Schweiz
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Eine alte Studie der AKW-Betreiber wirbelt Staub auf

1997 veröffentlichte die Axpo-Vorgängerfirma eine brisante Studie. Jetzt distanziert sie sich von den damaligen Szenarien – weil sich die Parameter geändert hätten. Atom-Gegner werfen der Politik Untätigkeit vor.

Antonio Fumagalli / Nordwestschweiz



Die Artikel schlugen ein wie eine Bombe: «Die Atomindustrie hält einen Ausstieg für möglich», titelte die «SonntagsZeitung» am 16. März 1997. Der «SonntagsBlick» vermeldete gleichentags gar: «Atomlobby sieht ein: Kernenergie hat keine Zukunft».

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Vor 15 Jahren überraschten die Betreiber mit Ausstiegszenarien – heute kämpfen sie für den Weiterbetrieb. ihrer Atomkraftwerke. Bild: © Foto: Keystone, Montage: mia/nch

Hintergrund: Die Nordostschweizerischen Kraftwerke (NOK, heute Axpo) hatten eine Studie über die «Grenzen und Möglichkeiten einer dezentralen Stromversorgung in der Schweiz» verfasst, die noch vor der Veröffentlichung den Weg an die Medien gefunden hatte. Brisant war insbesondere der Befund, dass gemäss ihren Berechnungen der Strombedarf der Schweiz im Jahr 2030 ohne Atomenergie gedeckt werden könnte. Dies, wenn die Versorgung mit dezentralen Klein- und Gaskraftwerken gesichert werde – was für die NOK ein lohnenswertes Geschäftsfeld hätte sein können. Dennoch hatte man von Seiten der Betreiber eine solche Aussage nicht erwartet.

Ähnliche Fragen wie damals

Heute, fast zwanzig Jahre später, stellt sich die Schweizer Stimmbevölkerung wiederum ähnliche Fragen: Wie soll die Energiezukunft der Schweiz aussehen? Ist es möglich, ab 2029 gänzlich auf (einheimischen) Atomstrom zu verzichten? Genau dies fordern nämlich die Grünen in ihrer Initiative, über die am 27. November abgestimmt wird. Die AKW-Betreiber bekämpfen die Vorlage und beteiligen sich auch finanziell «im vertretbaren Rahmen» (Axpo) an der Gegenkampagne.

Mit anderen Worten: Von einem Szenario ohne Atomstrom, wie sie es 1997 selbst skizziert hat, will die Branche heute nichts mehr wissen. Die hiesigen Atomkraftwerke sollen so lange weiterlaufen, wie sie «sicher» sind und es sich lohnt. «Mit ständigen Nachrüstungen und Erneuerungsinvestitionen in Höhe von rund 2.5 Milliarden Franken haben wir dafür gesorgt, dass das Kernkraftwerk Beznau jederzeit modernste Sicherheitsstandards einhält und diese in vielen Bereichen übertrifft», hält die Axpo fest.

Das Volk stellte die Weichen

Für die Befürworter der Initiative zeigen die Diskussionen von damals allerdings, dass sich die Energiepolitik im Kreis drehe. Im Gegensatz zu Nachbarländern wie Italien und vor allem Deutschland habe es die Schweiz verpasst, in erneuerbare Energien oder dezentrale Wärmekraftkopplungen zu investieren. «Wir haben die letzten zwanzig Jahre schlicht verschlafen», sagt Heini Glauser, früher Vizepräsident der Energiestiftung SES.

Das Bundesamt für Energie (BFE) wehrt sich vehement gegen diesen Vorwurf: Szenarien seien keine Prognosen, sondern «Wenn-Dann-Modelle», die sich aus Annahmen über die Rahmenbedingungen ableiteten. Doch diese verändern sich stetig. «Die meisten Szenarien setzten auf weniger Verbrauch, mehr Effizienz und die Stärkung der erneuerbaren Energien sowie auf Block-Heiz-Kraftwerke. Manches ist anders gelaufen, als damals beschrieben», sagt Sprecherin Marianne Zünd. Hinzu kommen Volksentscheide, welche die «Ausrichtung der Schweizer Energieversorgung bestimmt haben». Das BFE verweist etwa auf die «Energiesteuer- statt Mehrwertsteuer»- oder die «Strom ohne Atom»-Initiative, die deutlich scheiterten.

AKW steigerten Leistung massiv

Der Anteil der Wasserkraft an der hiesigen Stromversorgung ist hoch. Dafür hinken die neuen Erneuerbaren – vor allem Wind und Photovoltaik – im internationalen Vergleich hinterher. Atom-Gegner Glauser sieht in der Leistungssteigerung der Kernkraftwerke einen Grund dafür. «Es gab nie genug Leidensdruck, weil man aus den AKW alles herauspresst», sagt er. In der Tat haben alle fünf Schweizer AKW ihre Megawatt-Leistungen seit Inbetriebnahme massiv erhöht, bei Leibstadt beispielsweise von 950 MW auf 1220 MW (+28 Prozent).

Die Betreiber bestätigen die Zahlen auf Anfrage. Die Produktionserhöhung sei auf den Austausch von Komponenten zurückzuführen – bei Beznau etwa der Austausch des Dampferzeugers, wie die Axpo festhält. Beim KKW Leibstadt gibt es neben Dampfturbinen auch einen neuen Generator und Kondensator. Dass – wie es die Initiativbefürworter behaupten – andere Bestandteile und damit die Sicherheit unter der Erhöhung der Nennleistung leidet, weisen die Betreiber von sich: «Bei allen Modernisierungs- und Erneuerungsprojekten steht die nukleare Sicherheit vor der Wirtschaftlichkeit an erster Stelle.» (aargauerzeitung.ch)

Tschernobyl, Fukushima und Co.: Die 15 teuersten Störfälle in AKWs

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    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 20.10.2016 07:19
    Highlight Highlight Warum keinen Versuch mit mehr Energieeffizienz, mehr neuen erneuerbaren Energien und neuen Stromabkommen mit dem Ausland wagen? Falls das nicht genügt für eine sichere Energieversorgung in der Schweiz, könnten wir innert kurzer Frist Gaskraftwerke erstellen.
    1 0 Melden
  • D(r)ummer 19.10.2016 13:02
    Highlight Highlight Kann ich Empfehlen...

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    1 0 Melden
  • R&B 19.10.2016 11:51
    Highlight Highlight Fukushima und Tschernobyl haben gezeigt, dass Atomstrom sehr gefährlich ist und das Risiko eines Gaus grösser als kalkuliert ist.
    Wenn eines der AKWs in der Schweiz hochgeht, ist rund die Hälfte der Schweiz nicht mehr bewohnbar (eigentlich das fast das ganze Mittelland).
    Darum gibt es für mich nur eine logische Konsequenz: Schneller Ausstieg, denn wir werden keine Stromlücke haben.
    14 1 Melden
    • Regas 19.10.2016 13:52
      Highlight Highlight Ia, machen wir es doch wie die Österreicher, die den Atomstrom aus dem benachbarten Temelin in Tschechien beziehen und dadurch mit schneeweisser Weste ohne das böse Atom über die Runden kommen. Um die Abfälle müssen sich diese schlauen Österreicher natürlich auch nicht kümmern.
      1 4 Melden
  • molekular 19.10.2016 08:34
    Highlight Highlight «Mit ständigen Nachrüstungen und Erneuerungsinvestitionen in Höhe von rund 2.5 Milliarden Franken haben wir dafür gesorgt, dass das Kernkraftwerk Beznau jederzeit modernste Sicherheitsstandards einhält und diese in vielen Bereichen übertrifft»

    Wie kann man "modernste Sicherheitsstandards" übertreffen?
    35 5 Melden
    • Olaf! 19.10.2016 08:50
      Highlight Highlight Der Sicherheitsstandard will zB. 5m hohe Zäune, der gebaute Zaun ist 10m hoch, ergo Sicherheitsstandard übertroffen?
      22 1 Melden
    • atomschlaf 19.10.2016 09:19
      Highlight Highlight Dummes PR-Geschwätz. Mehr nicht.
      35 5 Melden
    • Wehrli 19.10.2016 09:36
      Highlight Highlight Dummes Pr-Geschwätz der AKW Gegner?
      2 33 Melden
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  • #bringhansiback 19.10.2016 08:02
    Highlight Highlight Der Bau von erneuerbaren Energiequellen sollte vereinfacht werden. Bei Solarzellen oder kleinen Windrädern z.B sollte es keine Baubewilligung mehr benötigen, außer dass Gebäude steht unter Heimat- oder Denkmalschutz.

    Aber das wollen die Stromkonzerne nicht, wäre dies für viele ihr Untergang. Alles was es dann noch brächte wäre die Swissgrid welche das Netz unterhält.

    54 7 Melden
    • Albi Gabriel 19.10.2016 08:20
      Highlight Highlight Ach, die bösen Stromkonzerne setzen sich also für schärfere Baugesetze ein... Im Normalfall kommen Vorschläge für Verschärfungen im Baurecht oder deutsch gesagt für die Einschränkung der Grund- oder Hauseigentümer genau von der Seite, die in einem anderen Politikfeld den Atomausstieg fordern. Notabene auch dieselben, die bei jedem Photovoltaikprojekt (z.B. Walensee) oder Windkraftprojekt (z.B. Lumnezia) alles blockieren.
      13 23 Melden
    • atomschlaf 19.10.2016 09:24
      Highlight Highlight @Gabriel: Du hast leider recht, dass ewiggestrige Bewahrer, fanatische "Naturschützer" und AKW-Gegner oft aus der gleichen politischen Ecke kommen und teilweise obige Merkmale sogar in Personalunion vereinen.

      Wie man beispielsweise am Grimsel gesehen hat, wollen diese Kreise auch den vernünftigen Ausbau der Wasserkraft verhindern. Dabei werden leistungsfähige Pumpspeicherkraftwerke mit zunehmendem Solar- und Windanteil noch wichtiger werden - und dann hoffentlich auch wieder wirtschaftlich zu betreiben sein.
      21 1 Melden
    • Regas 19.10.2016 09:28
      Highlight Highlight Ja und mit dem Swissgrid wird dan einfach die Einspeiseleistung der Solaranlagen reduziert, damit das Stromnetz nicht überlastet wird wenn die Sonne scheint !? Staubsaugen, Waschen, Föhnen, Kochen, Heizen immer nur wenn die Sonne scheint oder die Tesla Wall Batterie noch nicht leer ist. Und dan hoffen das der Hochnebel endlich wieder verschwidet, damit die Batterie nachgeladen werden kann.
      0 24 Melden
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  • atomschlaf 19.10.2016 07:50
    Highlight Highlight Studie hin oder her. Das Risiko, in einem derart kleinen und dichtbesiedelten Land wie der Schweiz weiterhin solche Uralt-AKWs zu betreiben, ist mir schlicht zu gross. Noch dazu, wenn man diese mittels Leistungssteigerungen bis auf Äusserste ausreizt.

    Darum ein klares JA zur Ausstiegsinitiative.

    Angesichts des gegenwärtigen Stromüberschusses in Europa drohen vorderhand auch keine Engpässe und die kommenden Jahre kann man dazu nutzen, die erforderliche Kapazität aus Sonne, Wind, Wärme-Kraft-Kopplung und Ausbau der Wasserkraft bereitzustellen.
    89 4 Melden
    • Posersalami 19.10.2016 08:11
      Highlight Highlight so sxhauts aus
      21 2 Melden
    • hcb78 19.10.2016 08:53
      Highlight Highlight absolut einverstanden.
      die Atomstrombefürworter dagegen ins Land führen ist ja dass sie lieber Schweizer Atomkraftwerke haben welche "sicher" sind, als Strom aus dem Ausland zu importieren wo man nicht sicher sein kann und abhängig. Persönlich ist mir das Risiko einfach zu gross und deshalb auch wenn der Strombedarf in Zukunft nicht gedeckt wäre sässe ich lieber mal im Dunkeln als im Dunkeln grün zu leuchte. Ich habe mich bei unseren Stadtwerken erkundigt und bezieh jetzt „grünen“ Strom aus erneuerbaren Energien (Wind, Wasser und Sonne). Dies kostet mich pro Jahr ca. CHF 60.- mehr. Peanuts!
      20 2 Melden
    • Wehrli 19.10.2016 09:37
      Highlight Highlight Den Stromüberschuss in Europa haben wir aufgrund von Kohle, Gas und AKWs. Lieber mit dem Velo zur Migros und Blümchen im Bauch als Nachdenken.
      4 17 Melden
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  • Henzo 19.10.2016 07:50
    Highlight Highlight Von Atomstrom im Inland auf Atomstrom aus dem Ausland wechseln scheint mir etwas gar heuchlerisch. Auf der einen Seite spricht man davon Benzin- und Dieselautos durch Elektroautos zu ersetzen und auf der anderen Seite will man dann den Strom dafür aus fossilen Brennstoffen gewinnen. macht auch wenig Sinn,da dadurch die Effizient extrem sinkt. Was man auch nicht vergessen darf: wenn plötzlich alle Elektroautos fahren, dann brauchts noch mehr Strom. Alternativ gibts H2 als Brennstoff ...aber auch hier braucht man sehr viel Strom für die Hydrolyse (enorm schlechter Wirkungsgrad). Macht kein Sinn
    6 45 Melden
    • _kokolorix 19.10.2016 08:21
      Highlight Highlight Wenn alle ihren Fernseher abends abschalten würden, wär schon viel gewonnen! Aber selbst für diese einfache, schmerzlose Massnahme ist die Faulheit der Masse zu gross. Also werden wir um Vorschriften sowieso nicht herumkommen, wollen wir irgendwas ändern.
      Der Beweis, dass wir zu wenig Strom haben werden wurde genauso wenig erbracht wie die Behauptung es habe keine Auswirkung wenn die AKWs abgeschaltet werden. Aber irgendwann werden sie abgeschaltet werden müssen, was dann? Neue bauen ist keine Option, alle Neubauten im Westen sind finanzielle Katastrophen
      15 5 Melden
    • panaap 19.10.2016 08:35
      Highlight Highlight Die Endlagerung aber nicht ansatzweise in die Diskussion einzubeziehen diskreditiert sämtliche Argumente. Bringe da eine Lösung und dann reden wir weiter.
      27 2 Melden
    • atomschlaf 19.10.2016 09:18
      Highlight Highlight @kokolorix_: Am meisten wäre gewonnen, wenn alle ihren Fernseher abschalten und nie mehr einschalten würden. ;-)
      6 4 Melden
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