geschraubt werden. Eine Möglichkeit wäre, die Liveübertragung nur bei Anzeichen eines bevorstehenden Notfalls auszulösen. Die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) schlug dies 2012 der EU-Luftfahrtbehörde vor, der auch die Schweiz angehört. Eine entsprechende Regelung wurde im Februar vom EU-Parlament verabschiedet und soll im Mai in Kraft treten und bis 2015 vollständig umgesetzt sein.

Mehr zum verschollenen Flug MH370.



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    Alle Leser-Kommentare
  • Adiii 10.03.2014 14:41
    Highlight In den letzten Jahren zeigte sich vermehrt, dass schlussendlich ein Kompromiss (der Kosten senkte) zu einem Unglück führte. Man würde besser dort weniger Kompromisse eingehen. Eine Blackbox, welche die Daten live überträgt, könnte aber evt. entscheidende Daten liefern, welche untypische Verhaltensmuster eines Flugzeuges früh genug zeigen. So könnte man eingreifen bevor es zu spät ist... Flugzeughersteller und Airlines sollten sich nicht damit zufriedengeben, dass Fliegen bereits sehr sicher ist.
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