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Gestatten: Felix Bloch, ein Zürcher Nobelpreisträger, der die Alpen liebte – und half, die Atombombe zu bauen

«Little Boy» hat seine zerstörerische Wirkung in Hiroshima durch Uran entfaltet, während Nagasaki durch eine Plutonium-Implosionsbombe verwüstet wurde. Was viele nicht wissen: An dieser hat auch ein Schweizer mitgearbeitet. 



Trinity-Explosion (sog. Feuerblase 0,016 Sek. nach Zündung).

Das Ergebnis des Manhattan Project: Die erste Atombombe überhaupt explodiert im Rahmen des Trinity-Tests am 16. Juli 1945. bild: gemeinfrei

Zwischen 1942 und 1943 half ein Schweizer beim Bau der amerikanischen Atombomben: Deren «Vater» Robert Oppenheimer holte Felix Bloch nach Los Alamos, weil der Zürcher zu den besten Physikern seiner Zeit zählte. Obwohl er den Grossteil seines Lebens in den USA verbrachte, hat der Nobelpreisträger von 1952 die Schweiz nie vergessen.

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Ein undatiertes Bild von Felix Bloch. bild: gemeinfrei

Felix Bloch kommt am 23. Oktober 1905 in Zürich zur Welt. Sein Vater Gustav wurde in Mähren geboren, im heutigen Tschechien. Er war Getreide-Händler und wanderte 1890 in die Schweiz aus, um im Geschäft seines Onkels zu arbeiten. Gustav und seine Frau Agnes, eine Wienerin, werden 1902 erstmals Eltern einer Tochter. Drei Jahre später kommt Felix hinzu.

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Das Zürcher Bellevue 1890. bild: gemeinfrei

In der Primarschule hat der Sechsjährige Probleme: Nicht nur Mitschüler hänseln ihn wegen seines leichten Akzents, auch die Lehrer behandeln ihn schlecht. Felix hasst die Schule, doch dank der Unterstützung seiner älteren Schwester bleibt er auf Kurs. Der Junge mag Mathematik: In den Zahlen sieht er Klarheit und Schönheit. Mit acht Jahren beginnt er, Klavier zu spielen. Bach begeistert ihn besonders. Als die Schwester 1914 stirbt, ist das für den kleinen Bruder ein herber Schlag. 

Bloch wechselt die Schule, verarbeitet den Verlust und nimmt mit zwölf Jahren die Hürden für das kantonale Gymnasium in Zürich, das er ab 1918 besucht. Hier trifft auf fähige, studierte Lehrer, die den Grundstein seiner wissenschaftlichen Karriere legen. Mathematik fällt Felix besonders leicht: Mit 15 Jahren kann er mühelos berechnen, wie viele Sonnenstunden der Tag bringt. 

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Bloch in den 50ern. bild: getty images

Nach dem Schulabschluss schreibt er sich 1924 in Zürich an der ETH ein: Erst will er Ingenieur werden, doch dann entscheidet er sich für ein Physikstudium – zum Leidwesen seines Vaters, der sich etwas Seriöseres erhofft hatte. Heute schmunzelt man über so eine Aussage. In den Ferien jobbt er in einer Eisengiesserei am Zürisee.

1926 lernt Bloch den Österreicher Erwin Schrödinger kennen, 1927 geht er nach Leipzig und arbeitet bei Werner Heisenberg, der gerade zum Professor für Theoretische Physik berufen worden ist. Der Schweizer ist zu diesem Zeitpunkt 22 Jahre alt, Heisenberg nur vier Jahre älter. Die Physik ist Blochs Zuhause: Er entwickelt in Leipzig mit der Bloch-Funktion die erste nach ihm benannte Theorie.

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Der Deutsche Werner Heisenberg holte sich den Physik-Nobelpreis 1932. bild: oregon state university

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Erwin Schördinger wurde durch «Schrödingers Katze» bekannt. Er bekam den Nobelpreis ein Jahr nach Heisenberg. bild: gepcs

«Es war so einfach, dass ich nicht dachte, es könnte eine grosse Entdeckung sein.»

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Niels Bohr, Nobelpreisträger von 1922. bild: gemeinfrei

Der Schweizer besucht diverse Universitäten in Europa: In Utrecht lernt er die holländische Kultur kennen und lieben. Eine Bild aus den Niederlanden wird die folgenden Jahre sein Büro zieren. Nach einem Zwischenstopp in Kopenhagen landet Bloch im Frühjahr 1932 erneut in Leipzig, doch mit der Machtergreifung Hitlers 1933 endet sein deutsches Kapitel: Bloch ist jüdisch – er flüchtet nach Rom, wo ihn ein Ruf aus den USA erreicht.

Stanford will Bloch, der aber nicht weiss, was er von der Universität halten soll. Auch seine Kollegen können Bloch keinen Rat geben. Bis auf einen: «Aber dann ging ich zu Niels Bohr, und Niels Bohr kannte [Stanford] tatsächlich. Er riet mir: ‹Es ist ein sehr feiner Ort.›» 1934 zieht Bloch 28-jährig in die USA. Bald bietet er ein gemeinsames Seminar mit einem Professor der Universität Berkeley an: Die Rede ist von Robert Oppenheimer, dem Vater der Atombombe. 

Seine Heimat vergisst der Schweizer aber nicht: 1935 kehrt er bereits für einen viermonatigen Urlaub zurück. 1939 trifft Bloch in New York die Physikerin Lore Misch, die er 1940 in Las Vegas heiratet. Sie werden drei Töchter und einen Sohn haben, die ihnen elf Enkel schenken. Als Robert Oppenheimer zum Kopf des amerikanischen Atomprogramms gemacht wird, holt er 1942 seinen alten Freund an Bord. Nach nur einem Jahr sieht Bloch seine Arbeit jedoch schon als erledigt an. Zudem gefällt ihm das strikte Militär-Regime nicht. 

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Physik-Profis unter sich: Felix Bloch, Bruno Ferretti, Homi Jehangir Bhabha und Wolfgang Pauli 1948 in Genf. Pauli hat drei Jahre zuvor den Physik-Nobelpreis bekommen. bild: cern

Bis Kriegsende widmet sich Bloch in Harvard der Erforschung von Radarstrahlen, bevor er 1952 die höchste Auszeichnung für einen Physiker erhält: den Nobelpreis für seine Theorien zur Kernspinresonanz. Es war die erste dieser Auszeichnungen für Stanford. Der Schweizer bleibt am Ball: Seine Forschung legt die Grundlagen für das heutige MRT und CT. 

1954 übernimmt er die Leitung des CERN in Genf, geht aber nach einem Jahr wieder in die USA zurück: Er will forschen, nicht verwalten. Er wird Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften und in eine deutsche Gesellschaft namens Pour le Mérite aufgenommen – so wie berühmte Männer wie Charles Darwin, Carl Friedrich Gauss oder Max Planck. 1965 wird er Präsident der American Physical Society 

Immer wieder besucht er seine Heimat: Ihm fehlen die Alpen und das Wandern. Auch 1983 ist er zu Besuch in Zürich, als plötzlich sein Herz versagt: Bloch wird 77 Jahre alt. «Ich vermisse Felix sehr», schreibt Robert Hofstadter, der Physik-Nobelpreisträger von 1961, in seiner Biographie über Bloch. «Das tun viele von uns. Ich gehöre zu den Glücklichen, die ihn  gut kannten. Er war ein Freund, Verbündeter, Mentor und vieles mehr.»

70 Jahre Atombombenabwurf auf Hiroshima

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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • 1337pavian 09.08.2015 17:42
    Highlight Highlight "(...) dann entscheidet er sich für ein Physikstudium – zum Leidwesen seines Vaters, der sich etwas Seriöseres erhofft hatte. Heute schmunzelt man über so eine Aussage"

    Seriös wie Oppenheimer's "Now I have become death, the destroyer of worlds"? Vielleicht nochmal kurz drüber nachdenken. Danke.
  • fischbrot 06.08.2015 16:40
    Highlight Highlight Ich streu' hier mal ganz beiläufig den padsenden Buchtipp ein: "Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer" von Alex Capus.

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