Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Einfahrender Zug im Bahnhof Loewenstrasse in Zuerich am Samstag, 12. April 2014. Am15. Juni 2014 erfolgt die Eroeffnung der Durchmesserlinie. Damit ab dem 15. Juni 2014 der Betrieb reibungslos funktioniert, werden die neuen Streckenabschnitte seit laengerem ausfuehrlich getestet. Hoehepunkt ist nun ein zweitaegiger Probebetrieb: Mehrere S-Bahnen und Fernverkehrszuege verkehren durch den Bahnhof Loewenstrasse und den Weinbergtunnel. Getestet werden die Kundeninformationen im Zug und am Bahnhof, die Funkverbindungen zu Lokfuehrern, Notsprechstellen, Ablaeufe von Logistik und Gepaeck und vieles mehr. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Testbetrieb, zwei Monate vor Eröffnung: Am Samstag, 12. April, fährt eine S-Bahn am neuen Bahnhof Loewenstrasse in Zürich ein. Am15. Juni 2014 wird die Durchmesserlinie eröffnet. Bild: Keystone

Zürcher Durchmesserlinie

«Schwan im Tunnel – bitte den Zug nicht verlassen»

Die Zürcher Durchmesserlinie – das grösste innerstädtische Bahnprojekt der Schweiz – ist für den Betrieb bereit. In einer grossen Hauptprobe befuhren am Samstag die ersten Testzüge die Strecke – allerdings noch ohne Passagiere. 



Zügig verlässt die S-Bahn das hell erleuchtete Perron und taucht kurz danach ein in den Weinbergtunnel, der nach Zürich-Oerlikon führt. Nach wenigen Minuten erreicht der Zug auf der 4,6 Kilometer langen Berg- und Talfahrt eine Geschwindigkeit von 120 km/h. 

Vor den Fenstern flitzt das Leuchtband als gleichmässiger blauer Strich vorbei. Dass im Tunnel trotz mehrmaligem Auswaschen mit Löschfahrzeugen noch viel Staub herumgewirbelt wird, ist in der Dunkelheit nicht auszumachen. 

Die Jungfernfahrt endet abrupt vor der Einfahrt in Oerlikon. Das Signal steht auf rot und aus der Lautsprecheranlage kommt die Durchsage der Betriebszentrale Zürich-Flughafen: «Dieser Zug kann die Fahrt vorerst nicht fortsetzen. Grund ist ein Schwan im Tunnel. Bitte bleiben Sie im Zug.» 

Der Weinbergtunnel, anlässlich zum Countdown-Start der Durchmesserlinie am 26. November 2013.  Bild: Keystone

Alle möglichen Störungsfälle geübt 

Lea Meyer, Mediensprecherin der SBB, gibt Entwarnung. Es handle sich um einen geplanten Stopp, klärt sie die Medienleute auf. Es sollte nicht der letzte unfreiwillige Halt im Tunnel an diesem Tag sein. Immer wieder wurden die Lokführer zum Halten und Warten im Tunnel gezwungen. 

Mit dem Probebetrieb 64 Tage vor der offiziellen Inbetriebnahme der DML übte die SBB mit ihrem Personal alle möglichen Störungsfälle und überprüfte dabei auch sämtliche Kundeninformationssysteme in den Zügen und am Bahnhof. Auf den Perrons achteten rund 30 Beobachter darauf, dass die akustischen Durchsagen mit den optischen Angaben auf den elektronischen Anzeigetafeln übereinstimmten. 

Die richtige Information der Kunden im Störungsfall sei das A und O, sagte einer der Beobachter. Für einen reibungslosen Ablauf müssten alle Systeme einwandfrei ineinandergreifen. 

Der Bahnhof Loewenstrasse kurz vor der Fertigstellung. Aufnahme vom 6. März 2014.  Bild: Keystone

60 Züge verkehrten beim Testbetrieb

Dem Zufall überlassen wird nichts. Auch kleinste Details, wie etwa das Ausfahren der Trittbretter an die Perronkanten und die Haltepunkte der einzelnen Züge, werden genau kontrolliert und Mängel in Protokollen festgehalten. 

Noch nie sei für einen Probebetrieb ein derart grosser Aufwand betrieben worden, sagte Pascal Rechsteiner, der für die Inbetriebnahme zuständige Projektleiter. Für ein so grosses Projekt wie die DML sei dies aber nötig und gerechtfertigt. 

Beim Testbetrieb verkehrten 60 Testzüge zwischen Wiedikon und Oerlikon. Zum Einsatz gelangten sämtliche Fahrzeugtypen der S-Bahn-Flotte, ein zweiteiliger Intercity-Neigezug (ICN) sowie ein IC2000. Die 30 Lokführer - je zwei pro Führerstand - waren vorgängig in einer Videoschulung mit den Gegebenheiten auf der neuen Linie vertraut gemacht worden. Insgesamt werden für die DML 5000 Mitarbeitende geschult. 

Abgang zum Bahnhof Löwenstrasse, anlässlich des Testbetriebs-Tages am 12. April 2014. Bild: Keystone

Steigungen problemlos gemeistert 

Geübt wurden neben Regel- und Störungsfahrten am Samstag auch technische Fahrten. Diese sollten Aufschluss geben, wie die Züge die Steigungen von bis zu 37 Promille meistern. Dieser Test sei problemlos verlaufen, sagte Gesamtprojektleiter Roland Kobel. Die Berechnungen hätten sich als richtig erwiesen. 

Als Meilenstein bezeichnete Kobel die Inbetriebnahme der Stellwerke vor einer Woche. Damit sei sichergestellt worden, dass die DML am 15. Juni für den S-Bahn-Betrieb freigegegeben werden könne. Die Fernverkehrszüge verkehren auf der neuen Strecke zwischen Zürich-Altstetten und Zürich-Oerlikon erst am Dezember 2015, wenn die Brückenbauwerke im Westabschnitt fertiggestellt sind. 

Mit dem Verlauf des Probebetriebes zeigten sich die Verantwortlichen zufrieden. Das Meiste habe gut funktioniert, stellte Rechsteiner fest. Nun gelte es noch, kleinere Mängel zu beheben. Positiv ist sein Fazit auch zur grossen Evakuierungsübung mit rund 500 Figuranten in der vergangenen Woche. Die Personenströme hätten sich im Tunnel im Grossen und Ganzen so verhalten, wie man sich das vorgestellt habe. (erf/sda) 

Abonniere unseren Newsletter

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Ohne WLAN ins Bett – warum Schweizer Hotels und Restaurants offline gehen

Ein Zimmer ohne WLAN. Essen ohne Smartphone. Die Schweizer Gastronomie und Hotellerie entdeckt den Flugmodus.

«Free WLAN!». Mit diesem Angebot versuchen uns Restaurants bereits seit Jahren in ihre Lokale zu locken. Doch nun, wo gefühlt jedes Lokal gratis den Zugang zum Internet anbietet, könnte der Trend kippen. Von Online zu Offline. Sprich: Demnächst halten wir vielleicht Ausschau nach Restaurants, in denen das Smartphone keinen Platz hat.

Davon überzeugt ist Daniel Häni vom «Unternehmen Mitte». Das Kaffeehaus war vor rund 20 Jahren das erste Lokal in Basel, das gratis WLAN anbot. Nun ist die Mitte …

Artikel lesen
Link to Article