Unvergessen
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Tanja Frieden jubelt nach der Zieleinfahrt, Lindsey Jacobellis schaut verdutzt aus der Wäsche. Bild: AP

Ein BackSide Air zur Unzeit

17.02.2006: Tanja Frieden freut sich schon über den silbernen «Plämpu», als Lindsey Jacobellis ihr Gold schenkt

17. Februar 2006: Weil die Amerikanerin Lindsey Jacobellis beim zweitletzten Sprung eine Showeinlage zeigt und stürzt, wird sie von Tanja Frieden noch überholt. Die Schweiz jubelt über unverhofftes Gold.

17.02.15, 00:01 17.02.15, 09:28

Alles ist klar im Finallauf des olympischen Snowboardcross-Wettkampfs der Frauen in Turin. Lindsey Jacobellis fährt vom Start weg an der Spitze, während sich die Fahrerinnen hinter ihr um die Medaillen rangeln und eine um die andere Terrain einbüsst. Jacobellis vor Tanja Frieden und Dominique Maltais wird die Reihenfolge auch im Ziel sein, daran zweifelt niemand mehr. Silber für die Schweiz, super!

«Ooooh! Drama!» brüllt der BBC-Reporter, als Lindsey Jacobellis stürzt und Tanja Frieden an ihr vorbei rast. Sein «Friiiiedeeen!» erinnert stark an den DJ-Bobo-Hit Freedom. Quelle: Youtube/BBC

Aber es kommt der Moment, der von den Winterspielen in Turin am meisten haften bleibt. Beim zweitletzten Sprung greift Jacobellis mit der Hand ans Brett, zeigt den Fans eine Showeinlage – einen Backside Air – und verkantet bei der Landung. Sie rappelt sich zwar sofort wieder auf, doch das Tempo ist nach dem Sturz weg. Frieden rast heran, Frieden rast vorbei, Frieden übersteht den letzten Sprung sicher, Frieden ist Olympiasiegerin!

Tanja Friedens grösster Moment

Während Tanja Frieden im Ziel überschwänglich jubelt und später im Interview mit dem Schweizer Fernsehen den Begriff «Plämpu» prägt, ist Jacobellis am Boden. Die Ausrede, ihr Griff ans Brett sei zur Stabilisierung des Sprunges notwendig gewesen, nimmt ihr niemand ab. Mit etwas Abstand gibt die Amerikanerin dann auch zu, dass die Showeinlage unnötig gewesen sei.

Unvermögen in Turin, Pech in Vancouver und Sotschi

2010 unternimmt Jacobellis in Vancouver den zweiten Versuch, ihre grossartige Karriere mit Olympiagold zu veredeln. Doch die 7-fache X-Games-Siegerin und 3-fache Weltmeisterin scheitert im Halbfinal. Sie weicht einer gestürzten Konkurrentin aus, verpasst ein Tor und wird deshalb disqualifiziert und bloss Fünfte.

Im Dezember 2013 gibt sie nach mehreren Knieoperationen ihr Comeback. Jacobellis qualifiziert sich für Sotschi 2014, zählt zum Favoritenkreis auf Gold. Zu recht, wie sich zeigt: Souverän qualifiziert sie sich für den Halbfinal, den sie bis zur Rennhälfte mit grossem Vorsprung anführt. Doch dann stürzt die Amerikanerin in einer Rechtskurve. Ohne gegnerische Einwirkung, ohne Showeinlage. Gold ist wieder weg. Den kleinen Final um Rang 6 gewinnt Jacobellis dann überlegen. Olympia ist offenbar einfach nicht ihr Ding.

Dank Sensation die Schweizer Sportlerin des Jahres

Blaue Augen, blonde Haare, ein Gewinnerlächeln nicht nur bei der Siegerehrung: Kein Wunder wurde Tanja Frieden in der Schweiz äusserst populär.  video: youtube/bpjmm5

Das Jahr nach dem Plämpu

Wie verändert sich ein Leben nach einem Olympiasieg? Ein Dok-Filmer begleitete Tanja Frieden beim Fischen in Norwegen, beim Wellenreiten, beim Snowboarden in Dubai und auch bei der Wahl zur Schweizer Sportlerin des Jahres 2006. Hier kann man den Film anschauen.

Überraschungs-Olympiasiegerin Tanja Frieden ist schon längst nicht mehr aktiv. Kurz vor den Spielen von Vancouver musste sie 2010 den Rücktritt bekannt geben. Bei einem schweren Sturz hatte sie sich beide Achillessehnen gerissen.

Heute gibt die Berner Oberländerin ihr Wissen als Mentaltrainerin an andere Sportler weiter. Zudem gelingt es ihr erfolgreich, den Turiner «Goldplämpu» bis heute zu versilbern: Sie ist Botschafterin mehrerer Marken, hält Referate und moderiert Anlässe.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei. 



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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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