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Tanja Frieden of Switzerland reacts after winning a gold medal, as American Lindsey Jacobellis, rear, finishes second after crashing in sight of the finish line in the final of the Women's Snowboard Cross competition at the Turin 2006 Winter Olympic Games in Bardonecchia, Italy, Friday, Feb. 17, 2006. Jacobellis took a silver medal, Dominique Maltais of Canada bronze. (KEYSTONE/AP Photo/Lionel Cironneau)

Tanja Frieden jubelt nach der Zieleinfahrt, Lindsey Jacobellis schaut verdutzt aus der Wäsche. Bild: AP

Unvergessen

Frieden freut sich schon über den silbernen «Plämpu», da schenkt ihr Jacobellis Gold

17. Februar 2006: Weil die Amerikanerin Lindsey Jacobellis beim zweitletzten Sprung eine Showeinlage zeigt und stürzt, wird sie von Tanja Frieden noch überholt. Die Schweiz jubelt über unverhofftes Gold.



Alles ist klar im Finallauf des olympischen Snowboardcross-Wettkampfs der Frauen in Turin. Lindsey Jacobellis fährt vom Start weg an der Spitze, während sich die Fahrerinnen hinter ihr um die Medaillen rangeln und eine um die andere Terrain einbüsst. Jacobellis vor Tanja Frieden und Dominique Maltais wird die Reihenfolge auch im Ziel sein, daran zweifelt niemand mehr. Silber für die Schweiz, super!

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Vergiss das Bild, aber gib dir den Ton: «Ooooh! Drama!», brüllt der Reporter, als Lindsey Jacobellis stürzt und Tanja Frieden an ihr vorbeirast. Sein «Friiiiedeeen!» erinnert stark an den DJ-Bobo-Hit «Freedom». Video: streamja

Aber es kommt der Moment, der von den Winterspielen in Turin am meisten haften bleibt. Beim zweitletzten Sprung greift Jacobellis mit der Hand ans Brett, zeigt den Fans eine Showeinlage – einen Backside Air – und verkantet bei der Landung.

Lindsey Jacobellis rappelt sich zwar sofort wieder auf. Doch das Tempo ist nach dem Sturz weg. Tanja Frieden rast heran, Frieden rast vorbei, Frieden übersteht den letzten Sprung sicher – Frieden ist Olympiasiegerin!

Die Entscheidung im Video. Video: SRF

Während Tanja Frieden im Ziel überschwänglich jubelt und später im Interview mit dem Schweizer Fernsehen den Begriff «Plämpu» prägt, ist Jacobellis am Boden zerstört. Die Ausrede, ihr Griff ans Brett sei zur Stabilisierung des Sprunges notwendig gewesen, nimmt ihr niemand ab. Mit etwas Abstand gibt die Amerikanerin dann auch zu, dass die Showeinlage unnötig gewesen sei.

Unvermögen in Turin, Pech in Vancouver und Sotschi

2010 unternimmt Jacobellis in Vancouver den zweiten Versuch, ihre grossartige Karriere mit Olympiagold zu veredeln. Doch die neunfache X-Games-Siegerin und sechsfache Weltmeisterin scheitert im Halbfinal. Sie weicht einer gestürzten Konkurrentin aus, verpasst ein Tor und wird deshalb disqualifiziert und bloss Fünfte.

Women's Snowboard Cross silver medalist Lindsey Jacobellis of the United States is seen during the medal ceremony in the Medal Plaza at the Turin 2006 Winter Olympic Games in Turin, Friday 17 February 2006.  (KEYSTONE/EPA/BARTOMIEJ ZBOROWSKI)

Silber ist doch auch etwas: Jacobellis 2006. Bild: EPA

Im Dezember 2013 gibt sie nach mehreren Knieoperationen ihr Comeback. Jacobellis qualifiziert sich für Sotschi 2014, zählt zum Favoritenkreis auf Gold. Zu recht, wie sich zeigt: Souverän qualifiziert sie sich für den Halbfinal, den sie bis zur Rennhälfte mit grossem Vorsprung anführt. Doch dann stürzt die Amerikanerin in einer Rechtskurve. Ohne gegnerische Einwirkung, ohne Showeinlage. Gold ist wieder weg, Jacobellis wird Siebte.

Auch 2018 in Pyeongchang kann sie den Titel nicht gewinnen. Jacobellis erreicht zwar den Final, landet dort aber auf dem unglücklichen vierten Rang. Ob sie als dann 36-Jährige auch 2022 in China noch einmal bei Olympischen Spielen antreten wird?

Dank Sensation die Schweizer Sportlerin des Jahres

Überraschungs-Olympiasiegerin Tanja Frieden ist schon längst nicht mehr aktiv. Kurz vor den Spielen von Vancouver musste sie 2010 den Rücktritt bekannt geben. Bei einem schweren Sturz hatte sie sich beide Achillessehnen gerissen.

ARCHIV - ZU DEN SCHWEIZER MEDAILLENGEWINNERN AN OLYMPISCHEN WINTERSPIELEN STELLEN WIR IHNEN EINE AUSWAHL AN ARCHIVBILDERN ZUR VERFUEGUNG - Swiss Tanja Frieden, Olympic Champion in the Women's Snowboard Cross celebrates with her Gold medal after the medal ceremony in Turin, Italy, Friday, February 17, 2006, during the XX. Turin 2006 Olympic Winter Games. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Blaue Augen, blonde Haare, ein Gewinnerlächeln: Kein Wunder wurde Frieden in der Schweiz äusserst populär. Bild: KEYSTONE

Heute gibt die Berner Oberländerin ihr Wissen als Mentaltrainerin an andere Sportler weiter. Zudem gelingt es ihr erfolgreich, den Turiner «Goldplämpu» bis heute zu versilbern: Sie ist Botschafterin mehrerer Marken, hält Referate und moderiert Anlässe.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • judge 17.02.2020 10:44
    Highlight Highlight Man kann die doofe Plämpu-Story nicht mehr hören. Grauenhaft.
    • Mia_san_mia 17.02.2020 12:28
      Highlight Highlight Wieso schaust Du Dir denn diesen Artikel an?
  • what's on? 17.02.2020 09:20
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