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French President Francois Hollande, right, French Foreign Minister and president of the COP21 Laurent Fabius, second, right, United Nations climate chief Christiana Figueres and United Nations Secretary General Ban ki-Moon applaud after the final conference at the COP21, the United Nations conference on climate change, in Le Bourget, north of Paris, Saturday, Dec.12, 2015. Governments have adopted a global agreement that for the first time asks all countries to reduce or rein in their greenhouse gas emissions. (AP Photo/Francois Mori)

Der französische Präsident Francois Hollande feiert mit Aussenminister Laurent Fabius, UNO-Generalsekretär Ban ki-Moon und der UN-Klima-Chefin Christiana Figueres (von rechts).
Bild: Francois Mori/AP/KEYSTONE

Kampf gegen die globale Erwärmung: Die Welt einigt sich auf einen historischen Klimavertrag

Die Pariser UNO-Klimakonferenz hat am Samstagabend die erste weltweite Vereinbarung zur Bekämpfung des Klimawandels beschlossen. Damit verpflichten sich erstmals nahezu alle Länder zum Klimaschutz.



Das Wichtigste in Kürze

Die Staatengemeinschaft hat sich am Samstag in Paris auf das erste globale Klima-Abkommen geeinigt, mit dem die Welterwärmung auf unter 2 Grad begrenzt werden soll. Das von Frankreichs Aussenminister Laurent Fabius vorgelegte Abkommen wurde am Abend vom Plenum einmütig gebilligt.

«Die Pariser Vereinbarung für das Klima ist angenommen», sagte Frankreichs Aussenminister und Konferenzleiter Laurent Fabius unter dem Jubel der Delegierten. Der Vertrag gibt das Ziel vor, die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzten. Die 195 Länder wollen sogar versuchen, bei 1,5 Grad zu landen.

A woman walks past a map showing the elevation of the sea in the last 22 years during the World Climate Change Conference 2015 (COP21) at Le Bourget, near Paris, France, December 11, 2015.  REUTERS/Stephane Mahe  TPX IMAGES OF THE DAY

Das Abkommen tritt in Kraft, wenn mindestens 55 Staaten ratifiziert haben und die Länder mindestens 55 Prozent des globalen Treibhausgasausstosses ausmachen.
Bild: STEPHANE MAHE/REUTERS

Langfristig sollen nicht mehr Treibhausgase wie CO2 ausgestossen werden, als gleichzeitig zum Beispiel von Wäldern wieder aufgenommen werden können. Allerdings werden die nationalen Klimaziele weiterhin von den einzelnen Ländern festgelegt – bislang reichen die vorliegenden Pläne nicht aus, um den Klimawandel auf ein erträgliches Mass zu begrenzen.

Zahlreiche Umweltschützer werteten den Vertragstext als starkes Signal zur Abkehr von den fossilen Energien Kohle, Öl und Gas. Sie hätten sich aber früheres Handeln und mehr konkrete Verpflichtungen für die einzelnen Staaten gewünscht.

Das globale Klima-Abkommen ist ein Text, der trotz ausgewogener Form einige klare Wegmarken enthält. Dazu zählen das Fernziel der Erderwärmung und das angestrebte Ende der fossilen Energieträger. Nachfolgend eine Zusammenstellung:

Das langfristige Ziel

In dem 31-seitigen Abkommen setzt sich die Staatengemeinschaft das Ziel, die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu halten. Und die Bemühungen sollten fortgesetzt werden, den Temperaturanstieg bei 1,5 Grad zu begrenzen. Dies ist ein Schritt auf die besonders betroffenen Staaten zu, zum Beispiel kleine Inseln. Für diese hätte schon eine Zwei-Grad-Erwärmung katastrophale Folgen.

Weltweit solle so rasch als möglich ein Höhepunkt und dann eine schnelle Senkung der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen erreicht werden. Entwicklungsländern wird dafür mehr Zeit eingeräumt. Jahreszahlen sind nicht festgelegt.

Weltweit solle so rasch als möglich ein Höhepunkt und dann eine schnelle Senkung der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen erreicht werden. Entwicklungsländern wird dafür mehr Zeit eingeräumt. Jahreszahlen sind nicht festgelegt.

Wann tritt das Abkommen in Kraft

Das Abkommen wird ab 22. April 2016 im UNO-Hauptquartier in New York während einem Jahr zur Unterzeichnung aufliegen. Nach Ablauf dieses Jahres beginnt der Ratifizierungsprozess. Das Abkommen tritt in Kraft, wenn mindestens 55 Staaten ratifiziert haben und die Länder mindestens 55 Prozent des globalen Treibhausgasausstosses ausmachen.

Das Abkommen selber ist rechtlich bindend, nicht jedoch die nationalen Zusagen zum CO2-Ausstoss oder zu finanziellen Beiträgen. Ein Sanktionsmechanismus bei Vertragsverletzungen ist nicht vorgesehen. Die Staatengemeinschaft setzt darauf, dass mit regelmässiger Veröffentlichung des Erreichten und Nicht-Erreichten die Sünder international am Pranger stehen und so zur Besserung getrieben werden.

Mittel zur Senkung der Treibhausgasemissionen

Vorgaben zur Senkung der Treibhausgasemissionen waren kein direkter Verhandlungsgegenstand der Klimakonferenz, da 185 der beteiligten 195 Staaten hierfür bereits im Vorfeld nationale Pläne vorwiegend für die Zeit von 2020 bis 2030 eingereicht hatten.

Allerdings reichen diese nicht aus, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, sondern bestenfalls auf 2,7 bis 3 Grad. Daher sollen die Umsetzung des Abkommens und Fortschritte beim Klimaschutz insgesamt mit Blick auf die darin genannten Ziele in einem Fünf-Jahres-Rhythmus überprüft werden.

Beginn der Revision

Die erste globale Bestandsaufnahme und Überprüfung soll dem Abkommen zufolge 2023 stattfinden. In einer ergänzenden Entschliessung ist allerdings zudem eine informelle Bewertung der Emissionsziele 2018 vorgesehen, die Vorlage erster nachgebesserter Pläne bis 2020. Verwiesen wird dabei auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse des Weltklimarats IPCC.

Finanzierung von Klimaschutz und Anpassung

Bestehende finanzielle Zusagen werden bekräftigt. Dabei geht es vor allem um das Versprechen der Industriestaaten, ärmeren Ländern ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für Klimaschutz und Anpassung an Klimafolgen zur Verfügung zu stellen. Ausdrücklich genannt wird diese Summe allerdings nur in der ergänzenden Entschliessung, ebenso wie die Absicht, bis 2025 eine neue, höhere Summe festzulegen. Im Abkommen werden auch Nicht-Industriestaaten aufgerufen, freiwillig zusätzliche Beiträge zu leisten.

Im Hintergrund steht die Forderung von Entwicklungs- und Schwellenländern nach einer strikten «Differenzierung», wonach Pflichten nur Industriestaaten zugewiesen werden, wegen deren historischer Verantwortung für Emissionen. Letztere wollen diese strikte Zweiteilung überwinden.

Industriestaaten sollen ärmere Länder ferner bei der Anpassung an Klimafolgen unterstützen, auch durch Technologietransfer und den Aufbau entsprechender Fähigkeiten.

Yellow paint, symbolising the sun and its rays, is seen around the Arc de Triomphe during a protest on Champs Elysees avenue on the sidelines of the World Climate Change Conference 2015 (COP21), in Paris, France, in this handout photo taken and distributed December 11, 2015 by Greenpeace. Picture available for use until December 25, 2015. REUTERS/Greepeace/Handout via Reuters    ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THE AUTHENTICITY, CONTENT, LOCATION OR DATE OF THIS IMAGE. THIS PICTURE IS DISTRIBUTED EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS. FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. NO RESALES. NO ARCHIVE.

Nach Angaben der Organisatoren sind 10'000 Menschen in Paris für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen. Beim Arc de Triomphe wurden die Strassen gelb gefärbt.
Bild: HANDOUT/REUTERS

Entschädigung für Verlust und Schäden

Viele Entwicklungsländer und mit ihnen Nichtregierungsorganisationen (NGO) forderten im Vorfeld der Konferenz vehement Zahlungen der Industriestaaten als Entschädigung für bereits eingetretene Klimaschäden (loss and damage). Im Vertragstext wird dieses Problem anerkannt. Es soll weiter an Wegen gearbeitet werden, diesem zu begegnen. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Schadensvermeidung durch Vorsorgemassnahmen. Konkrete Zusagen gibt es dazu sonst nicht. Besonders die USA fürchten Klagen wegen Klimaschäden.

Climate activists demonstrate in Paris  Saturday, Dec.12, 2015 as part of  the COP21, the United Nations Climate Change Conference. Several environmental and human rights groups are planning protests around Paris to call attention to populations threatened by man-made global warming and urge an end to human use of oil, gas and coal. Poster reads: For a peaceful climate, let oil in the soil. (AP Photo/Matt Dunham)

Klima-Aktivisten demonstrieren in Paris.
Bild: Matt Dunham/AP/KEYSTONE

(sda)

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Concertino 13.12.2015 09:02
    Highlight Highlight Die zentrale Frage ist doch, ob eine Milliarde Chinesen bereit sein werden Wirtschaftswachstum und Wohlstand zu bremsen, ob 1,4 Milliarden Inder sich nachhaltig engagieren und ob Saudi Arabien beschliesst 80% Ihrer Ölvorkommen für immer in der Erde zu belassen. Das halten wir doch für dramatisch unrealistisch. Da wird es noch grosse schmerzvolle Konsequenzen brauchen, bis ein echtes Umdenken passiert.
    • supermario1 23.12.2015 01:04
      Highlight Highlight Ich bin total Ihrer Meinung. 1. muss politisch etwas passieren und 2. muss sich in all unseren Köpfen drastisch was verändern. So wie "mir gschiired" führt das längerfristig zu einem runaway climate change durch positive Rückkoppelungsmechanismen (in der Arktis/Sibierien ist das entweichen von 50 Gt Methan jederzeit möglich. Dies entspräche einer Verdoppelung (!) der CO2 Conc. in der Atmosphäre. Das Vorkommen wird auf>>1000 Gt Methan geschätzt. Das Jahr 2015 ist nach 2014 das wärmste, 2016 wird noch wärmer aufgrund des El Niños, welcher sich immer(95% konf.int.) wärmend aufs Folgejahr auswirkt
  • Schuhmeister Flaig 13.12.2015 04:26
    Highlight Highlight Die können dann feiern, wenn das Abkommen ratifiziert ist.
  • chraebu 13.12.2015 03:58
    Highlight Highlight Ich verstehe die negative Grundhaltung, aber immerhin sind jetzt deutlich mehr Staaten Teil des verbindlichen Abkommens. Darunter nun endlich auch diejenigen mit den grössten Emissionen. Sofern dann diese das Abkommen auch ratifizieren (das wird wohl die schwierigere Herausforderung), ist es immerhin ein erster Schritt in die richtige Richtung.
  • willey 13.12.2015 00:09
    Highlight Highlight Und von welchem Zeitraum sprechen wir? "Das Weltklima soll sich nicht mehr als 2 Grad erwärmen." Pro was? Pro Jahr? Pro Jahrzent? Bis 2050?
  • azoui 12.12.2015 21:34
    Highlight Highlight und wieder eine historische Einigung zum Klimaschutz. Wenn das so weiter geht, gehen wir alle historisch den Bach runter.
  • Switch_On 12.12.2015 20:33
    Highlight Highlight Gibt es auch konkrete Verpflichtungen? Bzw. Sanktionen wenn sie nicht eingehalten werden?
    • Yes. 12.12.2015 21:07
      Highlight Highlight Nein. Von wem auch?
  • openyourworld 12.12.2015 20:27
    Highlight Highlight Jetzt wird es interessant zu beobachten, wie sich die Republikaner in den USA verhalten. Sie haben ja schon im Vorfeld der Konferenz angekündigt, jeglichen Vertrag zu blockieren. Wäre ja nicht das erste Mal, dass ein Klimavertrag an der Ratifizierung scheitern würde.
  • EvilBetty 12.12.2015 19:58
    Highlight Highlight «Weltweit solle so rasch als möglich ein Höhepunkt und dann eine schnelle Senkung der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen erreicht werden. Entwicklungsländern wird dafür mehr Zeit eingeräumt. Jahreszahlen sind nicht festgelegt.»

    Übersetzung:
    Play Icon
  • EvilBetty 12.12.2015 19:54
    Highlight Highlight ... an den sich sowieso niemand hält und aufgrund dessen vieeeeel Geld mit CO2-Zertifikaten gemacht wird...
  • Spalinger Marco 12.12.2015 19:48
    Highlight Highlight und wer darf das Ganze ausbaden? Wir Europäer mit mehr Steuern auf Benzin Heizöl und Fahrzeuge 😠. Und alle andern lachen sich ins Fäustchen und produzieren noch mehr CO2.
    • atomschlaf 13.12.2015 00:22
      Highlight Highlight Genau so wird es kommen. Der als "Erfolg" verkaufte "Klimavertrag" scheint nichts weiter als eine unverbindliche Absichtserklärung ohne konkrete Vorgaben, Zeithorizonte oder Sanktionen zu sein.
      Die EU mit der willfährigen Schweiz im Schlepptau wird weiterhin Bevölkerung und Wirtschaft mit immer noch mehr Steuern und Vorschriften drangsalieren bis Konkurrenzfähigkeit und Wohlstand endgültig ruiniert sind, während der Rest der Welt tut was er will oder dieses Machwerk gar nicht erst ratifiziert.
    • barbapapa 13.12.2015 01:38
      Highlight Highlight Und wer badet alle unsere bisherigen Emissionen aus? Wortwörtlich...
  • ferox77 12.12.2015 15:11
    Highlight Highlight Die Erde steckt das CO2 schon weg. Da gibts keine Bedenken. Hoffentlich gibt es auch genug Spezies, die die jetzigen wirtschaftlichen Tätigkeiten der Menschen langfristig überleben können.
    Für uns selbst könnte es aber ziemlich unbequem werden. Vielleicht nicht unbedingt für diese Generation.
    Für die Menschheit schaut es übel aus, wenn denn der Meeresspiegel wirklich so steigt, wie manche bei fortschreitendem CO2-Ausstoss annehmen. Da können die Leute über ein paar Millionen Flüchtlinge aus 2015 und den Jahren davor nur noch lachen, weil sich bald die halbe Welt auf die Flucht macht.
    • ferox77 12.12.2015 15:48
      Highlight Highlight 2)
      Was das für Konflikte auslöst kann man sich denken. Dass manche das als "Umweltproblem" sehen und damit meinen, dass vielleicht Bäume oder Tiere zu Schaden kommen, aber den Menschen nicht als Bestandteil dieser Umwelt sehen, ist ein Teil des Problems.
  • Edprob1 12.12.2015 13:32
    Highlight Highlight Wieder zum 21.mal nur heisse Luft
    • _kokolorix 12.12.2015 14:27
      Highlight Highlight kein wunder dass sich das klima erwärmt...

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