Russland
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Pro-Russian armed men ride on top of an armoured personnel carrier near the town of Slaviansk, eastern Ukraine, May 5, 2014. Pro-Russian separatists ambushed Ukrainian forces on Monday, triggering heavy fighting on the outskirts of the rebel stronghold of Slaviansk, Interior Minister Arsen Avakov was quoted as saying. REUTERS/Baz Ratner (UKRAINE - Tags: POLITICS CIVIL UNREST)

Der ukrainische Innenminister Arsen Awkanow schätzt, dass etwa 800 bewaffnete Separatisten die Stellungen in Slawjansk halten. Bild: Reuters

Krieg in der Ukraine

Viele Tote in Slawjansk

Nahe der umkämpften ostukrainischen Stadt Slawjansk haben prorussische Kräfte erneut einen Kampfhelikopter der Regierungstruppen abgeschossen. Beim Vorrücken ukrainischer Regierungstruppen haben beide Seiten schwere Verluste erlitten.

epa04190733 A pro-Russian supporter holds a gun in front of a local administration building in Kramatorsk, Ukraine, 04 May 2014. Deaths were reported in clashes between pro-Russian activists and Ukrainian troops 03 May in several eastern Ukraine as separatists there released military observers from the Organization for Security and Co-operation in Europe (OSCE). Heavy fighting broke out in Kramatorsk as the government in Kiev carried out a 'counterterrorism' offensive to curb the unrest in the east. Interior Minister Arsen Avakov said a television tower and several roadblocks were taken over by government troops in the city.  EPA/MAXIM SHIPENKOV

Prorussischer Separatist in Krematorsk. Bild: EPA/EPA

Ein Sprecher der selbst ernannten, prorussischen Volksmiliz sprach am Montag von etwa 20 getöteten Aktivisten. Auch auf Seiten der Regierungstruppen gab es Tote, wie Innenminister Arsen Awakow sagte. Aus seinem Ministerium verlautete, dass vier Einsatzkräfte getötet und 30 verletzt worden seien.

In Slawjansk nördlich der Gebietshauptstadt Donezk sind seit Tagen ukrainische Soldaten mit Panzerfahrzeugen und Helikoptern im Einsatz. Slawjansk ist eine strategisch wichtige Stadt mit einem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt.

Die Separatisten rühmten sich, den Angriff der Regierungstruppen zurückgeschlagen zu haben. «Wir konnten unter grossen Anstrengungen ein Eindringen des Gegners in die Stadt verhindern. In unseren Reihen gibt es viele Tote», zitierte die Agentur Interfax am Montag einen Sprecher der Separatisten. Kugeln hätten eine Gastankstelle getroffen, die daraufhin explodiert sei, meldete die Agentur Interfax unter Berufung auf Aktivisten.

Helikopter abgeschossen

In der Stadt sind seit Tagen ukrainische Soldaten mit Panzerfahrzeugen, Helikopter und gepanzerte Fahrzeuge im Einsatz. Die «Anti-Terror-Operation» der prowestlichen Regierung in Kiew soll eine Abspaltung der Ostukraine von der Ex-Sowjetrepublik verhindern. 

Nahe der umkämpften ostukrainischen Stadt Slawjansk haben prorussische Kräfte erneut einen Kampfhelikopter der Regierungstruppen abgeschossen. Die Besatzung des Mi-24 habe den Absturz in einen Fluss überlebt, teilte das Verteidigungsministerium in Kiew am Montag mit. 

Es soll wieder zu Angriffen durch die ukrainischen Regierungstruppen gekommen sein. Wie militante prorussische Kräfte mitteilten, seien mindestens fünf Angehörige der «Selbstverteidigungskräfte» schwer verletzt worden, teilte ein Sprecher der Stabs der Agentur Inferfax mit.

«Es gab Tote»

Wenig später meldete der ukrainische Innenminister Arsen Awakow bei einem Kontrollpunkt der Armee: «Es gab Tote.» Ob die Opfer aus den Reihen der Regierungstruppen oder der Separatisten kommen, blieb zunächst offen. Awkanow schätzte, dass etwa 800 bewaffnete Separatisten die Stellungen in Slowjansk hielten. «Sie setzen schwere Waffen ein, schiessen mit grosskalibrigen Waffen, benutzen Granatwerfer und sonstige Technik», sagte der Minister.

Mindestens zwei Radpanzer mit Separatisten haben daraufhin fluchtartig östliche Vororte der Stadt verlassen. Bild: AP/AP

Ein Reuters-Korrespondent berichtete, dass die Kämpfe offenbar immer näher ans Zentrum heranrücken. Derweil meldeten russische Medien eine neue Geiselnahme: Offenbar haben die Milizen in Donezk vier neue Geiseln genommen. Es soll sich dabei um Mitarbeiter der Stadtverwaltung handeln. Näheres ist nicht bekannt.  

Grösste ukrainische Bank schliesst Filialen in den Separatisten-Hochburgen

Die grösste ukrainische Bank hat ihre Filialen in Donezk und Luhansk vorübergehend geschlossen. In den vergangenen zehn Tagen seien dort 24 Niederlassungen, 38 Geldautomaten und elf Geldtransporter Ziel von Überfällen, Brandstiftung oder Einbrüchen gewesen, begründete das Institut Privatbank den Schritt am Montag. Unter solchen Umständen können man von den Mitarbeitern in den betroffenen ostukrainischen Regionen nicht erwarten, zur Arbeit zu gehen.

Eine Filiale der Privat Bank in Mariupol war das Ziel von Angriffen Bild: Reuters

Die Privatbank ist ins Visier der Rebellen geraten, nachdem ihr Miteigentümer, der Milliardär Igor Kolomoiski, von der Übergangsregierung in Kiew zum Chef der nahe gelegenen Region Dnipropetrowsk ernannt wurde. Der nach Angaben des Magazins «Forbes» viertreichste Mann der Ukraine hatte daraufhin unter anderem eine Belohnung von 10'000 Dollar für jeden ergriffenen «Saboteur» ausgesetzt.

Pro-Russia protesters burn a Ukranian flag outside the district council building in Donetsk, eastern Ukraine May 4, 2014. Ukrainian Prime Minister Arseny Yatseniuk accused Russia on Sunday of engineering clashes in Odessa that led to the deaths of more than 40 pro-Russian activists in a blazing building and pushed the country closer to civil war. REUTERS/Marko Djurica (UKRAINE - Tags: POLITICS CIVIL UNREST)

Prorussische Separatisten verbrennen eine ukrainische Flagge in Donezk. Bild: Reuters

Russland erhebt Vorwürfe gegen Kiew

«Repressionen, physische Gewalt und offenes Banditentum»

Das russische Aussenministerium prangerte in einem Bericht schwere Menschenrechtsverletzungen der Anhänger der prowestlichen Regierung in der Ukraine an. Diese würden Gegner mit «Repressionen, physischer Gewalt und offenem Banditentum» einschüchtern, heisst es. Zudem seien in der Ukraine Ultranationalismus, Extremismus und Neonazismus auf dem Vormarsch.

Das «Weissbuch» des Ministeriums sei Präsident Wladimir Putin überreicht worden, teilte der Kreml am Montag mit Chefdiplomat Sergej Lawrow rief vor einem Aussenministertreffen des Europarats an diesem Dienstag in Wien dazu auf, das Gremium müsse bei der Umsetzung einer tiefgreifenden Verfassungsreform in der Ukraine helfen. Zudem müsse der Europarat Menschenrechtsverletzungen in der früheren Sowjetrepublik im Zuge des Machtwechsels genau untersuchen. 

Ukraine wirft Russland Kriegstreiberei vor

«Die Bürger dieser Regionen unterstützen die Separatisten, sie unterstützen die Terroristen.»

Interimspräsident Alexander Turtschinow

Seinerseits erhebt auch Kiew Vorwürfe gegen Russland. «Es ist ein Krieg gegen unser Land im Gange vonseiten der Russischen Föderation – sowohl im Osten als auch im Süden des Landes», sagte der ukrainische Interimspräsident Turtschinow dem Kiewer Fernsehsender 5. Kanal. Russland versuche weiter, die Lage vor der Präsidentenwahl am 25. Mai «völlig zu destabilisieren». 

Dabei habe Moskaus Führung im Osten der Ukraine ihre Pläne bereits verwirklicht. Auch das russische Staatsfernsehen strahlte am Montag den Teil des Interviews aus, in dem Turtschinow einräumte, dass es in der Region Sympathien für eine Abspaltung von der Ukraine gebe. «Sagen wir doch mal ehrlich: Die Bürger dieser Regionen unterstützen die Separatisten, sie unterstützen die Terroristen, was die Durchführung der Anti-Terror-Operation erheblich erschwert», sagte der Interimspräsident in dem auch in Moskau gezeigten Fragment. 

Erschwerend komme hinzu, dass die Polizei mit den prorussischen Kräften sympathisiere. «Das ist ein kolossales Problem», sagte Turtschinow. Der Politiker warf dem im Februar gestürzten Präsidenten Viktor Janukowitsch vor, die «Provokationen» zu finanzieren. Janukowitsch hält sich in Russland auf.

(dwi/sda/dpa) 

Die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine

>>> Didier Burkhalter hat angekündigt, den russischen Präsidenten Putin zu Gesprächen über die Ukraine-Krise zu treffen. Die Gespräche sollen am Mittwoch in Moskau stattfinden.
>>> Gestern Nachmittag haben prorussische Aktivisten in Odessa Gefangene aus einer Polizeizentrale befreit. Die Sicherheitskräfte sahen tatenlos zu.
>>> Am Samstag wurden schwere Kämpfe im Osten der Ukraine gemeldet. Die OSZE-Beobachter wurden befreit.
>>> In der Nacht auf Freitag starben Dutzende prorussische Aktivisten, als in Odessa ein Gewerkschaftshaus in Brand gesetzt wurde.



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    Alle Leser-Kommentare
  • Horny 05.05.2014 16:08
    Highlight Highlight Mittlerweile ist von der Pressesprecherin Stella Charajewa des Bürgermeisters in Slawjansk kommuniziert worden, das Ramsan Kadirov freiwillige Tschetschenen über einen freigekämpften Grenzkorridor zu Russland gesendet haben soll. Es werden auch freiwillige Rekrutierungsbüro von prorussischen Ostukrainer betrieben.
  • Horny 05.05.2014 12:12
    Highlight Highlight Es wird offensichtlich, dass sowohl Kiew wie der Rest der Ukraine in den Führungspositionen "Extremisten" beherbergen. Beide arbeiten intensiv mit Propaganda und Provokation. Kiew mit der Unterstützung der Weststaaten, obschon der Rechtsextremismus nachweislich in der Regierung sitzt. Der Osten und nun wohl auch der Süden, soll von russischer Seite unterstütz werden, bewiesen wurde dies jedoch nicht, oder wenn, dann mit offensichtlichem Propagandamaterial aus dem Jahr 2008, 2010 und 2011, angeblich von der NATO und USA.
    Kiew wirft dem Staatspersonal im Osten und Süden Verfassungsbruch vor, und sendet die ukrainische Armee, umbenannt in "anti-Terror-Einheit" gegen das eigene Volk, obschon auch Dies die ukrainische Verfassung klar verbietet. Es ist also unmissverständlich offensichtlich, das der ukrainische Staat viele Extreme beherbergt. Egal ob in Kiew oder anderen Regionen, egal ob Terroristen oder Extremisten, beide Verhalten sich absolut identisch, mit einer wesentlichen Differenz, was Kiew unternimmt, findet Unterstützung des Westens, egal ob das eigene Volk beschossen wird. Die Vorwürfe gegenüber Russland sind zumindest geschichtlich nachvollziehbar, was aber gezielt gegen Russland eingesetzt wird.
    In Tat und Wahrheit, greift der Westen direkt Russland an, mit der Entscheidungsfrage an die Ukraine und bricht somit ihr Versprechen, nicht an einer Osterweiterung interessiert zu sein.

Kommt's zum Krieg zwischen Ukraine und Russland? – Was du wissen musst

Update: Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat überraschend seinen zuvor veröffentlichten Erlass über die Verhängung des Kriegsrechts abgeändert. «Ich werde dem Parlament vorschlagen, das Kriegsrecht für 30 Tage zu verhängen», sagte er am Montag in einer TV-Ansprache in Kiew.

Der Streit zwischen Russland und der Ukraine hatte am Wochenende bedrohliche Formen angenommen. Die russische Küstenwache verweigerte ukrainischen Militärschiffen die Durchfahrt durch die Meerenge von …

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