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Die Zuger mit Carl Klingberg nach dem Spiel beim dritten Eishockey Playoff-Viertelfinalspiel der National League zwischen dem EV Zug und den ZSC Lions, am Donnerstag, 15. Maerz 2018, in der Bossard Arena in Zug. (PPR/Flueeler)

Augen Zug und durch: Müssen die Zuger weiter auf einen richtig guten Trainer warten? Bild: PPR

Warum der EVZ nach der «Angela Merkel der Hockeytrainer» Angst vor einem guten Coach hat

Harold Kreis (59) muss nach vier Jahren vorzeitig gehen. Drei Jahre zu spät. Nun ist die Frage, wie es gelingen kann, den Bären zu waschen ohne ihn nass zu machen.



Harold Kreis ist ein kluger Mann. Eigentlich fast zu klug, um Eishockeytrainer zu sein. Um junge Männer, die fürs spielen bezahlt werden, aus der Komfortzone zu scheuchen. Und zu klug für den Sportchef und für den Manager: Harold Kreis weiss, wie die Macher im Hockey ticken und versteht es auf höchst geschickte Art und Weise, sich diesen Machern anzupassen. Das zu sagen, was sie hören möchten und das zu tun, was sie sehen möchten. Er ist auch schon die Angela Merkel der Hockeytrainer genannt worden. Ein Drittel ist das spöttisch gemeint, ein Drittel ironisch und ein Drittel bewundernd.

ARCHIVBILD ZUR MELDUNG, DASS SICH DER EV ZUG VON HAROLD KREIS TRENNT --- Le coach du HEV Zoug, Harold Kreis, reagit, lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League, entre le Geneve Servette HC et le HEV Zoug, ce jeudi 14 decembre 2017 a la patinoire des Vernets a Geneve. (KEYSTONE/Martial Trezzini)

Harold Kreis, die Angela Merkel unter den Hockeytrainern. Bild: KEYSTONE

Harold Kreis hat vier Jahre lang Zug alles geliefert – ausser das, was Zug eigentlich braucht: den grossen Erfolg. Er war freundlich, vermied jede Form von Polemik und er hat die Zuger in einen sanften Schlaf gewiegt. Sie haben vier Jahre lang nicht gemerkt, dass er die jungen Spieler nicht fördert und aus den ihm anvertrauten Jungs nicht ein Maximum herausholt. Erst jetzt, nach dem dritten Scheitern im Viertelfinale in vier Jahren und keinerlei Förderung der Junioren haben sie endlich gesehen, dass der Kaiser ja gar keine Kleider trägt. Also zahlen sie Harold Kreis aus. Der Deutschkanadier hatte noch einen Vertrag bis zum Ende der nächsten Saison.

Bild

Harold Kreis, die Angela Merkel unter den Hockeytrainern. bild: keystone/watson

Aber es war und ist den Zugern wohl mit einem Trainer wie Harold Kreis. Bei der Verpflichtung eines neuen Trainers werden sie erneut versuchen, den Bären zu waschen ohne ihn nass zu machen. Will heissen: sie möchten zwar schon einen leistungsorientierten, fordernden, auch mal lauten Trainer – aber dann doch nicht einen, der an die Grenzen geht und für Unruhe sorgt. Einen, der womöglich gar mit bissigen Aussagen provoziert und es wagen könnte, zu sagen, was alle heimlich denken: dass beispielsweise Raphael Diaz als Captain überfordert ist und zu wenig bringt.

Zugs Raphael Diaz waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EV Zug und dem HC Davos am Dienstag, 29. November 2016, in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

ist Raphael Diaz gut genug als EVZ-Captain? Bild: KEYSTONE

Sie hätten auch gerne einen, der die jungen Talente fördert, ihnen dann viel Eiszeit zuweist, wenn es zählt. Fast so einen wie Arno Del Curto. Aber dann doch nicht einen, der es mit der Juniorenförderung so arg treibt, dass die arrivierten Stars aufmucken und Unruhe aufkommt.

Eigentlich ist es ganz einfach: Zug braucht Hans Kossmann mit einem Einjahresvertrag. Einen Mann, der Zug aus seinem Dornröschenschlaf der Bequemlichkeit reisst. Der EV Zug ist eines der beststrukturierten Sportunternehmen im Land. Den Zugern fehlt bloss der Mut, selbstsicher und laut aufzutreten wie ein Spitzenteam und die damit einhergehenden Konflikte auszutragen.

Zuerichs Trainer Hans Kossmann im zweiten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem HC Lugano, am Samstag, 14. April 2018, im Zuercher Hallenstadion. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Wäre Hans Kossmann der richtige Trainer für den EV Zug? Bild: KEYSTONE

Bei Spitzenteams ist es nie windstill. Bei Spitzenteams ist es nie allen, vom Präsidenten über den Manager bis zum Sportchef, dem Trainer und den Spielern, wohl. Erfolg erfordert den Preis der Unruhe.

Hat Sportchef Reto Kläy den Mut, einen Mann wie Hans Kossmann als Trainer zu verpflichten? Oder gar Hans Kossmann? Dann können die Zuger Meister werden.

Ich befürchte, dass er diesen Mut nicht hat und den Bär beim Waschen nicht nass zu machen wagt. Die Furcht vor einem richtig guten, grossen, unbequemen Trainer ist wahrscheinlich zu gross.

Das Büro steht Kopf, wir sind im Playoff-Fieber

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    Alle Leser-Kommentare
  • Zug isch besser 17.04.2018 09:29
    Highlight Highlight Ich könnte mir Christian Wohlwend als spannende Option vorstellen. Könnte vom Profil passen. Er kennt die jungen Spieler aus den U-Nationalmannschaften und ist ein charismatischer Trainer. Weiss nicht ob er überhaupt Interesse hätte einen NL Verein zu übernehmen.
    • goldmandli 17.04.2018 12:49
      Highlight Highlight Wäre auf jeden Fall eine spannende Idee. Mit Jungen kann er und spricht, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, würde wohl auch helfen, mit den Stars umzugehen. Kenne ihn aber zu wenig, um seine Leistungen als Trainer bewerten zu können. Ausserdem würde ich ihn ungerne als Trainer unserer Junioren missen.
  • mukeleven 16.04.2018 22:42
    Highlight Highlight oha - hr-time beim klaus, wiedermal.

    doch diesmal geb ich seiner einschätzung eine glatte 6!
    der hans in zug - perfect move/match! 👍
  • W.Dusel 16.04.2018 22:38
    Highlight Highlight Da muss ich Chläusu Recht geben. Ich denke auch, dass Diaz überfordert ist. Er will es zu gut machen. Vielleicht wäre zB Schlumpf besser geeignet. Auf jedenfall gut das Kreis weg ist. Sicher ein guter Coach, aber zu weich und emotionslos.
  • Darkside 16.04.2018 22:12
    Highlight Highlight Leo Schumacher arbeitet jetzt in der Organisation vom Z (Headcoach bei GCK, momentan während den PO als Assistent beim Z an der Bande).
  • Max Pauer 16.04.2018 21:55
    Highlight Highlight Und das nächste Hausverbot für den Eismeister. Langsam muss er sich eine neue Sportart neben Töff suchen. Boccia? Faustball? Tontaubenschiessen?

    P.S. wohnt Leo Schumacher immer noch neben dem Zuger Eispalast?
    • SalamiSandwich 16.04.2018 22:09
      Highlight Highlight Ich weiss es nicht. Ich weiss nur das er, wie Hans K. Im Kanton Zug wohnen.
  • jjjj 16.04.2018 21:32
    Highlight Highlight Leo Schumacher!!!
  • Mikesch 16.04.2018 21:11
    Highlight Highlight Danke für was?
    Für abermals scheitern in den Viertelfinalspiel?
    für den Finaleinzug der eher durch die Euforie und den Teamspirit entstand?
    fürs blöde Resultat halten in Qualispielen?
    Sorry die Entlassung ist mindestens 3 Jahre zu spät
    Hoffentlich gibts einen Trainer der mal richtig Feuer 🔥 unter den Ärschen von den Verwöhnten Spieler macht!



  • Matlokk 16.04.2018 21:00
    Highlight Highlight Doug Shedden war jetzt auch nicht grade ein Regenbogenpony auf rosa Wolke. „Unbequem“ wird ihm nur teilweise gerecht... Immerhin lief immer was... Jetzt müsste noch etwas Intelligenz, Mut und Vertrauen in die Jungen dazu kommen, dann würds passen. Irgendwie eine Mischung aus Shedden und Kreis. Hans Kossmann könnte tatsächlich einen guten Job machen.
  • SalamiSandwich 16.04.2018 21:00
    Highlight Highlight Schön geschrieben Klaus.

    Ach und vielen Dank Herr Kreis das wir seit 19 Jahren wieder einmal ein Playoff-Final erleben durften.

    Momentan könnte ich mir zwei Trainer vorstellen: Kossmann oder Hedlund.

    Wenn Kossmann kommt, sollte man gleich denn Herr Immonen weg schicken. & Leo Schumacher als Assistenz Trainer setzen.

    Was viele sich wünschen aber wahrscheinlich nicht passieren wird: Wes Walz & Miko Antisin an der Bande.

    Was ich nicht hoffe das man denn holt: Kevin
    Schläpfer, Patrick Fischer, Doug Shedden, Heinz Ehlers und Sean Simpson.
    • MARC AUREL 16.04.2018 22:47
      Highlight Highlight Ehlers ist ein guter Trainer.. er holt immer das Beste aus die Mannschaft heraus..
    • Danyboy 16.04.2018 23:06
      Highlight Highlight Aurel:
      Ja, ohne Zweifel... Aber vom Typ und Temperament her glaube ich das komplett Falsche für Zug im Moment. Irgendwie müsste man Arno ins Unterland locken können😅
    • exeswiss 16.04.2018 23:09
      Highlight Highlight ehlers hat in langnau einen vertrag.
  • Eifach öpis 16.04.2018 20:47
    Highlight Highlight Ich würde sehr viel darauf wetten, dass es Kossmann wird. Der Vertrag ist bestimmt schon unterschrieben!
  • Danyboy 16.04.2018 20:34
    Highlight Highlight Ich unterschreibe diesen Artikel zu 100%.
    Beim EVZ müssen CEO, Sportchef und Präsident lernen, dass besonnene Professionalität alleine NIEMALS ausreicht. Eine gewisse Unruhe, unkontrollierbare Emotionen spielen immer eine Rolle. Und genau das hat 4 Jahre gefehlt. Auch die jetzige „einvernehmliche“ Entlassung fast einen Monat nach dem Ausscheiden passt leider fast zu gut zur netten Wohlfühlatmosphäre. Der EVZ macht 90% richtig. Aber man darf weder die Academy zur alleinigen Raison d‘être machen noch jegliche impulsive Entscheidungen im Keim ersticken. Einfach mal Fredy Egli zu Rate ziehen😉
  • goldmandli 16.04.2018 20:22
    Highlight Highlight Ist Kossmann ein unbequemer Trainer? Auf mich wirkt er eher wie ein sympathischer, angenehmer Typ. Für mich wäre er auf jeden Fall eine gute Lösung für Zug.
    • miguelito71 16.04.2018 20:40
      Highlight Highlight Frag mal unsere Weicheier bei Gottéron. Damals hätte ich die Spieler zum Teufel gejagt und nicht den Trainer.
    • Danyboy 16.04.2018 20:41
      Highlight Highlight Er hat definitiv mehr Emotionen, hat in Fribourg und Zürich durchaus passable Erfolge erzielt... Vielleicht keine Ideallösung, aber einen Versuch wert. Meines Erachtens wäre aber mehr Mut angebracht. Einen hier noch unbekannten, aber renommierten Coach aus dem Ausland holen. Und langsam die Ablösung von Tobi in 2-3 Jahren vorbereiten
    • släppschött 16.04.2018 21:18
      Highlight Highlight Ein Comeback von Doug Shedden wär mal was. Der hat mit einem nominell schlechteren Team mehr gewonnen!
      Unterhaltsam wärs allemal.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Freilos 16.04.2018 20:15
    Highlight Highlight Hoffentlich kommt keiner auf die Idee Sean Simpson zurückzuholen.
    • Danyboy 16.04.2018 20:36
      Highlight Highlight Noch schlimmer wäre es, man holt einen netten jungen Trainer a la Leuenberger oder Fischer, um denen sozusagen ein Praktikum in Jugendförderung zu geben...
      Es braucht jetzt eine klare Leistungskultur. Und zwar AUCH für die Jungen. Es darf keine Stammplätze für Academy-Spieler aus Prinzip geben...
    • Freilos 16.04.2018 21:00
      Highlight Highlight Zug wird nie und nimmer einen Schweizer Trainer verpflichten. Die sind zu „kanadisch“ aufgestellt.
  • welefant 16.04.2018 20:02
    Highlight Highlight schön geschrieben klaus! wahr ist‘s!
  • HockeyTime 16.04.2018 19:51
    Highlight Highlight Immerhin ein Dankeschön wäre trotz allem noch angebracht...

Der Grösste aller Zeiten geht – im Stil des Grössten aller Zeiten

Arno Del Curto (62) ist nicht mehr Trainer in Davos. Eigentlich unvorstellbar. Ein trauriger Tag für unser Hockey? Nein. Arno Del Curto verlässt die Arena als Sieger.

Die erste spontane Reaktion kommt von Chris McSorley: «One of the saddest days I've had since 2001».

Der Kanadier, der im Wesen und Wirken Arno Del Curto am nächsten kommt, hat recht und wieder auch nicht. Natürlich ist es hockeytechnisch ein trauriger Tag, wenn Del Curto sein Amt niederlegt. Nun ist McSorley der «Dinosaurier» der Liga. Er arbeitet seit 2001 in Genf und es passt, dass ausgerechnet er am Freitag der nächste Meisterschafts-Gegner der Davoser ist.

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